Die die-hards sind, mehr oder weniger, von derselben generation, um die 40 oder 50. In ermangelung von aufnahmegeräten musste in diesen frühen fernsehtagen jede sendung in echtzeit angesehen werden. Für Deutschland kommt hinzu, dass es nur zwei oder zweieinhalb sender gab (ARD, ZDF, die regionalen Dritten mit nur wenigen stunden täglicher sendezeit). Zerklüftete fernsehverhältnisse mit hunderten frei empfangbarer sender sowie werbeunterbrechungen in filmen und serien kannte man allenfalls vom hörensagen aus den USA. Und das heißt: Fernsehen war jung und neu; fernsehen war stadtgespräch; das fernsehen selbst war die botschaft! Und die serie NUMMER 6 machte ihren eigenen diskurs über die medialen verhältnisse auf.

What was the question again? Why is THE PRISONER so special? Well, here's your answer: THE PRISONER taught me about life!

Nicht zuletzt, es war im jahr 1969 nicht selbstverständlich, eine sendung sehen zu dürfen, von der meine eltern vermutlich selber nicht wussten, was sie davon zu halten hatten, wenn sie sie überhaupt ansahen.

Most television programs, both in the late 1960s and still today want to give the viewers a nice, tidy, well-rounded conclusion in which any questions that have been presented are fully-answered. What makes THE PRISONER both special, and at times frustrating, is the lack of answers at the end of each episode and at the end of the entire series.

Von denen, die NUMMER 6 machten, dachte wahrscheinlich keiner darüber nach, was man alles in die storys hineinlesen würde. Aber irgendwie - bewusst oder unbewusst - wurde daraus etwas, das man das erste fernsehkunstwerk nannte, ein echter klassiker, ein kultprogramm, wie man heute sagt. NUMMER 6 wendet sich an alle, es ist ein spiegelbild unseres lebens. Wie es McGoohan figur und die im Village zu sagen pflegen: "Wir sehen uns." Das sagt alles, wirklich.

Jahrzehntelang war NUMMER 6 aber nichts weiter als eine zeitkapsel der erinnerung, verblassende vage bilder.

Alles in allem ist NUMMER 6 niemals verblasst und übt heute die gleiche, ja noch mehr faszination aus als damals. McGoohan wirkte modern. Auch daran hat sich nichts geändert. Die figur und das outfit seiner NUMMER 6 war, blieb und ist einfach zeitlos.

Glücklicherweise war inzwischen der videorecorder erfunden worden. Das gab den startschuss, sich intensiver mit NUMMER 6 zu beschäftigen, vergessenes aus der versenkung zu holen und recherche zu betreiben.

McGoohan hat mit THE PRISONER etwas geschaffen, das nach ihm vermutlich erst David Lynch mit TWIN PEAKS wieder gelungen ist: eine serie, die dem oberflächlichen betrachter relativ belanglos und durchschnittlich erscheint, in der sich für den intelligenten, fordernden zuseher aber wahre abgründe auftun. So, wie manch einer TWIN PEAKS als bloße mystery-soap abtun mag, ist THE PRISONER für beiläufige seher eine agentenserie mit SciFi-einsprengseln und keine in ihrer theatralik hochallegorische (und fortschreitend allegorischer werdende) abhandlung über themen des damaligen zeitgeschehens und vor allem über den kampf zwischen establishment und individuum.

In short, we would not be talking about the show still if it did not apply in some way to our life.

Fernsehserien gehörten und gehören zur alltäglichen kultur - in Deutschland lange zeit nicht, vermutlich heute noch nicht richtig. In Deutschland herrscht schubladendenken: "E" wie ernst und "U" wie unterhaltung, hoch- und trivialkultur. Nicht zu vergessen, das mantra des öffentlich-rechtlichen "bildungsauftrags" der massenmedien, und alles streng voneinander getrennt, nur im jeweiligen fachbereich erhältlich. Was nicht ins eigene fach passt, wird ausgeblendet. Scheuklapp rules.

We are intended to sympathize with Number Six and rebuffed when we do. Thus, THE PRISONER series is special because viewers are fascinated by the injustice of imprisoning an innocent man, but are simultaneously discouraged by their detachment from the protagonist, a unique dichotomy in film.

Die serie NUMMER 6 transportierte das bild einer realität, das nur wenige millimeter versatz von dem unseren des jahres 1969 hatte... Der versatz beider realitätsbilder ist beinahe infinitesimal knapp, sprich: kongruent geworden. Das ist der mehrwert der serie, der sie hat überdauern lassen. Für eine fernsehserie war das verdammt allerhand.

I think that because we do not fully understand what is happening at all times we become even more engaged. In this sense, THE PRISONER has a lot of hidden messages that someone is always trying to figure out.

Wäre an der produktion alles nach plan und in normalen bahnen verlaufen und hätte man sich an die "realistische herangehensweise" gehalten, wie George Markstein es ursprünglich wollte, dann wäre daraus wahrscheinlich eine ganz andere fernsehserie geworden - gut gemacht, ganz interessant, aber auch ohne überraschungen und durchschnittlich. Aber gerade darum geht es in NUMMER 6 nicht. Es muss nicht sinn machen, muss nicht etwas bedeuten. Um die worte von Nummer Sechs aus "Die Glocken von Big Ben" zu benutzen: Es bedeutet, was es ist! Und bevor sie fragen - ich weiß auch nicht, was das bedeuten soll.

NUMMER 6 ist eine serie mit sehr vielen facetten, jedoch nicht der beliebigkeit. Alles ist eine frage der perspektive, und davon gibt es viele: im leben, in theorie und praxis, in der serie NUMMER 6, und auch am original drehschauplatz in Portmeirion. Denn dieser ort ist ganz nach prinzipien des schauwerts aufgebaut.

Das ganze ist eher eine gemeinsame kurze, aber äußerst interessante, mitreißende und vor allem ambivalente entdeckungstour ins menschliche.

The facts that THE PRISONER has sustained such a large fan following for so long, has inspired academia, and has themes that can relate to society over forty years after its production prove how special this television series is.

Erstaunlicherweise konnte ich mich in den folgenden jahren auch nicht an bilder aus der serie erinnern. Was aber deutlich vorhanden war, war der eindruck, etwas "wichtiges", "geheimnisvolles" und "exzeptionelles" gesehen zu haben.

In einer zeit ohne maps.google, google.earth und routenplaner hieß es landkarten und reiseführer konsultieren! In dieser zeit fuhren die menschen scharenweise ins Glottertal auf der suche nach der SCHWARZWALDKLINIK - und wir 1991 ins reale Village nach Portmeirion. Und wir wurden fündig: The Village - der Ort - das haus von Nummer Sechs - die PRISONER Convention.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie aktuell die Serie noch ist, vielleicht aktueller als je zuvor.

THE PRISONER confirmed many beliefs for those that suspected governments of constant surveillance. It questioned meanings of being free and freedom; what do they mean, does anyone really have it, can we make our own choices, live they way we choose, or is it all served to us and we take it for face value and become mindless drones to society?

Selbst 40 Jahre nach der erstaustrahlung hat diese TV-serie nichts von ihrer faszination eingebüßt. Ganz im gegenteil, durch den massiven eingriff des deutschen staates u.a. auf die rechte eines jeden b ürgers ist diese serie aktueller als je zuvor.

The show allows everyone to feel unique and special because they have a different interpretation. All of these variations bring people together and create dialogue between people who may never have spoken. In these two ways, THE PRISONER accomplishes what most television shows and most people only dream of accomplishing.

Das besondere der serie ist für mich persönlich die vielschichtigkeit der story. Soziologische und philosophische gedanken bilden oft die grundlage für die einzelnen episoden. Was ist real und was ist fiktion? Wie ist die psyche des menschen beschaffen? Welche mächte beherrschen mich? Was bedeutet freiheit? Ein großes feld für interpretationen und diskussionen tut sich da auf. Das macht die serie so einzigartig!

An dieser stelle berührt die fernsehserie NUMMER 6 das literarische werk von Franz Kafka. Und wahrscheinlich liegt hier der grund, warum man seither manche filme und auch fernsehserien als "prisoneresk" bezeichnet.

Es ist nahezu unmöglich, die serie in eine der bekannten kategorien der fernsehunterhaltung einzuordnen, zumal der begriff der "mystery-serie" noch nicht erfunden war.

Number Six is unabashed and bitter – he has reason to be. Within the context of the Village his demeanor rarely changes – but when he leaves in "Fall Out" we suddenly see a man subtly change, dancing and singing. It’s an acting/ directing/ producing/writing decision that marks THE PRISONER as both a shove-it-down-your-throat allegory and a subtle, subtle character stuffy.

THE PRISONER is special because it is groundbreaking. Never before had a show taken so many chances with their audience, and had it pay off to such a spectacular degree.

The Prisoner Nummer 6


NICHT VERGESSEN, SICH FÜR DEN AUFENTHALT
ZU BEDANKEN!

SITEMAP

Serien gehören zum bodensatz des fernsehens, omnipräsent und so unendlich wie das medium selbst. Die wenigsten kratzen auch nur an der unterseite unserer aufmerksamkeitsschwelle.
UNWAHRSCHEINLICHE GESCHICHTEN war eine, die es tat, der klassiker TWILIGHT ZONE.
Dieser titel steht ein für alles, was mit dem begriff TV-magic verbunden ist.

Fantastisches fernsehen
der 60er jahre, das ist
auch eine beschwörende formel:
"Wir sehen uns!"
oder L'année dernière
au Village:

 

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Die aktivitäten von Nr6DE, videos und bilder von den fahrten zu den PRISONER-conventions oder unseren treffen, werden nicht nach neumodischer sitte "geteilt". Einblick erhält, wer nicht bloß "liked", sondern sich wirklich dafür interessiert. All die können gern zu uns stoßen und eine DVD bekommen.

 

 

VILLAGE BOOK SHELF - QUELLENLISTE RUND UM NUMMER 6

Von Jürgen Staeder

MEINE ERSTE PRISONER-CONVENTION
IN PORTMEIRION

Ich laufe schwer bepackt, mit einem mehrfarbigen großen Schirm, ähnlich dem in der Serie, zum Rent-a-car-Schalter, um meinen Mietwagen in Empfang zu nehmen. Linksfahren. Ein bisschen nervös bin ich schon. Hab ich mir da zu viel zugetraut? Ich bekomme meinen Wagen und starte.Nicht zum ersten Mal in England, aber zum ersten Mal auf dem Weg nach Portmeirion. Mit der Zeit werde ich ruhiger. Das Linksfahren ist für mich noch anstrengend, vor allem das Schalten mit der linken Hand, sehr ungewohnt, aber man gewöhnt sich daran - mit der Zeit. Während ich auf der M6 Richtung Wolverhampten unterwegs bin, gehen meine Gedanken noch einmal zurück zu dem Augenblick, als mein Entschluß entstand, ich fahre nach Portmeirion.

Im Jahr 2007 haben wir den ersten deutschen PRISONER-Event in Wiesbaden veranstaltet. Damals wusste ich noch nicht, wie sehr mich das alles wieder in den Bann von NUMMER 6 ziehen würde.

BLICK: NUMMER 6 - PRISONER CONVENTION
BLICK: BILDER AUS WALES
MEHR: WAS IST BESONDERS AN NUMMER 6?
40 JAHRE NUMMER 6 - DEUTSCHE TV-PREMIERE 1969

Wir hatten genau 32 Besucher am 08.03.2007. Es war alles etwas ruhig, gemächlich aber trotzdem aufregend. Bevor wir öffneten, waren schon die ersten da. Und ich traute meinen Augen nicht, so bekleidet wie ich? Nein, Sie hatten das Jacket, das Nummer 6 trug, an, oder einen Ringelpullover oder...
Ich war erstaunt, das hatte ich nicht erwartet. Als ich dann in den hunderten ausgelegten Büchern, Heften, Zeitschriften usw. stöberte, die Bilder sah, Artikel las, da wurde mir immer mehr klar, ich mussda hin. Ich muss den Kirchturm sehen, ich will durch das kleine "Städtchen" laufen, die Treppen, die Wohnung von Nummer 6 sehen... Da sagte ich zu Ute (meiner Frau): "Nächstes Jahr fahr ich nach Portmeirion auf den Convent."

Schon kurz nach dem Event in Wiesbaden fing ich mit der Planung und der Organisation meiner Reise an. Ich fragte Arno nach dem Anmeldemodus. Meldete mich bei Six Of One an. Später dann zum Convent und dann, ja das musste sein, ich wollte im Village schlafen, übernachten, auch noch in der Nacht mitten in Nummer 6 zu sein. Auch das klappte, dank Debs' Hilfe. Der Flug und der Mietwagen waren schnell gebucht. Und dann musste ich warten. Monat um Monat, und ich wär doch am liebsten sofort los, nach Portmeirion. Nun war die Autobahn zu Ende, und ich musste mich auf die Landstrasse konzentrieren. Hier war es etwas anspruchsvoller zu fahren. Aber ich wurde durch die wunderschöne Landschaft, die Berge, das Grün, die vielen Schafherden entschädigt. Insgesamt dauerte die Fahrt 3 Stunden und 20 Minuten, nicht eingerechnet die Pausen. Die Route ging von Birmingham über Wolverhampten, vorbei an Telford und Shrewsbury hinein nach Wales. Hier begann nun die Landstraße, die mich über Welshpool führte, ein wunderschöner kleiner Ort; hier kollidierte mein linker Vorderreifen leicht mit der Kante eines Bürgersteigs; nach Dolgellau über die A458. Eine wunderbare Strecke, die ich nur jedem empfehlen kann, in die Nähe meiner Träume. Von dort nahm ich den Weg an der Küste entlang über Barmouth. Ein typischer Ferienort, aber trotz allem mit viel Charme. Hier machte ich meine erste längere Rast, um in einem Strandcafe einen Tee und ein Stück englischen Kuchen zu probieren. Tee war okay, der Kuchen - naja...
Hier in Barmouth ist eine wunderschöne Eisenbahnbrücke über die Barmouth Bay, den die Eisenbahnstrecke nach Porthmadog, vorbei an Portmeirion, benutzt. Über diese reiste übrigens Michael Brühne an, den ich in Portmeirion getroffen habe. Nun trennten mich nur noch 40 Meilen von meinem Zielort, und ich genoss die Fahrt am Meer – hier genannt Cardigan Bay - zu

BARMOUTH BAY MIT EISENBAHN-BRÜCKE · HARLECH CASTLE

meinem ersten Übernachtungsort. Da ich schon donnerstags anreiste, musste ich mir ein B&B für die erste Nacht suchen. Ich fuhr durch den Snowdonia National Park. Eine wunderbare Naturlandschaft. Vorbei an Harlech und dem über Harlech thronenden Castle kam ich zu dem kleinen Ort Talsarnau, in dem ich ein kleines Motel fand, das mir für diese Nacht Unterschlupf sein sollte.
Auf der Karte hatte ich schon gesehen, dass ich jetzt genau gegenüber von Portmeirion sein musste und mich nur noch ein Meereseinschnitt davon trennte. Während der letzten Minuten hatte ich immer versucht, einen Blick auf Portmeirion zu erhaschen. Nun ging ich ein bisschen bergauf. Die Sonne schien noch. Portmeirion war aber schon in einen dunklen Schatten eingetaucht. Es war ein bisschen diesig auf der gegenüberliegenden Seite, aber man konnte es teilweise schemenhaft schon erkennen. Den Kirchturm, das Hotel am Strand, die Häuser. Auf jedem Bild, das ich bisher gesehen hatte, war es viel besser zu sehen, aber jetzt sah ich es wirlich. Ich bekam ein bisschen Gänsehaut. Obwohl ich mich sehr anstrengen musste, es zu sehen, konnte ich meinen Blick von der Silhouette nicht wegnehmen. Ich war am Ziel. Ich war nur noch einen Katzensprung von Portmeirion entfernt. Ich vergaß eine Zeitlang sogar zu fotografieren. Ich stand einfach nur da und sog das Bild in mich hinein. Nummer 6, der Turm, die See. Ich roch es förmlich. Was würde mich morgen erwarten. Ich war gespannt. Meine ersten Schritte in Portmeirion.

Donnerstags abends hatte ich mich zum Dinner im Hotel Estuary Lodge angemeldet. Als ich den Speiseraum betrat, saß ein Paar an einem Tisch am Fenster. Mir wurde vom Gastgeber ein kleiner Tisch mitten im Raum zugewiesen. Er brachte mir die Karte, und ich begann sie zu studieren, während ich mir ein Bier bestellte. Auf die Frage, ob ich beruflich oder als Tourist in Wales sei, antwortete ich: "Ich bin ab morgen in Portmeirion auf der Six Of One-Convention". "Oh, dann bitte einen Augenblick", sagte er, nahm mir die Speisekarte weg und verschwand, allerdings nur für Sekunden, um mir dann die Speisekarte wieder in die Hand zu drücken. Ich war etwas verwundert, und im ersten Augenblick verstand ich das nicht. Ich sah ihn nur lächeln, oder war es ein Grinsen? Auch das Paar am Nebentisch lachte, und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Speisen waren identisch,

SCHEINBAR GANZ NAH - IN DER FERNE: PORTMEIRION

aber der Schrifttyp war der wie ihn Six Of One benutzt. Meine erste Frage war: "Darf ich die behalten?" Na klar durfte ich. Und so kam es, dass ich, bevor ich überhaupt in Portmeirion ankam, drei Stunden lang – nach dem Essen an der Bar des B&B, mit einigen guten Bieren gewürzt – Informationen über die Convention erhielt. Der Besitzer des B&B war selbst bei einigen Events zugegen und konnte bestens mit der einen oder anderen Geschichte darüber aufwarten.

Am nächsten Morgen nach einem phantastischen Frühstück fuhr ich los. Es waren nur noch wenige Meilen, und über eine Brücke, für die Maut zu bezahlen war, ging es nach Penrhyndeudraeth. Dort biegt man von der Hauptstraße ab, und die letzten Meter zum Prisoner beginnen. Durch eine parkähnliche Landschaft, auf einer schmalen Straße, die von Bäumen und Sträuchern eingezäunt ist, geht es über eine kleine Anhöhe. Dann weitet sich auch hier die Landschaft. Links nach wie vor Bäume und Sträucher, rechts der Straße offenes Gelände, teils eingezäunt, und der Blick fällt auf das Castle, Castell Deudraeth, heute Hotel, das mir aber viel besser bekannt ist als das Krankenhaus. Groß, dunkel, mächtig, doch wunderschön, weil sehr schön restauriert.
Ja, da war ich so begeistert, dass ich beinahe die Abfahrt Richtung Portmeirion verpasst hätte. So hatte mich die Begegnung mit dem ersten Gebäude von NUMMER 6 abgelenkt. Also, es geht kurz vorm Castle links ab, wieder hinein in den Wald, und dann kamen die Parkplätze und die Einfahrt. Da ich mich angemeldet hatte, nannte ich meinen Namen und die Suche begann auf der Liste, die dem Kontrollpersonal zur Verfügung stand. Auf dieser Liste war mein Name nicht zu finden. Ich suchte also meine Bestätigung raus und die Liste der Personen, die mit mir zusammen wohnen sollten. Nun fand der nette Wachmann den ersten Namen von meiner Liste auf seiner. Das sei ok, sagte er. Ich solle reinfahren, parken und dann zu Rezeption gehen. Gesagt getan. Ich parkte mein Auto und war in Portmeirion.

Alle Gebäude, auch die, die man vielleicht nicht in den Episoden von Nummer 6 gesehen hat, sind in diesem wunderschönen Stil erbaut. Auch die Rezeption machte da keine Ausnahme. Es war jetzt 11:30 Uhr und mir wurde gesagt, ab 15 Uhr könne ich einziehen. Also beschloss ich, mein Gepäck im Auto zu lassen und meinen ersten Erkundungsgang durch Portmeirion zu starten. Die Rezeption ist auf den Hügeln, die, wie wir Insider ja wissen, diesen wunderschönen Ort, umzingeln und eine Flucht "unmöglich" machen.

Aber mal ganz ehrlich, wer von uns möchte hier überhaupt entfliehen?

Von der Rezeption wendet man sich nach rechts und kommt auf den Weg, der direkt zu den ersten Gebäuden führt, die man aus der Serie kennt. Es geht langsam bergab, und links taucht der Aussichtspunkt auf, der Belvedere Outlook. Man sieht das Meer oder bei Ebbe den Sand der Bucht. Ich bleibe stehen und versuche das alles in mich hineinzuziehen. Ich bin ja nur drei Tage hier und will später alles wieder vor Augen haben, wenn ich an diese Stunden zurückdenke. Die Sonne scheint. Die Blätter der Bäume bewegen sich leicht im Wind. Alles ist sehr ruhig. Kaum jemand ist derzeit hier. Und ich bewege mich langsam weiter in Richtung des Zentrums von Portmeirion.

Irgendwie fühle ich mich eigentlich nicht hier. Denn ich stehe mitten im Film. Von hinten hupt es, und der Mini Moke kommt heran und überholt mich. Ich bekomme Gänsehaut, als er vorbeirauscht und erwarte eigentlich, dass jetzt hinter der nächsten Ecke Nummer 6 steht und mich fragt: "Wie heißt dieser Ort?". Aber nein, er steht nicht hinter der nächsten Ecke, nein leider nicht. Dann treffe ich auf dieses Gefährt: Hey, der muß ja noch ein bisschen wachsen. Aber auch hier sieht man den Ideenreichtum der Six Of One Fans.

Ich komme nun zum ersten kleinen Platz, Battery Square, auf dem auch das Haus von Nummer 6 steht. Die Wohnung, ein Raum von nur 3 auf 3 Metern, ist vollgestoppt mit T-Shirts, Merchandising-Ware und seit 2008 – unter Glas - mit dem originalen Jacket von Nummer 6 – so heißt es. Mein erstes Gefühl war, ach - aufatmen, geschafft, toll, das ist es also! Und dann der Gedanke, es fehlt einfach die Wohnung, die im Film im Studio dahinter steht. Ein Augenblick Ernüchterung. Es fehlt was. Man steht da und denkt, schade, so klein, so wenig, um sich darin wieder zu finden. Aber dann dreht man sich um, sieht die Häuser und es begegnen einem Figuren, die man aus der Serie kennt und die man nicht missen mag. Erleichterung, es ist ja doch so wie man es erwartet hat. Gerettet. Wir sind ja mitten drin in unseren Wünschen. Das Pärchen aus dem Wilden Westen und viele andere. Hier ein paar von diesen, die ich besonders schön und interessant fand!

Jetzt gehe ich die Mainroad hinunter und schaue mir ganz in Ruhe einen Teil des Villages an. Ich setze mich auf eine Bank und freue mich am Anblick, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Dann klingelt mein Handy und Michael Brühne ist dran. "Hallo Jürgen, ich bin jetzt im Hotel in Porthmadog." "Prima", antworte ich, und wir vereinbaren, dass ich Ihn abhole. Als wir aus Porthmadog zurückkommen, ist es so weit, und ich darf mein Zimmer beziehen. Als ich das Haus betrete, sind meine Mitbewohner schon da. Ich begrüße alle mit Handschlag und kann mir eigentlich im ersten Augenblick nur den Namen von Veron merken, da Sie die einzige Frau unter uns 8 Hausbewohnern ist. Um es genau zu sagen, wohne ich auch mit William (Verons Gatte), Mark, Tim, Anthony, Barry und Steve (der [damals] neue Redakteur des [damals] ab Sommer neuen Six Of One Magazins Contact Imminent). Die Aufnahme ist sehr herzlich, wir lachen

viel gemeinsam, und ich werde von den sieben Profis (sie sind alle schon viele Jahre Teilnehmer der Convention) eingeladen, am Dinner teilzunehmen, da man gemeinsam kocht. Da lege ich die 6 englischen Pfund pro Abend gerne an, und auch Michael partizipiert davon. Dann gehe ich zu meinem

Zimmer, 3 auf 2 Meter – man kann sich gerade so drehen. Es sind ein Bett, ein kleiner Nachttisch und eine Kommode im Zimmer. Aber das stört überhaupt nicht, denn wenn ich aus den beiden kleinen Fenstern blicke, dann sehe ich auf der einen Seite den Turm, den Campanile, und auf der anderen blicke ich auf das Herz des Villages.

Ein Traum. Ich wache morgens auf und erblicke den Turm. Wenn ich dann aufstehe und durch das Fenster ins Village schaue, glaube ich, die Zeit bleibt stehen, und gleich fährt der Mini Moke vorbei, und eine Stimme kommt aus dem Lautsprecher: "Gleich treffen wir uns alle zum Schach. Heute wird wieder ein schöner Tag." Am Abend ist die Eröffnungsveranstaltung, ein kleiner Umtrunk und ich lerne viele Menschen kennen, die mir sehr symphatisch sind und das gleiche Ziel haben: "Wir sehen uns!"

Samstagmorgen. Gestern Abend habe ich viele Leute kennengelernt. Die Namen spulen sich in meinem Hirn ab, aber ich kann sie längst nicht alle auf einmal direkt zuordnen. Michael freut sich auf viele alte Bekannte. Heute Morgen steht die election parade auf dem Programm, der wahlkampfumzug.
Begierig finde ich mich schon 30 Minuten, bevor es losgeht vor dem Prisoner Shop - Verzeihung, dem Haus Nr. 6 des Prisoners, ein. Mehr als 50 Leute sind schon da. Es werden die Plakate, die Regenschirme, Anstecker mit Nummer 2 und 6 und einiges andere verteilt. Es soll ja so aussehen wie damals. Die Organisatoren sind aufgeregt am Rumlaufen, ich höre so nebenbei, der Minimoke springt nicht an, und so ist noch viel zu tun.
Alle, die hier sind, so ca 90 Prozent, sind in Kostüme gekleidet. Ich habe mich in einen Umhang – von Michael in unserem Stück in Wiesbaden benutzt - geworfen und habe natürlich meinen Schirm mitgebracht. Was von Vorteil ist, da es doch ab und an - wen wunderts, wir sind in Wales, auf den britischen Inseln - regnet, tröpfelt und dann wieder wie in Gießkannen die Erde naßmacht. Stören tut es niemand wirklich. Man rückt zusammen, es wird fotografiert und gefilmt, conversation ist angesagt. Und dann kracht es und rumpelt es, und um die Ecke kommt der Minimoke angefaucht, wie im Film, wie in meinen Erinnerungen, und ich fühle mich zurückversetzt in das Jahr 1969, sitze vor dem Fernseher (schwarz-weiß), es ist 23:20 Uhr, die Augenlieder werden schwer, und es kommt NUMMER 6 im ZDF.

Und als wäre es normal, die Sonne kämpft sich durch die Wolken zurück. Auch sie will ein bisschen zuschauen, und es kommt Bewegung in die Masse. Jeder will sich neben dem Minimoke fotografieren lassen. Das Schild mit dem Bild von Nummer Sechs wird anmontiert, und auf einmal beginnt der Dialog. Auf dem Übergang von Haus 6 zum Nebenhaus, erhöht in 3 m, stehen die Schauspieler, die Nummer 2 und

und 6 verkörpern, und es geht los. Sie gehen zum Minimoke, und die Stimmung wird aufgeheizt: "Vote! Vote! Vote! Vote!" und "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" skandieren die Anhänger von Nummer Sechs.
Wir gehen die Mainroad hinunter, und ich habe Gänsehaut. Es ist schwer zu beschreiben, aber hier gibt jeder wirklich alles, um die Szenen wie in der Serie wieder aufleben zu lassen. In diesem Augenblick bist Du nicht mehr im Jahr 2008, sondern mitten in der Serie, bei der Aufnahme, und ich höre mich rufen: "Vote! Vote! Vote! Vote!" - "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" - Es ist ein Gefühl, das man nicht wirklich beschreiben kann (mehr...).

"SIX FOR TWO! - SIX FOR TWO! - SIX FOR TWO!"

Ich laufe mit und gehe von der Mainroad ab auf die Central Piazza, den zentralen Platz. Den umrunden wir vier- oder fünfmal, immer ein klares: "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" Vote No. 6!" auf den Lippen, und in diesem Moment beschließe ich, morgen filme ich nicht, morgen – wenn die Parade noch einmal abläuft – gehe ich nur mit und geniesse es, dabei zu sein.

Es geht nach einer Weile noch den Berg runter zum Steinboot, dort hält Nummer Sechs eine kurze Ansprache, dann zurück nach oben, und auf dem Berg endet dann alles. Wow, ich bin fertig, happy, werde fotografiert, versuche, alles in mich zu versenken, und wie oft im Leben denke ich jetzt schon an 2009 und habe nur einen Gedanken, wieder dabei zu sein.

Der Tag vergeht mit vielen Vorträgen, und Abends sinken wir nach mehreren guten walisischen Bieren ins Bett. Ich schaue noch mal hinaus. Alles im Dunkeln, teilweise nur schemenhaft zu sehen, wo keine Beleuchtung ist. Ich bin glücklich und schlafe ein. Und im Traum rufe ich: "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" Wenn man nicht nur auf die Straßen blickt, sieht man im Ort auch solches:

Dann ist es soweit: Die beiden Gaststars der Convention, Jane Merrow und Earl Cameron (Alison bzw. der Supervisor, aus der Episode "The Schizoid Man"), werden interviewt. Ihr ganzes Leben zieht vorbei, und beiden ist anzumerken, dass es ihnen Spaß macht, hier zu bleiben. Nach den Interviews mischen sie sich unters Volk, keine Berührungsängste. Man kann zu ihnen, mit Ihnen diskutieren, Fragen stellen. Michael ist mitten drin, und ich glaube, er ist happy. Dann gibt es eine Autogrammstunde. Wir alle feiern zusammen, und eigentlich müsste es noch einen vierten Teil geben. Siehe die Bilder vom Schachspiel, dem "Ausrasten" einer Figur, dem Darstellers des "Turms", seiner Abholung durch den Krankenwagen (Minimoke) usw. usw. Aber wahrscheinlich gibt es dann auch nicht nur einen 4. Teil, sondern auch einen 5. Teil... Es gibt noch soviel zu berichten.

MICHAEL BRÜNE, LINKS MIT EARL CAMERON, RECHTS MIT JANE MERROW

Ich will noch kurz die Kosten aufzeigen. Wenn man rechtzeitig bucht: Flug Frankfurt – Birmingham ca. 100 Euro. 3 Übernachtungen im Village ca. 84 engl. Pfund. Mietwagen ca. 150 Euro plus + ca. 80 Euro Benzin. Wir haben in Porthmadog eingekauft und haben mittags im Village einen Super-Lunch für 6 Pfund gehabt. Vielleicht sehen wir uns ja.

Wenn Ihr Fragen habt, gerne per E-Mail: Jürgen Staeder (Kontaktformular, Nachricht wird weitergeleitet!). Und so ende ich, wie es wohl dazu passt:

Be seeing you! – Wir sehen uns!
Jürgen

JÜRGEN STAEDER, STEVE RAINES, MAX HORA, MICHAEL BRÜNE

BLICK: NUMMER 6 - PRISONER CONVENTION
BLICK: BILDER AUS WALES
MEHR: WAS IST BESONDERS AN NUMMER 6?
40 JAHRE NUMMER 6 - DEUTSCHE TV-PREMIERE 1969


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