THE TALLY HO READ ALL ABOUT IT!
THE TALLY HO TOP 20 MERKMALE DER SERIE
THE TALLY HO WAS WAR... CHRONIK 1969
THE TALLY HO
WAS FEHLT... THEMEN 2009
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BLICK
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BLICK NUMMER 6 - PRISONER CONVENTION
SEITENBLICK ANDERSWO GELESEN...
RÜCKBLICK 1969: DEUTSCHE FERNSEHPREMIERE
RÜCKBLICK WAS WAR, WAS WURDE...
RÜCKBLICK
2006: IN UND AUS DER PRESSE
RÜCKBLICK 2010: ARTE BRINGT NUMMER 6 ZURÜCK
RÜCKBLICK
MISTER SECHS WILL NICHT KÜSSEN
RÜCKBLICK
ZDF-ANSAGE
DAVE BARRIE
...IM INTERVIEW
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THE MAJESTY OF "FALL OUT"

"FALL OUT": THE IMPOSSIBLE DREAM

"DEMASKIERUNG": DER UNMÖGLICHE TRAUM

I'M INDEPENDENT, DON'T FORGET
SEVEN FROM SIX

RAKOFF'S FABLES - INTERVIEW MIT IAN L. RAKOFF

"DIE ANKLAGE": DUNKLE TRÄUME UND LANGE SCHATTEN

ARNO BAUMGÄRTEL
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AKTENABLAGE: VON EPISODEN, DIE KEINE WAREN
DER AKADEMISCHE PRISONER

BILDER AUS WALES - KLEINE PANORAMEN

BILDER VON DER PRISONER-CONVENTION
PORTMEIRION: BAUTEN IN BILDERN
THE AMC PRISONER (2009) MINISERIE
WER SIND SIE? - DIE NEUE NUMMER SECHS

ARNO BAUMGÄRTEL & MICHAEL BRÜNE
DIE DEUTSCHE DVD

NUMMER 6 - NICHT DER GEFANGENE
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AUF DIE REIH GEBRACHT (1) DIE REIHENFOLGE

TOBIAS BECKER
ZIRKULÄRE REALITÄT

FRANK T. BITTERHOF
DIE OFFENBARUNG - THE PRISONER ALS BLU-RAY

M. KEITH BOOKER
DER POSTMODERNE PRISONER

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DIE SECHS-IDENTITÄT (INTERVIEW)
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AUF DIE REIH GEBRACHT (2) DIE REIHENFOLGE

DIE ANTHONY-SKENE-TRILOGIE
MARTIN COMPART
SOAPS: FERNSEHSERIEN...

ANTHONY DAVIS
PRISONER PRESS LAUNCH 1967

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ROBERT FAIRCLOUGH
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REALITY AND SIMULATION IN THE PRISONER

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SCHÖNER TAG! - SPÄTER REGNET ES.

LARRY HALL
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"TELL THEM ALL
I GOT OUT!"

Von Arno Baumgärtel

Beruft sich AMCs miniserie THE PRISONER wirklich zu recht auf das vorbild von 1967? Klare antwort: nein. Die worte des alten mannes zu beginn der ersten episode der neuauflage sollte man sich merken. Denn er ist der einzige, der es schon nach rund drei von knapp 275 minuten nettolaufzeit aus dem erzählerischen gespinst

   

nach draußen schafft, wenn auch um den preis seines lebens. Es geht hier nicht darum, den AMC-sechsteiler analytisch zu zerlegen und für gut oder schlecht zu befinden. Jüngere menschen werden womöglich ihren gefallen daran finden, alleine schon, weil es stoff von heute ist und nicht aus der zeit, von der die alten säcke immer reden. Hier geht es nur darum aufzuzeigen, dass und warum dieses artefakt den titel THE PRISONER zu unrecht trägt und auch keinen prüfstein für das über 40 jahre alte original darstellt. Und ich sage auch: Sehen Sie sich's an!

Hinweis: Spoiler finden sich hier keine, aber wer unbelastet anschauen will, sollte diesen text erst später lesen!

"LEAN OVER THE BOWL, AND THEN TAKE A DIVE
ALL OF YOU ARE DEAD. I AM ALIVE"

Glen Runciter in Philip K. Dicks roman "Ubik"

Hauptkriterium eines jeden künstlerischen oevres muss sein, auf eigenen beinen zu stehen, sprich, nicht ständig als die kopie, der nachfolger oder gar das plagiat von demunddem identifiziert zu werden. THE PRISONER (2009) hat es schwer, und zwar weil ihm THE PRISONER (1967) wie ein mühlstein am hals hängt.

THIS TEXT IN ENGLISH
(2009): EPISODEN & ÜBERSICHT
MEHR: NUMMER 6 PARALLEL
DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MISTER G
DIE SECHS-IDENTITÄT: INTERVIEW MIT TIM BOURNE
THE PROBLEM IS IN BILL GALLAGHER'S MIND (BLOG)

DER ERSTE DEUTSCHE TALLY HO AUS ANLASS DER
FERNSEHPREMIERE BEI ZDFNEO AB 13.01.2012 (PDF CA. 3,5 MB)

DEUTSCH TV-PREMIERE VON NUMMER 6 AM 16.08.1969
PRISONER'S PORTMEIRION - mehr...

MEHR: PRISONERESK
MEHR: SURREALISMUS

Niemand brauchte ein remake, seine urheber sprechen selbst lieber von neuschöpfung. THE PRISONER (1967) ist ein produkt seiner zeit und vor allem einer persönlichen vision, besser: einer obsession. Diese faktoren sind nicht reproduzierbar. Wenn schon, muss der stoff für heutige fernseherlebnis- und sehgewohnheiten einen mehrwert bieten, um mit dem vorbild mithalten zu können oder später daran gemessen zu werden. THE PRISONER (2009) schafft das leider nicht. Er hat nicht die formale und ästhetische innovationskraft einer serie wie 24, geschweige die verve eines manischen, charismatischen Jack Bauer in einer prototypischen Nummer-Sechs-rolle. Eher wirkt er somnambul, bisweilen plätschert die handlung dahin, weil keine wirklichen spannungsbögen geschlagen werden. Was wiederrum wenig wundert, wenn man ihn vom ende her betrachtet.

Der berüchtigte "griff ins klo" - wie in einer US-besprechung zu lesen - ist dieser sechsteiler aber nicht. Mit zeitlichem abstand erst werden sich auch seine qualitäten besser erweisen. Einstweilen reicht es nicht für mehr als eine mittelprächtige note. Und qualitäten - 1-A-produktionsqualitäten, die gibt es: Florian Hoffmeisters cinematografie; der erste anblick des Villages im dämmerlicht ist magisch. Am rand der wüste gelegen und in warmen farben, dem wahren Village in Nord-Wales in nichts nachstehend. Ebenfalls das farblich wohl abgestimmte retrodesign von Michael Pickwoad. Und der soundtrack, den wir hier unbeachtet lassen müssen. Aber dann...

Während im maßgeblich von Patrick McGoohan ersonnenen 1967er original der surrealismus zwischen den 24 filmbildern pro sekunde und durch die nur oberflächliche agenten-kidnappingsgeschichte sickerte, verliefen die plots, bis auf die allerletzte folge "Fall Out", dennoch weitgehend serienkonform. Man wusste wer, man wusste wo, man wusste was. Und wir sprechen hier nicht unbedingt von "sinn machen". 2009 zieht drehbuchautor Bill Gallagher nun alle register, um das publikum mit dem, was er für surrealismus hält, zu unterhalten. Unterhaltung ist freilich relativ. Er bedient sich bei allem, was an sogenannter mystery in den jahrzehnten seit der erstsendung des originals das licht von kinoleinwand und fernsehschirm erblickt hat. Populäre kultur lebt von der wiederkehr bei gleichzeitiger variation der ewig gleichen stoffe.

Leider gibt drehbuchautor Gallagher nirgends zu erkennen, um was es ihm mit gerade diesem stoff ging, wie sein besonderer draht zum McGoohanschen vorbild beschaffen ist. Beim federführenden sender AMC hatte vermutlich nur die bilanzabteilung ein auge auf den paranoia-meets-surrealismus-klassiker aus dem Kalten Krieg geworfen und sich von einem remake reputation sowie natürlich einschaltzahlen versprochen.
Was soll man davon halten? Warum der ganze zinnober, wenn einem ersichtlich genau der impetus, die perspektive fehlt, die McGoohans werk von allem unterscheidet, was fernsehen bis dahin und seit damals hervorgebracht hat?

Schon kurz nach dem hoffnungsvollen start in "Arrival" und der fälligen hommage an das original (die wohnung des alten mannes, 93, ein part, den man Patrick McGoohan angetragen, er aber abgelehnt hatte, sieht nahezu identisch aus wie 6 private, mit lavalampe und Pennyfarthing) zieht drehbuchschreiber Gallagher seine extrem sprunghafte erzählstruktur auf und parallelisiert die handlungen im Village und in New York, mehr als seinem stoff bekommt. Ein hin und her, und alles sieht slick aus.
Inhaltsangaben der episoden, die ich Ihnen an dieser stelle ebenso wie spoiler erspare - schauen Sie es sich an! - lesen sich in der zusammenfassung schlüssiger, als die ausführung der episoden letztlich ist. Denn das meiste fällt diesen parallelfügungen und ununterbrochenen jump-cuts, zeitlich, räumlich, zum opfer.

VERSCHENKT

Als zuschauer will man nicht dümmer sein als das drehbuch. Also reimt man sich etwas zusammen, das dann am ende der knapp sechs stunden kaum an deutlichkeit gewonnen hat. Jüngeres publikum mag solches erzählen in schnipseln für normal halten. Wer geradliniges action-abenteuer bevorzugt, wird von dieser sprunghaftigkeit in jedem fall abgestoßen sein. Aber auch freunde eher experimentellen erzählens werden abwinken. Dabei ist McGoohans original ein einziges fragment, aber die narration ist selbst dort klar, wo "halluzinatorische" oder "psychedelische" aspekte im vordergrund stehen wie in der episode "Free For All", der hier, interessanterweise, keine neuschöpfung zuteil wurde.
Es bleiben lose enden, aber man hat nicht den eindruck, dass sie zu mehr da sind, als dem publikum unergründliche tiefe zu suggerieren. Man schaut bis zum ende zu, weil man (frei nach Sepp Herberger) nicht weiß, wie es ausgeht.

Lose enden und verschenkte möglichkeiten:
Was treibt 6 dazu, "Resign" ans fenster von Summakor, seinem arbeitsplatz, zu sprühen? Ein McGuffin? Weil es in der titelsequenz besser aussieht als ein briefumschlag mit rücktrittsschreiben darin? Ärger? Jedenfalls nicht, dass man ihn nachvollziehen könnte.
Was geschieht physisch mit den menschen, die Summakor "beobachtet" und für das Village als geeignet befunden hat - werden sie eingeäschert, auf den müll geworfen, tiefgefroren, dupliziert (natürlich, dies ist nicht INVASION DER KÖRPERFRESSER)?
Die "Twin Towers" in der wüste bleiben handlungstechnisch genauso eine fata morgana, wie sie dann und wann im bild erscheinen.
6 übernimmt jobs als busfahrer und lehrer, aber nie erfahren wir mehr, wie kam es dazu, was wurde daraus.
Die obligatorische schweinehaltung irritiert und amüsiert gleichermaßen und erinnert an Bunuel, wird aber höchstens für drei, vier minuten zum thema und wie vieles verschenkt.
Das namibische Village gibt einen extrem schönen hintergrund ab, kommt aber im gegensatz zu Portmeirion in Wales als nebenakteur kaum zum zuge. Verschenkt.
Die ärztin 313 wird "zur behandlung" in einen tunnel gebracht (im wahren Ort als "aversionstherapie" bekannt). Der gesamte handlungsfaden, einschließlich der - allzu einfachen - rettungsaktion, was die tunnel sind, wo, wie verliert sich im wüstensand.
Sträflich unverzeihlich: das angebot von 2 an 6, für ihn zu spionieren. 6 argwöhnt eine falle. "Of course it is a trap", sagt 2. Aus diesem antagonismus mit einem solchen dialog wird ein nichts an dramatik, keine spannung, kein kapital geschlagen. Der neun-minuten-trailer suggeriert mit diesem dialog deutlich mehr. Vergeigt von einem ungeeigneten drehbuch.

Und weil der erzählmodus des sechsteilers auch nicht wie bei McGoohan die allegorie ist (was jemand wie George Markstein überhaupt nicht mochte), kann 6 folglich auch nicht als übermenschlicher held charakterisiert werden, bieten sich erzählerisch keine metaphern an. Man sollte stattdessen erwarten, dass (auf-) lösungen mittels sorgfältig aufgebauter plots herüberkommen.

"ONCE YOU'RE A SUSPECT YOU'RE GUILTY"

Bill Gallaghers drehbuch bedient dabei durchaus themen, die denen im original entsprechen und aller ehren wert sind:
- individuum und gemeinschaft
- fürsorgliche repression
- wahrheit und lüge,
- vertrauen und verdacht,
- traum und realität,
- das "Village inside the mind".

Vor allem in episode 3, "Anvil", ist der bezugspunkt viel weniger THE PRISONER als etwa Francis Ford Coppolas unterschätzter film THE CONVERSATION von 1972, worin ein von Gene Hackman gespielter abhörspezialist sich zunehmend in die folgen seiner sich gegen ihn wendenden diffizilen tätigkeit verstrickt sieht. Jedoch: Nichts wird richtig ausgearbeitet oder weiterverfolgt.

OBEY - JOHN CARPENTERS "THEY LIVE" (1988) UND AMC'S "THE PRISONER" (2009)

Das privatleben von 2 erhält - aus gegebenem grund - im vergleich zu den anonymen Nummer Zweien von 1967 weitaus mehr gewicht: Er ist verheiratet, seine frau liegt - oder er hält sie - in einem künstlichen koma. Sein adoleszenter sohn ist schwul und zerbricht an den verhältnissen. Und wieder: All das ist dem drehbuch keine dramatisierung wert. Weder 6, der aussteiger, noch 2 laden als protagonisten zum grübeln, mitfühlen oder gar zur identifikation ein. Sie sind und bleiben einem egal. Am ehesten fiebert man mit der ärztin 313 (Ruth Wilson). Ihre beklemmende geschichte bleibt jedoch nur ein nebenaspekt am ende des ganzen.

KAMPF UM DIE DEUTUNGSHOHEIT

6 ist definitiv nicht Everyman. Die McGoohan-figur Nummer Sechs als nicht näher bestimmter hochrangiger regierungsagent mit sehr viel wissen im kopf, "unbezahlbar für einen gegner", agierte mit sichtlicher überlegenheit und erkennbarer ironie im existenzialistischen kampf gegen diverse Nummer Zweien um die deutungshoheit, und nicht nur die im Village. Er hätte seinen häschern vermutlich alles sagen können, was sie von ihm verlangten - aber er wollte es partout nicht. Die gründe sind weitaus mehr als nur renitenz oder ein unangenehmer job.

313 UND 6: IT'S A GOOD LIFE, WELL, IS ISN'T?

Was 6 uns mitzuteilen hat, ist buchstäblich nicht mehr als: "I wanna get back to New York". Michael, wie 6 im bürgerlichen leben heißt, arbeitet bei einer ominösen datenbeschaffungs- und überwachungsfirma. Wir verstehen: aktualitätsbezug! Dort muss er auf etwas gestoßen sein, das ihn zum aussteiger werden ließ. Essenziell für die handlung ist sein job bei Summakor (für die man eigens eine perfekt aussehende website konstruiert hat) so wenig wie vieles andere hier.

DIE SUMMAKOR-WEBSITE EXISTIERT INZWISCHEN NICHT MEHR

Jim Caviezel ist tatsächlich nur ein angestellter, weder renitent noch zornig (das will uns höchstens der pressewaschzettel sagen) und schon gar nicht humorvoll. Er, der das fenster mit "Resign" vollsprüht, ist keine sekunde mit dem eher mythischen als mystischen Nummer Sechs vergleichbar, der einen prinzipiellen schritt geht, indem er sein rücktrittsschreiben auf den tisch haut. Seine präsentation des berühmten Nummer-Sechs-credos: "Ich bin keine nummer, ich bin ein freier mensch!" bleibt nur deklamatorisch.
Dafür hat er züge der leidensfigur Christus, die er in Mel Gibsons fundamentalistischem machwerk abgab, auch hier nicht richtig abgelegt. Autor Gallagher würde wahrscheinlich sagen, er habe auch keinen supermenschentyp als titelfigur haben wollen.
So what, wozu dann der bezug auf THE PRISONER, wenn der sich eher in zufälligkeiten (der ladenbesitzer mit der landkarte, das Pennyfarthing an der kneipendecke, der weiße ballon) erschöpft?

Ian McKellen als 2 ist Caviezel nicht nur schauspielerisch weit überlegen. In seiner überaus sanften replik auf 6s forderung, er wolle nach New York zurück: "That's not possible. There is no New York." hört man ein einziges mal das echo einer originalepisode: "This is your world. I am your world", sagt Mary Morris' Nummer Zwei in der prisonereskesten episode von allen, "Dance Of the Dead". Allein wegen dieser akzentverlagerung hin zu dieser Nummer Zwei, der heimlichen hauptfigur, ist der titel THE PRISONER falsch gewählt.

MORATORIUM DER LIEBEN ANVERWANDTEN

Stanislaw Lem hat in seinem theoretischen werk "Summa Technologiae" (1964) und noch einmal in "Phantastik und Futurologie" (1970, dt. 1977) den begriff "Phantomatik" geprägt für einen erzählerischen modus oder auch eine (fiktive?) technik, die die landläufige vorstellung von wirklichkeit ebenso wie deren "unikalismus" (Lem) radikal aufhebt. Ist man erst einmal durch ein sei es psychologisch oder technologisch induziertes ereignis in die welt der phantomatik eingetreten, gibt es keine möglichkeit mehr, eine - d.h. meist "unsere" - realität als die echte oder wahre zu postulieren.
Lems prägung wurde jahre später unter dem begriff "Cyberpunk" und sodann als "virtuelle realität" zum allgemeingut. Den weg geebnet haben u.a. Daniel F. Galouyes Roman "Simulacron 3" (1964, mehr...) und vor allem, oft ungenannt, ein großer teil des literarischen werkes von Philip K. Dick. R.W. Fassbinders fernsehzweiteiler von 1973, WELT AM DRAHT, Cronenbergs

IST DER NUN REAL ODER IMAGINÄR? EGAL, HAUPTSACHE ER SCHMECKT...

VIDEODROME (1983), Trumballs BRAINSTORM (1983) und nicht zu vergessen ein gewisser blockbuster namens THE MATRIX (1999) verdanken ihre existenz dieser technik.

Unter diesem aspekt betrachtet, nimmt der AMC-sechsteiler mit dem irreführenden titel nun doch neue fahrt auf. Treffen wir uns also LETZTES JAHR IN MARIENBAD? - Nein, denn dekonstruktion des erzählerischen kontinuums, des individuums oder subjekts ist Gallaghers sache nicht, auch wenn ihm hier die bestmögliche desorientierung gelingt. In einer amerikanischen besprechung wurde vorgeschlagen, sich die miniserie von der letzten episode her anzusehen, dann käme man mit der sprunghaftigkeit der erzählweise viel besser klar. Der gedanke ist nicht verkehrt, erstmaligen zuschauern dürfte der vorschlag trotzdem kaum helfen.

(2009): EPISODEN & ÜBERSICHT
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PROFIL - PREVIEW (PDF)
DIE SECHS-IDENTITÄT: INTERVIEW MIT TIM BOURNE

Viel wahrscheinlicher, wir alle, 6, 2, M2, 313 treffen uns mit Glen Runciters frau Ella im "Moratorium der lieben Anverwandten", einem handlungsbestandteil aus Philip K. Dicks vielleicht größtem roman "Ubik" von 1969; Glen Runciter vielleicht mit einer farbspraydose in der hand. Und eventuell entdeckt er auf seinem münzgeld das konterfei von 6/Michael. Wenn das jedoch zutrifft, dann hat das alles mit THE PRISONER eventuell nicht mehr allzu viel zu tun und war bloß erst der anfang...

 

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