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2019:
50 JAHRE
NUMMER 6

1969: DEUTSCHE FERNSEHPREMIERE

Von Arno Baumgärtel

Zwischen dem 16. August
1969 und dem 25. April 1970 wurden die zuschauer des ZDF vor jeder episode von einer fernsehansagerin, damals für nicht wenige ein traumberuf,
mit diesen einleitenden informationen bedacht.

   

Verehrte zuschauer!

Nummer Sechs war ein hoher agent des britischen geheimdienstes. Zornig und ohne angabe von gründen, kündigt er eines tages. Kurz darauf wird er betäubt und entführt.

In einem idyllisch gelegenen, namenlosen städtchen erwacht er in einem komfortabel eingerichteten haus. Rasch merkt er, dass er ein gefangener unter gefangenen ist, wobei bewacher und häftlinge kaum voneinander zu unterscheiden sind.

Man gibt ihm den namen Nummer Sechs. Geleitet wird das system von Nummer Zwei, hinter der aber noch eine anonyme Nummer Eins steht.

Nummer Sechs erfährt den grund seiner entführung: Er soll verraten, warum er aus dem geheimdienst ausgeschieden ist.

Aus unserer etwas aus dem rahmen fallenden agentenserie NUMMER 6 zeigen wir Ihnen nun die episode... "Die Ankunft".

Niemand war darauf vorbereitet, auch nicht das ZDF. Das hatte die neue serie mutig, und zwar samstagabends, ins programm genommen, die episoden jedoch in unerklärlich langen abständen und zugleich tief auf einem nächtlichen sendeplatz versteckt, nämlich nach dem die sendezeit gern überziehenden "Aktuellen Sportstudio". Wer um diese zeit, immerhin kurz vor sendeschluss, noch vor dem fernseher saß, schlief entweder schon selig auf der couch oder hatte einen siebten sinn. Dabei fing alles verheißungsvoll an...

QUELLENSTUDIUM: HÖRZU 16.08.1969
TAGESPROGRAMM ZUR VERFÜGUNG
GESTELLT VON HEIKE NAU

Man kann wirklich nicht behaupten, NUMMER 6 bzw. NUMMER SECHS, wie in den meisten fernsehzeitschriften zu lesen, habe bei der deutschen fernsehpremiere 1969 keine presse gehabt, im gegenteil. Patrick McGoohan war hierzulande durch seine in den frühen 60er jahren im

vorabendprogramm gelaufene serie GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE wohlbekannt und beliebt. In 32 (original 39) nicht einmal halbstündigen episoden hatte Drake "kitzlige" jobs im auftrag der NATO übernommen und stets mit viel köpfchen gemeistert. Dass es noch über 50 weitere und mit rund 50 minuten laufzeit deutlich längere episoden gab, davon wusste das deutsche publikum gar nichts, denn davon hatte man ganze acht synchronisiert, die dann, als serie kaum erkennbar, im abendprogramm gesendet wurden. Das vermittelt eine ahnung der enormen popularität, die McGoohan in Großbritannien und den USA genoss und noch heute genießt und zum damals höchstbezahlten fernsehstar machte. Noch dazu hatte McGoohan sich für die 50-minütigen episoden ein erhebliches mitspracherecht bei der charakterisierung der Drake-figur wie auch der inszenierung ausbedungen, was ihn zum quasiproduzenten machte.

Feststellung 1: Patrick McGoohan war als John Drake - im gegensatz zu heute - auch in Deutschland ein begriff, eine marke. Feststellung 2: Offene worte in der HörZu wegen der späten sendezeit im ZDF. Feststellung 3: "In Farbe" gesehen haben die serie damals wahrscheinlich nicht viele.

CHRONIK 1969...
MEHR: ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN (ZDF)
"DIE ANKUNFT" - EPISODENTRANSKRIPT
JOACHIM BRINKMANN: DIALOGREGISSEUR
RÜCKBLICK 2010: ARTE BRINGT NUMMER 6 ZURÜCK
INTERVIEW MIT PATRICK McGOOHAN
MEHR LINKS...
(DAS GEGENTEIL VON RECHTS!)

NUMMER 6 IM SPIEGEL ZEITGENÖSSISCHER FERNSEHZEITSCHRIFTEN
ZUR ERSTAUSSTRAHLUNG 1969 IM ZDF

Schon in den frühen 60er jahren war McGoohan als anwärter für den job des James Bond gehandelt worden. Er lehnte die rolle, nach diversen quellen* sogar zweimal, aus moralischen gründen ab bzw. gab (wenig überzeugend) an, er habe mit einem beteiligten schauspieler nicht zusammenarbeiten können, behauptete aber auch, die drehbücher seien ihm zu schlecht gewesen. Wie bekannt, interpretierte daraufhin Sean Connery die rolle des agenten mit der doppel-null. Und als McGoohan nach über 50 DRAKE-auftritten dieser stereotype überdrüssig war, ersann er unter verwendung der chiffre 6 in gewisser weise nicht nur die beerdigung des fernsehagententums, sondern auch seinen eigenen

KRIMI, SCIENCE-FICTION, UTOPISCH, ZUKUNFTSABENTEUER -
WAS IST DENN NUMMER 6 NUN? HÖRZU 16.08.1069: NUMMER SECHS
EINE "UTOPISCH-SURREALISTISCHE ABENTEUERSERIE"

LINKS HÖRZU - RÜCKZUG: "IMMER MEHR FERNSEHSTARS
WEIGERN SICH, SERIENROLLEN ZU SPIELEN."
RECHTS: UNBEKANNTE QUELLE: THE PRISONER ALS "KRIMINALSERIE"

abgang als fernsehstar, rückzug (aus der öffentlichkeit) als zentrales handlungsmotiv der serie inbegriffen. Dass die neue serie mit dem originaltitel THE PRISONER bei allen durchaus nicht zufälligen ähnlichkeiten jedoch kein spionage- und agentengarn oder gar eine fortsetzung im stile von JOHN DRAKE war, wollte damals niemand wissen.

"EINEN SKANDAL ENTFESSELT" HABE McGOOHAN IN GROSSBRITANNIEN;
OB DIE NEUE SERIE DEN DEUTSCHEN GEFALLEN WERDE?
DIE FUNKUHR MEINTE NEIN,
16.08.1969:

In der hiesigen presse wurden vor dem deutschen start mitte August 1969 die reaktionen der britischen öffentlichkeit nach der letzten folge, etwa ein jahr vorher, verhandelt. Und die waren verheerend gewesen.
Waren die dreharbeiten im walisischen Portmeirion schon vom schleier des geheimnisvollen umgeben gewesen, so hatte McGoohan journalisten vor dem britischen fernsehstart 1967 zur

PRESSEKONFERENZ 1967 DER STAR IM KOSAKEN-OUTFIT BITTET ZUM BÜFFET

pressevorführung auf einer eigens von art director Jack Shampan entworfenen bühne in den MGM-studios teils in kosaken-, teils in cowboy-kostümierung - mehr happening denn pressekonferenz - und hinter gefängnisgittern empfangen. Und anstatt mit ihnen über seine neue produktion zu plaudern, hatte er sie mit kryptischen statements abgespeist, sodass diese nur den kopf schüttelten oder sich vor denselben gestoßen vorkamen. Die pressevorführung von "Die Ankunft" in brillianten bildern auf 35-mm-kinofilm und auf der großen leinwand mochten noch so beeindruckend sein, all die geheimniskrämerei war weniger hilfreich als erhofft und festigte McGoohans status eines "schwierigen" stars. Filmaufnahmen von dieser denkwürdigen veranstaltung müssen existiert haben, sind jedoch bis heute nicht wieder ans licht der öffentlichkeit gekommen.

MEHR: PRISONER PRESS LAUNCH 1967

Nachdem auf der insel die letzte folge gelaufen war, wurde der fernsehsender ITC belagert. Presse und zuschauer reagierten mit unverständnis, hohn und spott, fühlten sich betrogen und ließen ihrem unmut über den ausgang der serie und die (nicht-) auflösung der größten geheimnisse

wer ist Nummer Eins?,
die gründe für seinen rückzug vom dienst,
gelingt Nummer Sechs die flucht?

freien lauf. McGoohan, der zu der zeit in der nähe des studios bei London wohnte, sah sich anfeindungen enttäuschter fans gegenüber, zog seine konsequenz daraus, schottete sich noch stärker ab und ging samt familie zunächst in die Schweiz und schließlich in die USA, wo er bis zu seinem tod lebte. Geschichten über McGoohans egozentrik, eigenwilliges verhalten während der dreharbeiten, ein wählerischer umgang mit schauspielern machten die runde. Die tatsache, dass er hauptdarsteller, produzent,

GONG 16.08.1969

BILD UND FUNK 16.08.1969: "WIEDERSEHEN MIT EINEM ALTEN BEKANNTEN:
JOHN DRAKE ... IN UNREGELMÄSSIGEN ABSTÄNDEN

drehbuchautor und regisseur in personalunion war - für das fernsehen ein novum - und nicht zuletzt sein hang, alles unter seine kontrolle zu bringen, wurden ihm nicht zum vorteil ausgelegt und waren beweis dafür, dass er überambitioniert sein musste.

NUMMER 6 EINE "KRIMINALSERIE"? ABER GUT ERKANNT VON BILD UND FUNK, SEPT. 1969:
EINE SERIE, "DIE SICH AN EINE BESTIMMTE INTERESSENGRUPPE WENDET". WARUM DIESE "GROSSARTIGE SPEZIALKOST" NICHT FRÜHER AM ABEND?

Der mit THE PRISONER erlittene schiffbruch führte zu McGoohans finanziellem ruin, seine produktionsfirma Everyman Films wurde liquidiert. Auch das schürte gerüchte. Ungeschickterweise äußerte er sich in interviews auch noch abfällig über das fernsehen, dem er - gänzlich konservativer kulturpessimismus - molochtum und niveaulosigkeit vorwarf, dem er zugleich aber seine karriere verdankte. Dass er sich weigerte, in nach landläufiger meinung banalen, seiner ansicht nach aber "unmoralischen" szenen vor der kamera aufzutreten, und sei es nur, verschiedene frauen zu küssen oder auch agententypisch mit der knarre zu hantieren, war für kritiker ein gefundenes fressen und gelegenheit, in teils hämischen oder gehässigen artikeln den vermeintlichen saubermann bloß- und die eigene überlegene moral auszustellen.

"Mister Sechs will nicht küssen" - mit diesem aufmacher sprang die fernsehzeitschrift HörZu in der woche unmittelbar vor dem deutschen serienstart etwas anzüglich anscheinend auf den zug der verdammnis auf, um im nachfolgenden artikel durchaus sachlich den misserfolg von THE PRISONER im Vereinigten Königreich zu erörtern. Es sei "gar nicht so sicher, ob Patrick daran schuld ist. Er tat, was er konnte, aber das publikum, amüsiert durch hekatomben von fernsehleichen, abgebrüht durch meere von atelierblut, war nicht willens, geistige folter mitanzusehen." Er habe sich, so McGoohan selbstkritisch, seinem publikum nicht verständlich gemacht, und der Daily Express legte nach: "Etwas unverzeihlicheres als unverständlich zu bleiben, gibt es nicht". Während sich die zeitschrift HörZu aufgeschlossen und wohlwollend interessiert zeigte, sah die Funkuhr in der agentengeschichte nur schlecht gemachten unsinn (dieser text kann aus urheberrechtlichen gründen hier leider nicht reproduziert werden).

In der ausgabe vom tag des serienstarts hieß es: "Mit pauken und trompeten durchgefallen" sei er ja bereits beim englischen publikum. Das unverständnis quillt förmlich aus den zeilenzwischenräumen, wenn McGoohan gegen sich selbst zitiert

"DAS GROSSE RÄTSEL UM 'NUMMER SECHS' - WIRD ER DEN DEUTSCHEN GEFALLEN?"
FRAGTE DIE FUNKUHR AM 16.08.1969 UND MEINTE: NEIN

wird ("haufen mist"), und der bericht schließt: "Vielleicht kapieren die deutschen zuschauer [die serie]" und meinten McGoohans 16-jährige tochter, die es angeblich auch nicht konnte. In einer späteren ausgabe (19/1970) bekommt auch noch das ZDF eins übergebraten: "Völlig danebengegriffen aber haben die ZDF-planer mit der britischen serie 'Nummer Sechs'. Hier wird der agenten-unsinn auf die spitze getrieben!" Nun hätte man so ein urteil auch leicht über manche episode von, zum beispiel, SOLO FÜR O.N.K.E.L. fällen können.

Die stoßrichtung der Funkuhr-beiträge ging denn auch weniger gegen inhalt und form der serie als gegen McGoohans moralische ansprüche und versagen. Dagegen stimmte die HörZu nicht ein in den chor der nörgler und verfechter bequemer seriengewohnheiten, sondern wagte ein vorsichtiges plädoyer für die intellektuelle herausforderung: "Und das Zweite Deutsche Fernsehen, das die "Nummer sechs"-Serie in Deutschland bringt, läßt den ex-agenten, die "Nummer sechs", erst eine stunde vor mitternacht aus dem kasten. Denn genuß ohne reue wird diese serie nur dem bieten, der neben dem bett das fernsehgerät als das wichtigste möbelstück ansieht" (artikel im wortlaut). So viel zum thema populäre kultur, in Deutschland.

GONG 02.05.1970: JOHN DRAKES SCHWIERIGSTER FALL "DIE SERIEN-ROLLE
STEMPELTE McGOOHAN ZUM AGENTENSPIELER AB"

TV HÖREN UND SEHEN: links: "DIE GLOCKEN VON BIG BEN" rechts: "2:2=2"

GONG: "DIE GLOCKEN VON BIG BEN"

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FUNKUHR 29.11.1969: "SCHACHMATT"

ENTHÜLLUNG DES DREHSCHAUPLATZES: HÖRZU 25.04.1970

Im April 1970, nachdem die letzte episode "Demaskierung" im ZDF gelaufen war, befand der Gong (fraglos unterstellend, die figur in NUMMER 6 sei John Drake), ebenfalls unter dem banner des K-faktors: "Vom Küssen will er nicht viel wissen" über den relativen misserfolg der serie, jedoch zurückhaltend: "...so stellte sich John Drakes schwierigster fall erst, als alle 'geheimaufträge' längst erfüllt waren. ... so dachte er sich die psychologisch untermauerten geschichten um den gefangenen 'Nummer sechs' aus, mit denen er sein persönliches anliegen zur diskussion stellen wollte: Den protest gegen die entmenschlichung der gesellschaft, in der die menschen immer mehr zu bloßen nummern werden. ... Der erfolg der 'aktion' des schauspielers Patrick McGoohan, so verlautet aus seiner umgebung, habe sich 'in grenzen' gehalten und sich bisher keinesfalls in klingender münze ausgezahlt."

Wortkarg gab sich die HörZu in ihrer programmankündigung am serienende 1970 bei der beschreibung der episodenhandlung von "Demaskierung", dafür offenbarte sie den lesern sowohl den drehschauplatz Portmeirion und dessen erbauer: "So wird die idyllische gefangenenstadt zum letzten mal schauplatz abenteuerlicher ereignisse. Danach ist sie wieder nur ein feriendorf im zuckerbäckerstil: Portmeirion in Nord-Wales. Nicht anonyme machthaber haben es geschaffen, sondern ein freundlicher alter Herr: der architekt Clough Williams-Ellis."

NUMMER 6 ZDF-WIEDERHOLUNG 1972
TV HÖREN UND SEHEN
: "SCIENCE-FICTION-SERIE" - ZUKUNFTSVISIONEN
DER SCHRIFTSTELLER ORWELL, HUXLEY UND KAFKA

Der reichlich späte und zudem äußerst unregelmäßige sendetermin für NUMMER 6 wird in diversen presseartikeln kritisch vermerkt. Angst vor der eigenen courage nennt man das wohl oder eher, traute man beim damals noch weit von "seniorensender"-image entfernten ZDF dem eigenen publikum nichts zu?

Kein thema wert ist der deutschen presse dagegen die tatsache, dass und warum man von der ohnehin ungewöhnlichen anzahl von 17 episoden und bei faktisch nicht vorhandenem sendeschema für dasselbe nur 13 synchronisiert hatte - und welche nicht, und warum gerade die nicht. Rabiate kürzungen und streichungen sowie die simplifizierung von vor- und abspännen bei fernsehserien waren freilich bis weit in die 80er und 90er jahre hinein völlig normal.
"Immer kurz vor mitternacht war 'Nummer-Sechs-Time'. So lange saßen nur begeisterte anhänger von utopisch-technischen serien vor dem bildschirm... Das zuschauerurteil zu fast allen folgen war miserabel... Dabei waren die zutaten gut", fasste Bild und Funk (unten) die serie bei der ausstrahlung der letzten episode zusammen.

EIGENWILLIGE EPISODENTITEL: BILD UND FUNK: "DEMASKIERUNG"

KORREKTER EPISODENTITEL IN DER TV HÖREN UND SEHEN: "DEMASKIERUNG"

Bei einigen zeitschriften zu der zeit übliche praxis war es, dem publikum in den textankündigungen nicht nur die englischen, sondern auch die deutschen episodentitel vorzuenthalten und durch eigene interpretierende schöpfungen zu ersetzen. Man operiert mit eigen(-willig)en episodentiteln anstelle der bekannten. Beispiel "Letzte Folge: Endlich wieder frei" - die episode "Demaskierung". Oder "Es geht um Sieg oder Niederlage" für die vorletzte folge "Pas de deux". Das foto unten stammt zudem nicht aus NUMMER 6, sondern aus seiner serie GEHEIMAUTRAG FÜR JOHN DRAKE, wenn es nicht sogar ein promotionfoto dafür ist.

BILD UND FUNK 1970: EPISODE "PAS DE DEUX"

Der Gong etwa ließ die episodentitel bei der erstsendung 1969 ganz weg, bei der wiederholung 1972 lautete der selbstgemachte titel der episode "Pas de deux" dann "Sieg oder Niederlage?" und für "Hammer oder Amboss" stand 1972 "Gejagter Jäger". Die Bild und Funk machte aus "Die Anklage" "Gefangener wird vor Gericht gestellt", aus "A, B und C" "Geständnisse im Narkoseraum?", aus dem ohnehin sprechenden titel "Schachmatt" das erläuternde "Schachspiel mit lebenden Figuren", und stellvertretend für seine leser fieberte der redakteur zur erstausstrahlung der letzten folge

BILD UND FUNK 16.08.1969: "DRAKES NEUE ROLLE - SEIN ANLIEGEN:
DIE FREIHEIT DES INDIVIDUUMS" - DIE ABBILDUNG ZEIGT EINE SZENE AUS
DER EPISODE "FREE FOR ALL", DIE ES DAMALS AUF DEUTSCH GAR NICHT GAB

"Demaskierung" mit: "Letzte Folge: Endlich wieder frei", bei der 72er wiederholung dann: "Wieder eine Persönlichkeit". - Alle klarheiten beseitigt? Was den textredakteuren recht war, konnte den bildredaktionen da nur billig sein, sie druckten wiederholt szenenbilder aus "Free For All", die episode, die es auf deutsch gar nicht gab, einfach zu anderen episoden, wird schon niemand merken.

AUCH OHNE EPISODENTITEL IN DER BILD UND FUNK: "HAMMER ODER AMBOSS"

BRAVO AUGUST 1969: "PATRICK McGOOHAN, DER ALS 'JOHN DRAKE' VIELE FANS
GEWANN. WARUM DARF DIESER TOPSTAR ERST ZU SO SPÄTER
STUNDE AUF DEN BILDSCHIRM?"

Der lachende PRISONER - interaktive leserbeteiligung, eingesandte szenenbilder mit neuen dialogen in der zeitschrift Burda Fernsehen.

Offensichtliches motto hier: "Witz komm raus, du bist umstellt!" Da spielte es keine rolle, dass niemand in Deutschland diese spezielle szene je gesehen hatte, gehört sie doch zur episode "Free For All", einer der vier 1969 nicht synchronisierten folgen.

Als 1972 die olympischen sommerspiele in München stattfanden, wiederholte das ZDF in einem mutigen schritt und als bewussten kontrast sieben episoden der "surrealistischen agentenserie" (HörZu) NUMMER 6; geplant waren acht. Die achte entfiel jedoch nach dem anschlag auf die israelische olympiamannschaft durch palästinensische terroristen. Wieder war es die HörZu, die eine lanze für die serie brach und den sender lobte: "... den misserfolg der serie in Amerika mutig missachtend ... gerechnet hatte mit dieser wiedergeburt keiner. Denn 'Nummer Sechs' hatte vor zwei jahren zu später stunde nur wenige zuschauer erreicht. Allerdings waren diese hellauf begeistert... Sie bombardierten den sender mit bitten um wiederholung."
Semper aliquid haeret. Und die perlentaucher traten erst allmählich auf den plan. Ohne das randständige schließlich gäbe es auch diese website nicht.

Sportlicher wettstreit und wahre programmalternativen gab es zur wiederholung von sieben episoden 1972: "Das Amtssiegel" gegen olympisches fechten und gewichtheben.

BRAVO 08.09.1972
OLYMPIA-KONTRAST IM ZDF: NUMMER-6-EPISODE 'PAS DE DEUX'

BRAVO 02.09.1972: NUMMER 6 IN DER ZDF-WIEDERHOLUNG 1972

Bei dieser wiederholung von sieben folgen, sinnierte wiederrum die Funkuhr mit genugtuung über der frage, tauchte der so moralbewusste star unter, weil er sich finanziell übernommen hatte? Befeuert wurde diese antiposition nicht zuletzt durch McGoohans verweigerungshaltung gegenüber der (presse-) öffentlichkeit und einer willigen selbstinterpretation seines werkes.

FUNKUHR 1972

"Das außerolympische Programm" im Hamburger Abendblatt zitiert (wie schon die Funkuhr) McGoohan: Ein "haufen mist" sei die serie und impliziert, er habe wohl kein konzept gehabt.

HAMBURGER ABENDBLATT 26/27.08.1972: NUMMER 6 EIN "UTOPISCHER KRIMI"

HEIMLICHES RESÜMEE IM HAMBURGER ABENDBLATT 11.09.1972:
DIE SPINNEN, DIE ENGLÄNDER

"Selten schlug die skala der zuschauergunst so heftig nach der positiven wie der negativen seite aus", fasste man im Hamburger Abendblatt am ende der 1972er (teil-) wiederholung zusammen, und man gab sich gar nachdenklich: "Zugegeben es war nicht leicht, sich hier ein klares pro- und kontra-urteil zu bilden. ... Der redaktionskritiker war nicht weniger verwirrt als viele seiner freunde." Indem er sich dazu verstieg, NUMMER 6 wegen einiger comic-elemente in der episode "--3-2-1-0" als "bester schwarzer britischer humor" zu bezeichnen, muss der redaktionskritiker die serie aber irgendwie mit MONTY PYTHON'S FLYING CIRCUS verwechselt haben.

AUCH 1984 EIN THEMA IN DER FERNSEHWOCHE: "'SIMON TEMPLAR' UND JAMES BOND
ABGELEHNT - PATRICK McGOOHAN MANN MIT PRINZIPIEN"

Hatte man also in Deutschland die qualitäten des formats frühzeitig erkannt? Genützt hat es jedenfalls nicht allzu viel. McGoohans wie auch die popularitätskurve von NUMMER 6 sanken danach rapide. Die erste wiederholung 1984 auf dem neu gegründeten privatkanal Sat1 fand zu einem zeitpunkt statt, als die neuen stationen froh über jedes sendefähige material waren und praktisch unter ausschluss der öffentlichkeit nur für die allerersten zuschauer des kabelfernsehens. Anfang der 1990er jahre erhielt die serie mit den wiederholungen auf ProSieben (damals Pro7) noch einmal einen kleinen schub, der jedoch in der mittlerweile viel bunter gewordenen und unübersichtlicheren fernsehlandschaft unterging. Zumindest konnte, wer vorinformiert war, hier seine erinnerungen auffrischen und, wesentlicher unterschied zu 1969/72, NUMMER 6 erstmals auf video archivieren.

In Großbritannien dauerte es immerhin bis 1976/77,
bis THE PRISONER nach der ersten landesweiten fernsehwiederholung aufmerksamkeit erregte und der sender die anschrift eines gewissen Dave Barrie veröffentlichte, der einige zeit darauf die PRISONER Appreciation Society SIX OF ONE ins leben rief.

Sehr nett ist die begründung des ZDF für die erneut späte sendezeit bei der 72er wiederholung: Die leute seien bei Olympia ohnehin länger wach, aber dafür sei die wartezeit zwischen den episoden nun kürzer, zitat: "Davon kann dieses mal die serie profitieren."

HÖRZU AUGUST 1972: WIEDERHOLUNG VON 7 FOLGEN IM ZDF -
DIE QUALITÄTEN DER SERIE FRÜH ERKANNT UND EINE
PROGRAMMATISCHE ÜBERSCHRIFT: "NEUE CHANCE FÜR 'NUMMER SECHS'"

Auf ein wort! Neue chance für NUMMER 6: Der popularität würde eine wiederholte ausstrahlung (im frei empfangbaren fernsehen) auf jeden fall gut tun. Nachdem der deutsch-französische sender ARTE 2010 die synchronisierung der vom ZDF 1969 liegen gelassenen vier episoden übernommen und man Bernd Rumpf als neue stimme von Patrick McGoohan engagiert hatte, sollte man meinen, dass diese ausgaben nicht für nur eine einzige ausstrahlung getätigt worden sind. Die serie ist auch nach 50 jahren relevant und visionär, was ihre themen und motive betrifft, aber auch die moderne art des erzählens kann es im großen und ganzen mit den meisten aktuell angesagten serien aufnehmen, bei deutschen mit leichtigkeit.

BRITISCHE NOTIZEN

Zu beginn der 80er jahre war es in Deutschland sehr still geworden um NUMMER 6 und Patrick McGoohan. Ihn konnte man immerhin in dem 1979 entstandenen Clint-Eastwood-film DIE FLUCHT VON ALCATRAZ unter der regie von Don Siegel als ehrgeizigen gefängnisdirektor sehen; eine nette anekdote. 1980 als mad scientist in David Cronenbergs SCANNERS oder auch als schurkischer gegenspieler von Peter Falk in einigen episoden der COLUMBO-serie. Doch schon 1984 fand bei SAT.1 die erste deutsche wiederholung von NUMMER 6 statt seit der ZDF-ausstrahlung von nur sieben episoden 1972. Am autor dieser zeilen sind diese ausstrahlungen vorübergegangen, was sicher damit zusammenhängt, dass der gerade erst gegründete sender Sat.1 überhaupt nur in wenigen verkabelten haushalten zu empfangen war. Die nächste wiederholung erfolgte im Oktober 1986.

1986 berichtete der Londoner ARD-korrespondent Wolf von Lojewski in seiner reportagereihe "Rund um Big Ben - Britische Notizen" aus dem reich Maggie Thatchers und der sterbenden kohlegruben. Eine seiner reisen führte ihn auch in den norden von Wales und nach Portmeirion, ins Village des Sir Clough Williams-Ellis und in die welt von Nummer Sechs, gerade rechtzeitig zur jährlichen PRISONER Convention.

UNBEKANNTE QUELLE: WOLF VON LOJEWSKI 1986 AUF DER PRISONER CONVENTION IN WALES

Von Lojewskis reportage dürfte die erste publikumswirksame sendung über NUMMER 6 und den fandom im deutschen fernsehen gewesen sein, noch dazu zur besten sendezeit. Von Lojewski ging, wie es sein reportagestil war, unbefangen, neugierig und ohne kopfschüttelnde distanzierende moralisierung mitten hinein in das absonderliche bunte treiben. Er stellt den ort vor, befragt teilnehmer und interviewt Max Hora, damals betreiber des "PRISONER Information Centres", besser bekannt als PRISONER-shop. Der fernsehtipp des Hanauer Anzeigers bringt es auf den punkt: "Auf seiner tour 'Rund um Big Ben' hat Wolf von Lojewski diesen auserlesenen club besucht und versucht, die faszination ihres kults zu entschlüsseln." Ganz sicher ist er mit knapp 15 minuten länge auch heute noch der am besten gemachte bericht über NUMMER 6. Uwe Schwerings Wales-reportage von 2006 ist auch gut, jedoch der Portmeirion-anteil zusammen mit der PRISONER-Convention immerhin nur magere fünf minuten lang.

HANAUER ANZEIGER 07.10.1986 - DER BERICHT IRRT,
NICHT ALLE 17 EPISODEN WURDEN IN DEUTSCHLAND GEZEIGT

AUFMERKSAMKEIT ERREGTE EINE DER PRO7-WIEDERHOLUNGEN VON NUMMER 6:
AUS DER
EHEMALIGEN SIX-OF-ONE-MITLGIEDERZEITSCHRIFT NUMBER SIX NR. 26, 1991

CODA

"Warum so spät?" - "außergewöhnliche story" - "aufbleiben hat sich gelohnt"... Selbstverständlich nicht repräsentativ, aber vielleicht typisch: zeitgenössische zuschauermeinungen zu NUMMER 6.

ZEITGENÖSSISCHE LESERZUSCHRIFTEN ZUR ERSTAUSSTRAHLUNG
IM ZDF, NICHT DATIERT, ABER WOHL ENDE APRIL, ANFANG MAI 1970

RÜCKBLICK 2010: ARTE BRINGT NUMMER 6 ZURÜCK
DAS ZDF: ZUM TOD VON PATRICK McGOOHAN

* etwa in Roger Langleys McGoohan-biografie "Danger Man or Prisoner?"

WAS WAR, WAS WURDE: 1969
EINE
(UNVOLLSTÄNDIGE) CHRONIK

3.1. Die krimiserie DER KOMMISSAR mit Erik Ode in der hauptrolle läuft erstmals im ZDF und wird ungeachtet stereotyper dialoge und handlungsabläufe, markenzeichen ihres drehbuchschreibers Herbert Reinecker, zum zuschauerhit. Der schuf später mit DERRICK eine sehr ähnlich geartete dauerserie.
15.1. Barry Ryans song "Eloise" führt die deutschen charts an.
18.1. Die ZDF-Hitparade, moderiert von schnellsprecher Dieter Thomas Heck, wird zum ersten mal ausgestrahlt. Abonniert auf deutschsprachige interpreten, denen man mit der charakterisierung "schlagerfuzzies" nicht zu nahe tritt, brachte es die sendung zeitweilig bis auf über 27 prozent zuschaueranteil; kein wunder natürlich bei nur zweieinhalb empfangbaren deutschen fernsehprogrammen. Sie entschlief endgültig im jahr 2000 nach dem absacken ins quotennirvana.

20.1.
In Washington wird Richard M. Nixon (1913-1994) als Präsident der USA nachfolger von Lyndon B. Johnson. Unrühmlichster teil seiner amtszeit war der missbrauch von amtsvollmachten und die berühmt gewordene bespitzelung von politikern der Demokratischen Partei mittels eines von ihm veranlassten einbruchs ins Watergate Building. Die "Watergate"-affäre führte 1974 beinahe zur amtsenthebung Nixons. Er kam ihr durch rücktritt zuvor.
5.3. In West-Berlin wird der SPD-politiker Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

23.3. Beatle John Lennon (1940-1980) und seine Frau Yoko Ono (geb. 1933) inszenieren in Amsterdam ein siebentägiges "bed-in", um für den frieden in der welt zu demonstrieren.
6.4. In den USA demonstrieren tausende von bürgern im rahmen der anti-Vietnam-märsche am Osterwochenende gegen den krieg in Vietnam.
24.5. Zwei tage vor ablauf der bundesligasaison steht der FC Bayern München als Deutscher Fußballmeister fest (das kenn' ich doch...)
15.6. Der Gaullist Georges Pompidou (1911-1974) wird zum neuen französischen präsidenten gewählt.
27.6. Während der sommerferien gilt erstmals in der Bundesrepublik ein wochenendfahrverbot für LKW, damit besonders die autobahnen zugunsten des ferienverkehrs entlastet werden.
20.7. Um 21.17 Uhr mitteleuropäischer zeit landet die US-amerikanische landefähre "Eagle" (Adler) auf dem Mond. Um 3.56 Uhr MEZ setzt Neil Armstrong als erster mensch den fuß auf die mondoberfläche. "That's a small step for a man, one giant leap for mankind" ("Ein kleiner schritt für einen menschen, aber ein gewaltiger sprung für die menschheit") sind seine im voraus festgelegten ersten worte.
6.8. Der philosoph und soziologe Theodor W. Adorno ("Ästhetische Theorie", "Minima Moralia", "Negative Dialektik") stirbt in Brig/Schweiz. Gemeinsam mit Max Horkheimer hatte er während des 2. Weltkrieges im exil in den USA die "Dialektik der Aufklärung" verfasst. Nach dem krieg begründeten sie das Institut für Sozialforschung an der Frankfurter universität neu. Durch seine theoretischen schriften wurde Adorno zum begründer der sog. "Frankfurter Schule", eher ungewollt avancierte er zu einem der intellektuellen wegbereiter der studentenbewegung in Deutschland.
14.8. Bundesdeutscher kinostart von Sergio Leones film C'ERA UNA VOLTA IL WEST - besser bekannt als SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD.
16.8. Die britische fernsehserie THE PRISONER wird vom ZDF erstmals unter dem deutschen titel NUMMER 6 (auch: NUMMER SECHS) ausgestrahlt. Von 17 episoden wurden 13 synchronisiert.
"Oh Happy Day"
von den Edwin Hawking Singers führt die hitparade in der vorwoche an; in der woche danach ist es Elvis Presley mit "In the Ghetto.
17.8. Auf dem grundstück von Max Yasgur im US-bundesstaat New York geht das Woodstock-Festival zu ende, ein stelldichein aller musikbands von rang und namen wie Canned Heat, The Mamas and the Papas, The Who, Santana, Jefferson Airplane, Crosby Stills Nash & Young, Jimi Hendrix u.v.a. 60.000 besucher hatte man zu dem dreitägigen open-air-konzert - motto: "3 days of peace and music" - erwartet; gekommen waren zwischen 400.000 und 500.000. Trotz regen, fehlender sanitärer einrichtungen und mangel an nahrungsmitteln wird das konzert zu einem großen erfolg und zum inbegriff der "flower-power-bewegung". Chefcutter des gleichnamigen kinofilms war ein gewisser Martin Scorsese.
28.9. Bei den wahlen zum 6. Deutschen Bundestag erhalten die CDU/CSU 46,1 prozent, die SPD 42,7 prozent und die FDP 5,8 prozent der stimmen. Die NPD scheitert an der fünfprozent-hürde.
21.10. Willy Brandt (SPD) wird zum Bundeskanzler einer sozial-liberalen koalitionsregierung gewählt, Walter Scheel (FDP) wird vizekanzler und außenminister. In seiner regierungserklärung kündigt Willy Brandt das umfangreichste reformprogramm der deutschen nachkriegsgeschichte an ("mehr demokratie wagen"). Politisch am erfolgreichsten war er in der gestaltung der deutschen ostpolitik, vor allem im verhältnis zur DDR. Brandt trat 1974 wegen eines enttarnten DDR-spions in seiner umgebung (und vermutlich auf druck seiner eigenen fraktion) vom amt zurück und Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler.
Im November nimmt das ARPANET, ursprünglich auf initiative des US-verteidigungsministeriums entstanden, seine tätigkeit auf. Es handelt sich um ein durch paketvermittelte datenkommunikation verbundenes netz von computern und rechenzentren - der vorläufer des internets.
15.11. Die proteste gegen die US-amerikanischen interventionen in Vietnam finden in einer massendemonstration in Washington ihren höhepunkt.
28.11. Die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet den atomwaffensperrvertrag.
1./2.12. Auf der konferenz der staats- und regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft (EG) in Den Haag wird einigkeit über einen gemeinsamen markt erzielt. Frankreich stimmt einer erweiterung der EG zu. "Come Together" von den Beatles steht an der spitze der deutschen hitparade.

6.12.
Woodstock ist tot: Die euphorische erwartung, dass lediglich liebe unter den menschen zu einer besseren welt führen werde, erhält einen herben dämpfer, als beim Altamont Free Concert in den USA vor den augen der gerade auf der bühne spielenden Rolling Stones ein schwarzer von einem mitglied der sicherheitskräfte, mitglied der "Hell's-Angels", niedergestochen wird, weil er mit einer waffe in der hand gegen deren hartes vorgehen protestierte. Das konzert geht weiter. Der vorfall ist in dem film GIMME SHELTER festgehalten und dokumentiert worden.
20.12. Die familienspielshow "Wünsch Dir was" unter der moderation von Dietmar Schönherr (bekannt geworden als Commander McLane in der serie RAUMPATROUILLE) und seiner ehefrau Vivi Bach wird erstmals ausgestrahlt. Einen mittleren skandal in der regenbogenpresse entfachte die halbdurchsichtige bluse einer der teilnehmerinnen. Spektakulär und hitzige debatten provozierend war ein in einem wasserbassin versenktes auto mit einer familie darin.
Ach ja... der liter normalbenzin kostet 0,582 D-Mark.

Quellen: Deutsches Historisches Museum, www.dh.de; www.jahr1969.de, sonstige

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JOACHIM BRINKMANN, DIALOGREGISSEUR DER ZDF-FASSUNG

JEAN-MARC LOFFICIER: DAS GESPENST DER FREIHEIT

PATRICK McGOOHAN IM GESPRÄCH MIT WARNER TROYER

HARALD KELLER: WIR SEHEN UNS - WIEDER!

CHR. WINDER: ICH BIN KEINE NUMMER, ICH BIN EIN MENSCH

HANS SCHMID IN TELEPOLIS: DIE WELT IST EIN DORF

ALLE EPISODEN MIT KURZCHARAKTERISIERUNG

SENDEZEITEN DER DEUTSCHEN VERSION

MEHR: PRISONER'S PORTMEIRION

MEHR: PRISONERESK

MEHR: WAS IST BESONDERS AN NUMMER 6?

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MEHR INFORMATIONEN: THE TALLY HO

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MEHR: Nr6DE - FREUNDE & FÖRDERER DER SERIE

Abbildungen, ausschnitte aus fernsehzeitschriften aus der privatsammlung von Michael Brüne; mit besonderem dank an Heike Nau für das HörZu-tagesprogramm vom 16.08.1969

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