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BERLIN UND THE VILLAGE

Von Moor Larkin

Die Vorstellung, daß Fernsehserien Zugriff auf Geheimnisse des heißen oder kalten Krieges haben sollten, erscheint relativ absurd in Anbetracht der politischen Zustände Mitte der Sechziger Jahre. Doch bezogen Drehbuchautoren unweigerlich Inspirationen aus den Zeitungen, und McGoohan war als eifriger Zeitungsleser bekannt.

Im Juni 1968, fünf Monate, nachdem THE PRISONER zum ersten Mal komplett in Großbritannien im Fernsehen gelaufen war, sollte die Serie ihre lang ersehnte erste Ausstrahlung in den USA erleben. Sie wurde auf der Titelseite des USA TV Guide angekündigt: "Patrick McGoohan’s erstaunliche, faszinierende neue Sommerserie … Seite 22". Das vier Seiten lange Interview mit Joan Barthel beinhaltete die hochinteressante Behauptung von McGoohan, daß seine neue Serie (obgleich als 'mysteriös'

AUS DEM ENGLISCHEN VON MONIKA ANGERHUBER

bezeichnet) auf einer Grundlage beruhte, die gar nicht so weit hergeholt war, und daß er von drei Orten wußte, wo Menschen insgeheim gefangengehalten wurden – in der realen Welt! In einem anderen Interview ungefähr zeitgleich erwähnte Patrick McGoohan sogar, daß er von einem solchen Ort in Deutschland wußte!

"Die Serie beruhte nicht komplett nur auf meiner Phantasie, wissen Sie", sagte McGoohan. "Es gibt wirklich solche Orte, natürlich alle sehr geheim, wo genau dasselbe passiert [wie in der Serie]. Ich weiß von einem solchen Ort auf den Britischen Inseln, einem in Deutschland und einem hier in den USA. Sie haben mir genau die Art von Inspiration geliefert, die ich gebraucht habe, um etwas zu sagen, das unbedingt gesagt werden muß."
Es sollte August 1969 werden, bevor die Serie im damaligen Westdeutschland ausgestrahlt wurde. Nur 13 Folgen wurden gezeigt. Die vier fehlenden waren "Free For All", "The Schizoid Man", "A Change of Mind" und "Living in Harmony".

NEUSYNCHRO VON VIER EPISODEN DURCH ARTE 2010
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Die Vorstellung, daß Fernsehserien Zugriff auf Geheimnisse des heißen oder kalten Krieges haben sollten, erscheint relativ absurd in Anbetracht der politischen Zustände Mitte der Sechziger Jahre. Doch bezogen Drehbuchautoren unweigerlich Inspirationen aus den Zeitungen, und McGoohan war als eifriger Zeitungsleser bekannt. In der Presse der frühen Sechziger Jahre fanden Agenten[ausbildungs]lager andauernd Erwähnung; daher ist es bedeutungslos für die Vorstellung ihrer Existenz, ob es sie wirklich gab. Ihre Existenz wurde von der Presse und den Medien jener Zeit als gegeben hingestellt. Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 1961:

Vorstellungen von solchen Orten kursierten seit 1959. Auch ein Film, der im Berlin des Jahres 1959 (zeitgleich mit der ersten DANGER-MAN-Staffel) gedreht worden war, bezieht sich auf diesen Gedanken. In dem Film MAN ON A STRING ist von einer geheimen Stadt die Rede. Mein Blog geht etwas ausführlicher darauf ein: http://numbersixwasinnocent.blogspot.com/2009/09/mcgoohan-on-my-mind-where-am-i-in.html

Tatsächlich findet einer der am besten bekannten und am ausführlichsten dokumentierten Vorfälle des Kalten Krieges Widerhall in mehr als einem PRISONER-Skript mit Piloten hoch oben am Himmel: Der U2-Vorfall ereignete sich im Jahr 1960, aber der vielleicht faszinierendste Aspekt des Falls wurde zwei Jahre später von der Presse enthüllt: "Associated Press-Korrespondentin Mary Swain hegte den Verdacht, Powers befände sich in einem nahegelegenen Anwesen namens Ashford Farms, das die Regierung vor einigen Jahren gekauft hatte und es nun zu mysteriösen Zwecken nutzte. Mit einem Fernglas bewaffnet, legte sie sich an einem Weg auf die Lauer, der an die Farm angrenzte, und sah, daß

viele Autos kamen und fortfuhren. Eines Nachts raste ein blauer Kombi aus dem Tor und die Straße nach Delaware und die Dover Air Force Base entlang. Später sagte das Außenministerium aus, daßPowers in Ashford Farms gewesen sei, aber man habe ihn verschwinden lassen." (Quelle: www.time.com/time/magazine/article/0,9171,895886,00.html#ixzz0vCvptJb0

War der Fall Gary Powers und sein merkwürdiges "Debriefing" in einem Luxusgefängnis (seiner "eigenen Seite"!) Teil von McGoohans Gedankengängen?

Es ist wahrscheinlich nur Zufall, daß Gary Powers am 10. Februar aus seiner russischen Gefangenschaft entlassen wurde – das gleiche Datum, an dem die "Schizoid Man"-Erlebnisse für Nummer Sechs begannen. Doch der Fall Powers war ein Augenblick im Kalten Krieg, der zur Ikone wurde, wie man am Titelblatt des TIME Magazine erkennt, und das Anwesen war sicherlich eine Einrichtung, die mit McGoohans Auffassung von "Orten, wo diese Leute sich aufhalten. Unfreiwillig, und in absolutem Luxus" korreliert. George Markstein hat 1979 behauptet, daß eine ähnliche Idee aus dem Schottland der Kriegsära als Basis für das Konzept von THE PRISONER diente. Doch waren der Fall Powers und Ashford Farms damals seit fünf Jahren allgemein bekannt, und die Vorstellung von Agentenschulen und -lagern war Mitte der 60er Jahre weit verbreitet.

INVERLAIR LODGE - EIN BESONDERER ORT IN SCHOTTLAND
DANGER MAN: COLONY THREE

Patrick McGoohan setzte seinen Ruhm und seine Popularität als TV-Geheimagent ein, um seinem Publikum eine feste Basis zu liefern, von der aus er seiner eigenen neuen Serie folgen konnte. Offensichtlich muß er ein Interesse an derlei Machenschaften im wirklichen Leben gehabt haben, ebenso wie an der fiktiven Welt von James Bond oder THE MAN FROM U.N.C.L.E. – oder seinem eigenen DANGER MAN. Jack Lowin, ein Kameramann, der McGoohan schon lange kannte, erwähnte einmal, daß sein Arbeitgeber ein amerikanisches Buch besaß, aus dem (wie Lowin glaubte) die Idee für THE PRISONER stammte. Es kursieren noch diverse andere Geschichten über die Inspiration für THE PRISONER. Daß Lowin ein amerikanisches Buch nennt, läßt seine Behauptung wahr klingen.

Dieses Blog beschäftigt sich tiefergehend mit diesen Details: http://numbersixwasinnocent.blogspot.com/2009/08/mcgoohan-on-my-mind-ladies-and.html

Ian Fleming nutzte Fakten aus dem wirklichen Leben, als er seinen zeitgenössischen fiktiven Spionage-Agenten schuf. Seine Ideen von SMERSH stammen von 1950 und basieren ebenfalls auf Zeitungsartikeln über den Kalten Krieg. Doch Fleming hatte während der Kriegsära auch das Camp X kennengelernt, und als dieses von der kanadischen Regierung in den sechziger Jahren verkauft wurde, wurde über all diese Verknüpfungen wahrheitsgetreu berichtet.

James Bond-Fans wissen natürlich, daß sowohl SMERSH als auch SPECTRE Abteilungen, Bürokratien und Speziallager vorzuweisen hatten, wo ihre niederträchtigen Agenten ausgebildet, inhaftiert und liquidiert wurden. McGoohans Idee von einem Lager für Geheimagenten hatte viele solche Vorläufer im Milieu der zeitgenössischen Fictionliteratur. Sie sickerten auch in die Nachrichten der realen Welt durch. Schon 1965 waren die wirklichen Ausbildungslager wie z. B. das 1 Quadratkilometer große Camp X von den Medien zu autarken und vollständigen Gemeinschaften geworden – beschrieben als komplette Städte. Eine davon war Graczyna, von der berichtet wurde, sie läge nahe der heutigen Stadt Samara in Rußland.

Dieser umfangreiche Artikel war nur einer von vielen, die im Winter 1965 in der amerikanischen Presse erschienen, als DANGER MAN den Höhepunkt der Popularität in den USA erreichte. Die Sechziger sind heute berühmt für die zivile Rebellion im Westen gegen die simpleren Vorstellungen von verschiedenen "Seiten", die in den Fünfzigern vorherrschten. Patrick McGoohan war nur einer von vielen, die fragten, welche Seite diejenige war, auf der man sein sollte – und machte es denn wirklich noch so einen großen Unterschied?

Nur ein oder zwei Jahre, nachdem McGoohan sich von THE PRISONER verabschiedet hatte, folgte Jeanne Sakol seiner Fährte und fand ihn in Norwegen, wo er bereits mit der Verfilmung von "Brand" beschäftigt war – seinem lebenslänglichen Steckenpferd. Im Verlauf des Interviews sagte er zu ihr: "Ich hege große Hoffnungen für die Zukunft. Deshalb habe ich THE PRISONER geschaffen ... eine Allegorie … eine Fabel … einen Protest gegen Reglementierung und den Verlust der Individualität. Wir dürfen nicht zu Marionetten werden. … Letztendlich muß jeder von uns in seinem eigenen Ich leben." (Quelle: Cosmopolitan, Dec 1969, S. 122ff)

Eine Allegorie? In diesen modernen Zeiten findet die allegorische Natur von THE PRISONER häufig Erwähnung. Allegorien sind Fabeln, in denen spezielle Figuren jeden von uns darstellen könnten, vielleicht auf verschiedene Weise. Die Wahrnehmung ihrer "Message" differiert je nach Leser, selbst wenn die Fabel einen universellen Aspekt der Menschheit oder der Natur der Welt anspricht. McGoohans sah selbst den Kalten Krieg nach dem 2. Weltkrieg immer hitziger werden, in den Fünfziger Jahren in Flammen ausbrechen, Beginn der Sechziger mit beängstigender Gewalt brennen (als die Kubakrise beide Seiten des Konflikts zu

ROBERT FAIRCLOUGH: POP UND POLITIK
WER IST NUMMER EINS? - GEORGE MARKSTEIN
DAVE BARRIE: THE McGOOHAN-MARKSTEIN DEBATE

der Erkenntnis führte, wozu dieser Bluff-Krieg führen konnte) und schließlich – als Reaktion auf diese universelle Angst – sich abkühlen. McGoohans eigene Karriere war von diesem Kalten Krieg geprägt worden. Seine zunehmende weltweite Popularität als DANGER MAN hatte ihn zu einem großen Aktivposten für Lew Grade gemacht, und so hatte McGoohan eine gewisse Macht gewonnen. Was sollte er damit anfangen? Patrick McGoohan benutzte die Welt der Geheimdienste, einer zwischen Kommunismus und Kapitalismus gespaltenen Menschheit, um seine eigene Sicht einer ganzen Welt zu beschreiben. Er machte eine Allegorie der Gesellschaft aus der Spionagewelt des Kalten Krieges.

Der größte Effekt des Kalten Krieges war die zunehmende Zersplitterung der Welt. Die Politik war gespalten: Leute waren entweder Kommunisten oder Kapitalisten. Ganze Länder wurden von dieser Politik gespalten. Das gehäufte Wissen über den Kalten Krieg übersteigt bei Weitem alles, was ich darüber weiß. Doch diese Tabelle befindet sich auf einer Seite im Internet und will einige Schlüsselunterschiede aufzeigen. Es handelt sich genau um dieselben Probleme, mit denen THE PRISONER ringt. Doch anstatt eine "Partisanenshow" abzuziehen, begann McGoohan zu verwischen, welche Seite welche war… und stellte in Frage, ob einige dieser Attribute vielleicht beiden Seiten zugeschrieben werden konnten? War es wirklich so einfach, wie zum Beispiel diese Tabelle glauben machen wollte?

Quelle: www.historylearningsite.co.uk/coldwar.htm

Das Thema "Zwillinge" oder "Identität" ist Teil vieler Episodenskripte. Auf Taiwan, einer kleinen Insel, behauptete das Volk, daß es China sei – die bevölkerungsreichste Nation der Welt. Im Jahr 1966 anerkannten die USA Taiwan immer noch als die einzige rechtmäßige Regierung in ganz China. Korea war durch den grausamen Krieg Mitte der Fünfziger in zwei Hälften getrennt worden. In den Sechziger Jahren wurde Vietnam auf die gleiche brutale Art behandelt. Die Länder wurden zu "Zwillingen" – ein kommunistisches und ein kapitalistisches. All diese Muster waren am Ende des 2. Weltkrieges in Gang gesetzt worden, und natürlich war das Volk, das das "schizoidste" war (und das Land, das als erstes verzwillingt wurde) – Deutschland, das durch die ideologischen Folgerungen aus dem 2. Weltkrieg buchstäblich entzweit wurde. Ein kleines Stück des Landes insbesondere wurde zur Essenz dieses seltsamen Ringens um Vorherrschaft: Berlin.

Ehedem Hauptstadt, war es nun zur vielleicht seltsamsten Stadt der Welt geworden. Die kapitalistische "Insel" Westberlin lag sogar mitten im kommunistischen Ostdeutschland, der DDR. Westberlin war zur Insel geworden … ein isoliertes "Village" – es war umständlich, hineinzukommen, und manchmal unmöglich, daraus zu entkommen.

Berlin war viele Jahre lang in vier Zonen aufgeteilt, und die Leute, die im "Village" des Westteils lebten, sahen sich eigenmächtigen, fremden Autoritäten unterworfen. Im Jahr 1948 wurden alle Wege nach Westberlin abgeriegelt. 1961 geschah das Allermerkwürdigste – Berlin selbst wurde eine komplett "verzwillingte" Stadt. In Ostberlin konnte man eine Landkarte

Quelle: http://njasson.free.fr/Welcome_to_nowhere/Welcome_to_nowhere.html

kaufen, aber egal, wie groß diese Karte war, die man in Ostberlin kaufte – sie zeigte nicht mehr Details von Westberlin, als man auf der kleineren Version der Karte sehen konnte… nämlich totale Leere. Es existierten größere Karten von Westberlin, die man in Ostberlin kaufen konnte, aber scheinbar bestand die einzige Information, die sie dem Käufer geben sollten, daraus, Angst zu haben. Große Angst …

Quelle: http://www.flickr.com/photos/sludgeulper/3888082520/

Das wirkliche Leben in Berlin könnte als ebenso surreal wie das in jeglichem imaginärem "Village" betrachtet werden. Wenn man von der sonnigen Straße in die U-Bahn hinabstieg, begegnete man dem Phänomen der Geisterbahnhöfe: "... Es gab drei U-Bahnlinien, die hauptsächlich in Westberlin verkehrten, aber im Stadtzentrum durch einen relativ kleinen Abschnitt Ostberliner Gebiet fuhren. Die Züge hielten nicht auf diesen Bahnhöfen, aber sie mußten aus technischen Gründen deutlich langsamer fahren, während sie die Bahnhöfe passierten. Der Name Geisterbahnhof wurde den dämmrig beleuchteten, schwer bewaffneten Bahnhöfen von den Westberlinern verständlicherweise bald verliehen, die sie vor den Fenstern des Zugs vorbeiziehen sahen. Doch war dieser Begriff nie ein offizieller; die zeitgenössischen Westberliner Verkehrsnetzkarten bezeichneten die Bahnhöfe einfach als 'Bahnhöfe, auf denen die Züge nicht halten'. In Ostberliner Verkehrsnetzkarten wurden westliche Linien oder Geisterbahnhöfe überhaupt nicht abgebildet." (Quelle: http://www.spiritus-temporis.com/ghost-station/)

KARTOGRAPHIE & SURREALISMUS - mehr...

Westberlin wurde für seine Bewohner zu so etwas wie einem "Samtgefängnis". Ihnen wurde gesagt, sie seien freie Menschen, aber wie weit konnten sie in irgendeine Richtung laufen? Weniger als 30 Kilometer. Von den Berlinern im Ostteil wurde gesagt, sie seien nicht frei, aber sie konnten aus der Stadt heraus und Hunderte von Kilometern in jede Richtung laufen. Es gab keine Mauern, die sie drinnen festhielten. Westberlin lag inmitten der DDR, und in diesem Sinne waren es die Westberliner, die die "Gefangenen" in einem luxuriösen Gefängnis waren. (Westberlin bezog ordentlich Subventionen von der Regierung der Bundesrepublik in Bonn.)

Andere Westdeutsche betrachteten die Westberliner mit Argwohn, und eine Art "Village-Paranoia" entwickelte sich: "[Frage] ... Gab es ein Gefühl von Verletzlichkeit bei den Leuten, die in Berlin lebten, als es so weiterging? [Antwort] … Ich glaube, wir haben uns schnell daran gewöhnt, wir Westberliner. Was mir auffiel, wenn ich mit Westdeutschen redete – sie waren paranoid, wissen Sie, sie dachten, daß jeder in Berlin ein Spion wäre. Ich erinnere mich, wie ich einmal ins Theater ging und neben einem Studenten saß, der aus Stuttgart kam, und wir hatten ein ganz nettes Gespräch über das Stück, und auf einmal sagte er zu mir: 'Ich darf nicht mit Ihren reden – Sie könnten ja ein Ost-Spion sein!' Und ich starrte ihn einfach nur an und dachte: 'Sie haben überhaupt keine Ahnung.' Und da war immer dieser Unterschied zwischen 'ihnen' und 'uns'." (Quelle: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/coldwar/interviews/episode-9/hosseni3.html)

Die Deutsche Demokratische Republik begann eine Welt manipulierter Wahlen und Slogans zu repräsentieren:

Geschichten von der wahren Natur der DDR fanden irgendwie immer Einzug in die Presse des Westens, wie TIME im Jahr 1961 anmerkte:
"Unter einem neuen 'Gesetz' wurden Hunderte von Ostdeutschen aufgegriffen und 'neu angesiedelt' in kleinen isolierten Städten im Landesinneren – zum Zwecke der ‚Arbeitserziehung’. Grund dafür: sie wurden verdächtigt, Pläne für eine Flucht nach Westdeutschland zu hegen oder andere dazu zu ermutigen. Uniformierte Gruppen der 'Freien Deutschen Jugend' wurden losgeschickt, um jede ostdeutsche Fernseh- und Radioantenne zu überprüfen und diejenigen zu entfernen, die in Richtung westdeutscher oder westberliner Sender zeigten. ‚Jeder, der westdeutsches Radio hört oder Fernsehen sieht, ist ein Verräter!’ plärrte ein Leitartikel in der Leipziger Sächsischen Zeitung."

"Vorige Woche gab die Regierung zum Aufruf zu höherer Produktion einen neuen Slogan aus: 'Mehr Produktion in der gleichen Zeit für das gleiche Geld.'"

Beim Abendessen in einem Privathaushalt sprach die Ehefrau über einen Brief, den sie am Morgen von der Partei bekommen hatte – eine Einladung zu einem Vortrag über Weltpolitik. Sollte sie hingehen? Die Debatte zog sich über die gesamte Essenszeit hin. "Wenn du nicht hingehst, haben wir morgen früh einen Beamten hier, der fragt, warum. Und wir werden Schwierigkeiten haben", entschied der Ehemann. (Quelle: http://www.time.com/time/printout/0,8816,938743,00.html)

Das Paradox "Berlin" beschäftigte die Gehirne der gesamten Welt, besonders im Jahr 1963, als Präsident Kennedy inmitten dieses "Villages" im Zentrum der DDR stand und die Worte aussprach, die zu jener Zeit die Imagination der gesamten Welt gefangennahmen:

"Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin. Und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: 'Ich bin ein Berliner'."

Fünf Monate später wurde John Kennedy ermordet, und die Einstellung der westlichen Welt fing an, sich zu verändern. Verschwörungstheorien und Zweifel begannen bei den Hinterbliebenen zu eskalieren. Wem konnte man vertrauen? Wie konnte man wissen, wem man trauen konnte? Auf wessen Seite waren "sie" wirklich? Und wer waren"sie" überhaupt? Hat Patrick McGoohan also eine Allegorie über Berlin erschaffen? Vielleicht nicht wirklich; aber er hat eine Fernsehserie erschaffen über die Welt, wie er sie damals sah, die Welt, deren Entstehung er befürchtete. Es waren Menschen, die dieses Berlin erschaffen hatten, genau wie es Menschen waren, die sein Großbritannien erschaffen hatten, und Menschen, die die Kubakrise verantwortet hatten, und Menschen, die Kennedy ermordet hatten.

"Das ist der Grund, warum ich THE PRISONER erschuf … eine Allegorie … eine Fabel… Einen Protest gegen Reglementierung und den Verlust der Individualität. Wir dürfen nicht zu Marionetten werden."

Patrick McGoohan bewies eine gewisse Geringschätzung für Parteipolitik in seinem ersten Soloskript für THE PRISONER ("Freie Wahl"). Interessanterweise war diese Folge eine von vieren, die im Jahr 1969 in Westberlin nicht gezeigt wurden. Es scheint offensichtlich, daß das, was Patrick McGoohan aus dem seltsamen Schlamassel, in dem sich Berlin befand, herauszog, nicht das "große P" von Staatspolitik war, sondern das "kleine P" von "persönlicher Politik" der Menschen, die inmitten dieses Schlamassels lebten. Ging es in THE PRISONER also um Berlin? Offensichtlich nicht, sonst hätte er es gesagt. Schrieb Äsop in seinen Fabeln über echte Hasen und Schildkröten? Offensichtlich

nicht. Wie Äsop hat auch Patrick McGoohan die Art, in der Menschen sich im Lauf der Geschichte verhielten, zur Allegorie gemacht – durch eine Fabel, eine Geschichte aus dem Kalten Krieg. Die Ideen von britischen Ferienlagern in Wales, Commando-Trainingscamps in Schottland oder Agentenstädten in Ostdeutschland oder Rußland verblassen ins Bedeutungslose im Vergleich mit dem Dilemma, in dem sich jedermann in Berlin befand. Niemand im Großbritannien oder Amerika des Jahres 1960 konnte diese Parallelen übersehen. Der Reduktionismus der Fans, die sich diesen und jenen Bezug herauspicken und behaupten, daß die winzigsten schwammigen Details die wahre Bedeutung der Serie irgendwie klarer machen – oder erklären –, führt zur Negierung und Mißachtung der größeren, übergreifenden Geschichte, die McGoohan mit seiner Story erzählen wollte. Es

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war eine Geschichte, die nur er von Anfang an durchschaute, und bis zum Ende war es eine Geschichte, der nur er zu folgen wußte. Es war eine Geschichte, in der es allein um die schlauesten Details und subtilsten Nuancen von Doppeldeutigkeit ging – aber zugleich ebenfalls um das epische Ausmaß menschlicher Torheit. Es ging darum, wie hilflos das Individuum in den Klauen dieser Torheit ist. Schließlich und endlich – wenn schon der beinahe-Übermensch Nummer Sechs sich nicht befreien konnte, wie sollte irgendeiner von uns sich vermessen, das zu erhoffen? Seine Schlauheit bestand indessen darin, uns die Story auf eine Art zu erzählen, daß wir als Individuen ermutigt werden zu glauben, daß wenn nur jedes Individuum sich um sich selbst kümmert, es vielleicht möglich ist, wenn wir niemals aufgeben, niemals nachgeben, wenn wir uns selbst ins Auge blicken und, statt über unsere Machtlosigkeit im Angesicht der Autoritäten zu verzweifeln, stattdessen die Wahl treffen, uns ihnen niemals zu unterwerfen… dann sind wir vielleicht wirklich frei.

Es war das Berlin der 1960er Jahre, das ihm diese epische Vorlage für seine Allegorie der menschlichen Gesellschaft lieferte. Er lebte lange genug, um das Berlin des Jahres 1990 zu sehen, das den Beweis für seinen vorbehaltlosen Glauben in den menschlichen Geist und Optimismus liefern sollte. Sie kamen zusammen. Sie entkamen. Sie feierten. Aber, wie viele Deutsche seither feststellen mußten – der Kampf war vorbei, aber der Kampf der Wiedervereinigung sollte erst beginnen. Wie McGoohans Prisoner waren die Berliner entkommen, aber ihre Geschichte war noch nicht zu Ende…

Was jedoch Mut macht: Patrick McGoohan hat ganz an den Schluß seiner Fernsehserie ein letztes, bleibendes Bild gesetzt, das jeden von uns daran erinnern sollte: ganz egal, wie endlos die Kämpfe manchmal scheinen mögen: Es ist immer das Individuum, das im Fahrersitz sitzt!

Ich bin keine Nummer, ich bin ein freier Mensch!
Ich bin ein Berliner!

Wir sehen uns!

© 2010 Moor Larkin

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"Moor Larkin" ist ein pseudonym, der name der von Patrick McGoohan gespielten figur in dem film ZARAK. Wiedergabe des textes mit freundlicher genehmigung.

 


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