THE TALLY HO READ ALL ABOUT IT!
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BLICK NUMMER 6 - PRISONER CONVENTION
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NUMMER 6 - NICHT DER GEFANGENE
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Nummer 6

 

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PATRICK McGOOHAN:
DAS TROYER-INTERVIEW

Das interview wurde von fernsehmoderator Warner Troyer im März 1977 geführt. Bei TV-Ontario, dem öffentlichen kanadischen fernsehen, lief die serie zwischen Oktober 1976 und Februar 1977 mit kommentaren von Warner Troyer. Da Patrick McGoohan interviews immer mehr gemieden hat, ist diese offene und eingehende diskussion wirklich eine rarität.

   

Troyer: Ich sollte ihnen sagen, dass ihr und mein gast Patrick McGoohan ist. Mr. McGoohan, seinen freunden auch vertraulich als Nummer Sechs bekannt, war die kreative kraft hinter, der ausführende produzent von und in einigen fällen der drehbuchautor einer serie mit dem titel NUMMER 6, die schon einige male im fernsehen gelaufen ist, nicht zuletzt auch auf diesem sender.

AUS DEM ENGLISCHEN VON ARNO BAUMGÄRTEL

Mr. McGoohan ist von Los Angeles hierher gekommen, um sie zu treffen und mit ihnen und mir zu sprechen. Und um eine gruppe NUMMER 6- ahem, club groupies zu treffen, einige sind vom Seneca College, wo es ein seminar über die serie gab,

einige von OECA und ein paar weitere personen. Wir werden also über NUMMER 6 sprechen, und ich glaube, die offensichtliche erste frage lautet: Woher zum teufel kam die idee dazu? Wie haben sie damit angefangen?

PATRICK McGOOHAN IM GESPRÄCH MIT MIKE TOMKIES
PATRICK McGOOHAN IM INTERVIEW MIT BILL KING
SIMON BATES, BBC-INTERVIEW MIT PATRICK McGOOHAN
CHRIS RODLEY: INTERVIEW MIT GEORGE MARKSTEIN

MEHR: DAS L.A. TAPE

Interviews mit Patrick McGoohan sind nicht so selten, wie man aufgrund des öffentlichkeitsscheuen verhaltens des hauptdarstellers, produzenten und regisseurs von NUMMER 6 geneigt ist zu glauben. Eine (mutmaßlich) vollständige sammlung findet man hier.

McGoohan:
Langeweile, so hat es angefangen.

Troyer: Nur das? Vom fernsehen? Von der gesellschaft, oder von ihnen selbst?

McGoohan:
Anfangs vom fernsehen. Ich habe eine serie mit dem titel "SECRET AGENT" gemacht. Hieß sie hier so oder "DANGER MAN"? Es gab zwei titel.

Troyer: "DANGER MAN."

McGoohan:
"Ich hatte 54 mal DANGER MAN gemacht, und ich dachte, das wäre eine angemessene zahl. Ich ging also zu dem gentleman, Lew Grade, dem finanzier, und sagte ihm, dass ich mit SECRET AGENT aufhören und etwas anderes machen wollte. Das mochte er aber nicht. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn ich ewig damit weiter gemacht hätte. Ich sagte ihm aber, ich würde aufhören. Also fragte er: 'Was ist der plan?' Das war anfangs nur am telefon. Also traf ich ihn am samstagmorgen um 7 uhr. Das war immer die zeit für unsere unterhaltungen. Und er fragte: 'Was ist der plan?' Von der PRISONER-sache hatte ich schon einen entwurf vorbereitet. Ich war ursprünglich darauf gekommen, als wir für SECRET-AGENT-aufnahmen in einen ort namens Portmeirion gegangen waren. Für mich war das ein außergewöhnlicher ort, architektonisch und atmosphärisch, den man ruhig für etwas benutzen sollte. Das war zwei jahre, bevor ich das konzept entwickelte. Ich bereitete es vor und ging zu Lew Grade. Ich hatte bilder vom ort und einen entwurf dabei, aber er sagte nur: 'Ich will den enwurf nicht lesen'. Er meinte, er lese nie entwürfe, er könne nicht lesen, nur abrechnungen. Und dann: 'Also, um was geht es, erzähl's mir.' Ich erzählte ungefähr zehn minuten lang, dann stoppte er mich und sagte: 'Ich verstehe kein wort von dem, was du da sagst, aber wie viel soll es kosten?' Komischerweise hatte ich schon eine finanzierung dabei. Ich sagte es ihm und er: 'Wann kannst du anfangen?' Ich sagte am Montag, mit den skripts. Er sagt: 'Das geld ist am montagmorgen auf dem konto deiner firma.' Das war es auch. Und so fingen wir an. Dahinter stand natürlich eine gewisse ungeduld mit der numerologie der gesellschaft, und wie wie uns in ziffern verwandeln lassen, es war also noch etwas anderes dahinter."

Troyer: Hatte das etwas persönliches im sinne ihrer reaktion auf die gesellschaft oder war es mehr eine beobachtung? Fühlen sie...

McGoohan:
Ich glaube, unsere entwicklung geht zu schnell voran. Ich denke, wir sollten zurückfahren und die dinge, die wir entdeckt haben, sich setzen lassen.

Troyer: Sie wollten ursprünglich keine 17 folgen machen?

McGoohan:
Nein, sieben, als miniserie, keine serie. Ich dachte, das konzept würde nur für sieben reichen. Aber dann wollte Lew Grade an CBS verkaufen, glaube ich, lief zuerst in den USA, und er sagte, er könne das geschäft nicht machen, wenn er nicht mehr hätte. Und er wollte 26, und ich konnte mir keine 26 stories vorstellen, das wäre zu dünn. Aber wir haben es zusammen mit meinen autoren hinbekommen und uns über's wochenende zehn weitere entwürfe ausgedacht. Letztlich waren es 17, aber es sollten sieben sein.

Troyer: Aber sie haben zehn in zwei tagen gemacht? Zehn entwürfe?

McGoohan:
Über ein wochenende, ja. Entwürfe, ich meine so... sieben, acht seiten umfang. (Troyer kichert.)

Troyer: Wie haben sie das konzept den autoren beschrieben oder erklärt, als sie sich das erste mal zusammengesetzt haben? Was haben sie denen gesagt?

McGoohan:
Es war sehr schwierig, weil sie selber gefangene ihrer konditionierung waren, sie waren es gewohnt für THE SAINT ("Simon Templar"; Ü.) zu schreiben, für SECRET AGENT, und es war sehr schwer zu erklären. Wir haben auch ein paar unterwegs verloren. Ich hatte ungefähr 40 seiten geschrieben, eine art geschichte des Ortes, die telefone, die man dort hat, die kanalisation, das essen, personen- und warenverkehr, die grenzen, eine beschreibung des Ortes, jeder aspekt; sie erhielten kopien davon, und dann haben wir darüber gesprochen, sie weggeschickt und gehofft, sie würden mit brauchbaren ideen zurückkommen.

Troyer: Was ist mit der philosophie, der existenzgrundlage des Ortes? Was haben sie ihnen dazu gesagt? Die raison d'être, nicht seine mechanismen...

McGoohan:
(mit bedacht) Es war ein ort, wo man versucht, das individuum auf jede nur mögliche art und weise zu zerstören; seinen mut zu brechen, sodass er akzeptiert, dass er Nummer Sechs ist und fortan glücklich als Nummer Sechs lebt. Und das ist der eine rebell, den sie nicht brechen können.

Troyer: Was sollte am ende herauskommen beim brechen des indivduellen willens?

McGoohan:
Am ende?

Troyer: Für den Ort, warum das ganze, der zweck?

McGoohan:
Ich glaube, es passiert jeden tag um uns herum. Ich musste mich anmelden, um in diesen kasten* reinzukommen!

Troyer: Hat sie auch verärgert? (kichert; *Anm.: McGoohan benutzt den begriff "joint" = "ort", "vergnügungsstätte")

McGoohan:
Leicht, ja. Zugangsberechtigungen und, wissen sie, lassen sie uns in den keller gehen und das alles. Was mich angeht, hat das mit NUMMER 6 zu tun. Und das macht mich wahnsinnig. Und rebellisch! Genau das hat Nummer Sechs getan, dagegen hat er gekämpft!

Troyer: Aber im alltäglichen leben, haben sie da den willen und die kraft, gegen jede form von herabsetzender behandlung anzugehen?

McGoohan:
Kann man nicht, andernfalls wird man verrückt! Man muss damit leben. Das macht uns zu gefangenen! Zum totalen rebell werden können sie nicht. Sonst müssen sie auf einer einsamen insel leben. So einfach ist das.

Troyer: Wie viel psychischen verschleiß gibt es, verstandesmäßige abnutzungserscheinung, wenn man nicht rebelliert? Wie viel gibt man weg oder verliert man? Wie hoch ist der preis dafür, nicht jedes mal zu rebellieren, sich nicht jedes mal zu beschweren?

McGoohan:
Magengeschwüre, magengeschwüre.

Troyer: Haben sie magengeschwüre?

McGoohan:
Ein paar.

Troyer: Schlimm?

McGoohan:
Nicht so ganz. Werden nur schlimmer. (lacht)

Troyer: Wie viele drehbücher haben sie geschrieben? Es gibt zwei mit ihrem namen.

McGoohan:
Ja, auf zwei, und dann habe ich noch ein paar unter anderem namen geschrieben: Archibald Schwartz war einer, Paddy Fitz der andere.

Troyer: Also, wie viele insgesamt?

McGoohan:
Fünf, denke ich.

Troyer: Welche? Das letzte...

McGoohan:
Das erste habe ich neu geschrieben. Es war... nicht so, wie ich es wollte. Und das letzte ist auch von mir. Das vorletzte ist von mir. "Free For All" war eins, und noch eins, an das ich mich spontan nicht erinnern kann. Ist lange her.

Troyer: Was sagen sie zu dem, was um die serie herum gewachsen ist, und was man angemessen nur als "kult" bezeichnen kann, eine art mystik, hier und auch in Europa?

McGoohan:
Das erfreut mich sehr. Denn als die serie zum ersten mal in England herauskam, gab es viele, die sie hassten. Eine liebe/hass-beziehung, wie man das auch immer sehen mag. Ein kleines bisschen kult gab es schon, und jetzt eben noch stärker. Weil jeder wissen will, wer Nummer Eins war. Denn man dachte, es gäbe so einen James-Bond-typ von Nummer Eins. Als man es gesehen hatte, gab es beinahe einen aufstand, und man wollte mich lynchen. Ich musste mich zwei wochen in den bergen verstecken, bis die dinge sich beruhigt hatten. Wirklich wahr!

Troyer: Die waren aufgebracht?

McGoohan:
Oh ja! Gingen in den straßen rum, es war gefährlich!

Troyer: Wieso? Warum waren sie aufgebracht?

McGoohan:
Weil sie sich betrogen fühlten, wissen sie, weil es keine Nummer Eins vom typ James Bond war.

Troyer: Sie selbst waren es.

McGoohan:
Ja, richtig, wir kommen später darauf, denke ich. (Wissendes lachen von Troyer) Wir kommen darauf zurück, es ist sehr wichtig.

Troyer: Wissen sie, was für mich wirklich interessant ist, dass ein reihe meiner freunde und kollegen, die die ganze serie gesehen haben, mir nach der letzten folge erzählt haben, sie würden sich ärgern, weil sie nicht erfahren hätten, wer Nummer Eins war. Das ging so schnell, dass sie die wahrnehmung ablehnen.

McGoohan:
Das war absicht, ich habe vergessen, wie viele Einzelbilder; vielleicht 52 oder so von der aufnahme, wo dem affen die maske abgerissen wird. Und Nummer Eins ist ein affe, und dann ist er er selbst. Das war absicht. Ich meine, man hätte es auch gute zwei minuten halten können, mit einem untertitel dabei, wissen sie, auf dem steht "Er ist es". (Alle lachen.) Aber ich wollte mich dieser niedrigen mentalität nicht anbiedern, die nicht verstanden hat, was ich versucht habe zu sagen. Also musste ich etwas schnell machen, um das aufzugreifen, das ist alles.

Troyer: Was sagen sie zu all den analysen, der philosophiererei und der kritik an der serie? Man hat versucht, derart viel daraus zu machen, so viele bedeutungsebenen zu finden und sie in sehr viele richtungen zu zerlegen.

McGoohan:
Das erstaunt mich! Zum beispiel diese schöne präsentaton hier, die sie für unsere guten freunde vorbereitet haben, gibt vielen der geschichten eine tiefere bedeutung, als ich jemals dachte.

Troyer: (kichernd) Oder eine pompösere?

McGoohan:
(automatisch) Ja. (Troyer kichert wieder.) Nein! Oh nein, überhaupt nicht. Nein, nein. Es ist wirklich hervorragend, ich bin sehr zufrieden.

Troyer: Ein paar fragen... hier drüben...

Junge frau: Was sagen sie zu der reaktion auf die serie NUMMER 6, als sie das erste mal in Großbritannien lief?

McGoohan:
Erfreut. Ich wollte kontroversen, argumente, kämpfe, diskussionen, und leute, die mir verärgert zuerst zuwinken: "Wie konnten sie nur? Warum machen sie keinen SECRET AGENT mehr, den haben wir noch verstanden?" Diese reaktionen haben mich gefreut, ich glaube, das ist gut. Das war der sinn der übung.

Troyer: Haben sie von politikern, bürokraten oder leuten in verbänden, die alle kennen und hassen, irgendeine form von reaktion bekommen?

McGoohan:
Nicht genug. Die sind allem aus dem weg gegangen, denke ich. Aber damals waren sie es natürlich, die es nicht verstanden haben.

Troyer: Uh-hu. Gab es etwas, das ihnen mehr spaß gemacht hat als das andere? Hat es ihnen gefallen, in einem western zu spielen? ...für ein paar szenen einen westernhelden?

McGoohan:
Ich weiß ja nicht, was ihr lieben leute euch da zurecht gelegt habt, aber der grund dafür, das sage ich euch, war, dass ich einen western machen wollte. Habe ich noch nie gemacht. Und es ist noch nie einer in England gemacht worden, und wir brauchten eine story. (Alle lachen.) Die haben wir dann zusammengerührt, in vier tagen geschrieben und gefilmt, wissen sie...

Troyer: Sie war harmlos...

McGoohan:
Es hat hat spaß gemacht, ja, spaß. Und was immer ihr da rein legt, das ist der grund. Dann wurden die figuren und all das aufgestellt und noch ein paar andere konzepte mit anderen ebenen dazu gepackt, soziologische ebenen, aus denen man sich rausnehmen kann, was man will.

Troyer: Kann man ein vernünftiges kreatives unternehmen angehen, eins erschaffen, egal in welchem medium, ohne dass es gleichzeitig verschiedene ebenen hat? Wie viel daran ist bewusst oder unbewusst?

McGoohan:
Das ist sehr..., ah, viel daran war bewusst, in meinem fall. Natürlich, andere dinge geschehen einfach. Zum beispiel, was so zufällig war, die sache mit dem ballon, was eine ganze menge ausgemacht hat...

Troyer: "Rover."

McGoohan:
"Rover", ja. Nun, warum das passiert ist, es ist wieder wie bei dem western. Das..., ah... Wir hatten diese fantastische maschine machen lassen, die "Rover" sein sollte, das ding war wie ein luftkissenboot, konnte tauchen, sich auf dem strand bewegen, an wänden hochklettern; alles konnte es tun. So war unser original-Rover. Dummerweise, am ersten drehtag, war es noch nicht so perfekt wie gedacht, die ingenieure, mechaniker und wissenschaftler waren nicht fertig geworden. (Troyer kichert.) Und am ersten drehtag sollte "Rover" vom strand ins wasser gehen, ein paar mal signalisieren und die räder drehen und wieder zurückkommen. Aber es ging ab ins wasser und (gelächter überall) blieb unten, für immer. Dann mussten wir drehen. Und "Rover" war an diesem tag in jeder szene. Also hatten wir keinen "Rover", und es sah auch nicht danach aus, als sollte er überhaupt nochmal wiedererweckt werden. Da stehen wir nun. Mein produktionsmanager, Bernard Williams, (ein wunderbarer kerl) steht neben mir und sagt: "Was machen wir?" Er ging so hin, sah in den himmel, und da war dieser ballon. Er sagt: "Was ist das?" Und ich: "Ein meteorologischer ballon." Er guckte mich an. Und ich sagte: "Wie viele kannst du innerhalb von zwei stunden beschaffen?" Tja. Und er sagt: "Werde ich sehen." Er ging weg und rief die wetterstation in der nähe an. Ich machte einige andere aufnahmen, um die zeit zu überbrücken, während er fort war. Dann kam er zurück und hatte hunderte davon mitgebracht. Er hatte einen krankenwagen genommen, um schnell hin und zurück zu kommen, denn zur nächst größeren stadt war recht weit. Er kam zurück mit ihnen, den verrückten ballons, in allen größen, so entstand "Rover."
Wir haben sie dann mit etwas wasser gefüllt, einige mit sauerstoff, andere mit helium, je nachdem, was wir damit tun wollten. Schließlich konnten wir alles damit machen: hinlegen lassen, männchen machen, alles (gelächter) ... wirklich. Wir haben etwa 6000 davon gebraucht.

Troyer: Tatsächlich?

McGoohan:
Oh ja. Sie sind äußerst zerbrechlich, gehen schnell kaputt.

Troyer: Sie haben also einige szenen verloren, als Sie in dem boot gedreht haben...

McGoohan:
Wir hatten immer welche in reserve dabei, die ganze zeit, ja.

Junger mann: Was mich interessiert hat, war der stil, in dem das alles gehalten ist, die kleinigkeiten, hunderte kleiner tupfer. Nach allem, was sie bisher gesagt haben, waren das alles zufälle, der weiße ballon, wie sie auf den Ort gekommen sind...

McGoohan:
Oh ja...

Junger mann: Und dabei hatten sie unglaubliches glück.

McGoohan:
Ja, aber, sie... Nein, nein, nein, nein... Vergessen sie nicht, gerade am anfang gab es die seiten, auf denen das ganze konzept ausgebreitet war. Das war kein zufall.

Junger mann: Nein, aber die kleinigkeiten...

McGoohan:
Das ergibt sich sowieso.

Junger mann: Aber so etwas habe ich in anderen serien noch nicht so oft gesehen.

McGoohan:
Sehen sie, das kommt, weil man danach sucht. Ich hatte zum glück zwei oder drei kreative leute, die mit mir gearbeitet haben, wie mein freund, der, wie gesagt, den wetterballon gesehen hat. Wo immer wir diese kleinigkeiten gefunden haben, haben wir sie mit reingenommen. Aber das design diese NUMMER-6-dings, das war ganz klar von beginn an fest gelegt.

Junger mann: Und der stil der umsetzung...

McGoohan:
Der stil war auch klar definiert, das design der ausstattung, das war alles von anfang an klar fest gelegt. Da gab es keine zufälle, wissen sie, die blazer, die nummern und all die sachen, das verrückte kleine fahrrad und all das.

Troyer: Was glauben sie, hatte die serie eine anziehungskraft, so etwas wie einen nischeneffekt, hauptsächlich auf leute in den oberen 20 prozent des intelligenzquotienten oder so?

McGoohan:
Hauptsächlich intelligente leute... solche wie wir hier haben?

Troyer: Ja, das meinte ich.

McGoohan:
Sehen sie, eins der frustrierenden dinge, wenn man unterhaltung macht, ist, dass man versucht, es allen recht zu machen. Das ist fatal, meine ich. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Es wird zu einem großen teil gemacht, wissen sie. Wir haben unsere horrorfilme, und wir haben unsere science-fiction-sachen. Die besten werke sind die, die sagen... jemand sagt: "Wir wollen etwas genau so machen", und es dann tun, nicht weil sie auf ein bestimmtes publikum abzielen. Sie machen es, weil sie glauben, dass die story interessiert und sie das eben so tun wollen. Sie tun es, und für denjenigen, wer auch immer es sich ansieht, ist es ein privileg. Ich meine, wissen sie, das gemälde in der kunstgalerie. Sie haben die wahl, sich dieses anzusehen oder jenes oder ein anderes. Oder sie gehen gar nicht dorthin.

Zweiter junger mann: Da kommt eine analogie heraus aus der literatur mit epischer lyrik oder ein kunstepos. Und NUMMER 6 scheint alle qualitäten eines epos' zu haben, einschließlich der struktur, bei der sie schließlich gelandet sind: Es fing an mit sieben teilen und endete mit 17.

McGoohan:
Ja.

Zweiter junger mann: Ein paar besondere epische dramen dieser art oder wenigsten in dieser richtung gab es schon... Ich habe eine frage, ausgehend von einer beobachtung in einem dieser dramen, Spencers "Faerie Queene", wo es einen zwerg gibt, der begleiter Unas und des Rotkreuzritters, kam die idee für Angelo Muscat (der stumme Butler in NUMMER 6; Ü.) daher?

McGoohan:
Oh, das weiß ich nicht. Woher war das?

Zweiter junger mann: Gibt es ein literarisches bild...?

McGoohan:
Nein, daran habe ich sicher nicht gedacht. Zu Angelo hat es alle möglichen interpretationen gegeben. Er ist ein sehr angenehmer mensch..., sehr, sehr angenehm. Es ist so etwas wie..., es sollte etwas düsteres an ihm sein. Ich meine, letzten endes sollte immer die möglichkeit bestehen, dass er doch Nummer Eins ist. Sehen sie, ich weiß nicht, ob jemand..., nehmen sie das überhaupt auf? Ich weiß nicht, aber..., weil er so ein treuer freund war und immer an der seite von Nummer Sechs, daher... sollte es zumindest die möglichkeit geben, dass er einer der bösen wäre, und besonders in der letzten episode, wenn er... - er ist derjenige, der mit Nummer Sechs geht, und beide gehen in... Vielleicht steht er über Nummer Eins, irgendwo... Wissen sie, man hat solche... stars, superstars, und wie nennt man sie als nächstes? Kometen? Also, vielleicht ist er so etwas, der kleine Angelo. Es sollte etwas düsteres an ihm bleiben.

Zweiter junger mann: Es war nur neugier, weil es so viele bilder aller figuren aus der serie gibt, die... literarische querverbindungen haben, ob nun absichtlich oder nicht (McGoohan: Ja.)... das spielt nicht wirklich eine rolle, oder? Vielleicht gibt es ein element...

McGoohan:
Nein, glaube ich nicht, das es eine rolle spielt.

Zweiter junger mann: Nein, spielt überhaupt keine rolle.

McGoohan:
Ich denke nicht, dass bei so einer... ich..., ich benutze das wort "surrealistisch", einer sache immer alle losen enden zusammengeführt werden müssen. Ich meine, dass man..., dass für die zuschauer möglichkeiten bestehen, sich ihre eigenen gedanken darüber zu machen.

Dritter junger mann: Mr. McGoohan, meine frage hat mit religion zu tun.

McGoohan:
Ja.

Dritter junger mann: Ich habe ein bisschen über sie gelesen und denke, sie sind ein sehr religöser mensch. Meine frage bezieht sich auf "Demaskierung" (die letzte episode; Ü.). Nach meiner interpretation haben viele dinge darin... damit zu tun. Ich denke speziell an die kreuzigung der beiden rebellen, wenn man ihre arme auseinander zieht, Nummer Sechs' versuchung durch den Präsidenten, die versuchung Christi...

McGoohan:
Er bekommt einen thron.

Dritter junger mann: "Dry Bones" (der gospelsong der Four Lads aus dem soundtrack; Ü.), all das. Zuerst, würden sie mir zustimmen, dass das absicht war? Dass es...

McGoohan:
Ah, antwort: nein. Ich hatte nie irgendwelche religösen eingebungen, was das betrifft. Ich wollte es dramatisch umsetzen. Natürlich, die versuchung mit dem thron und das ganze zeug, ah... das ist die zeit Luzifers. Aber in dem augenblick habe ich nicht daran gedacht. Vielleicht war irgendwo in meinem kopf die sache mit dem "Und-der-hüftknochen-kommt-wieder-zum-schenkelknochen". Mir erschien der song passend für die situation und traf genau auf den jungen mann zu (gemeint: Nummer 48; Ü.). Denn, wie man ja weiß, im jugendlichen alter ist es leicht, vom weg abzukommen, und er war vom weg abgekommen, und versucht, die dinge wieder zusammen zu bekommen.

Dritter junger mann: Wenn ich von religion spreche, meine ich eine moralische einstellung zum leben.

McGoohan:
Ich würde sagen, das ist nötig, ja.

Dritter junger mann: Okay, ist es dann richtig zu sagen, dass Nummer Sechs darauf abzielt? Ist das die quelle seines widerstands? Steht er morgens so auf und verbringt einen neuen tag im Ort?

McGoohan:
Eine sehr gute bemerkung. Und ich glaube, das ist vermutlich richtig, ja... eine moralische kraft, die einem sagt: "Ich habe einen eigenen verstand, eine eigene seele, und das ist nicht alles nur mir, es hängt mit einer größeren kraft jenseits von vor zusammen." Er ist wahrscheinlich nicht jeden morgen so aufgestanden und hat alles dermaßen analysiert, aber ich glaube, diese kraft steckt in ihm und in jedem, der in der lage ist, individuell zu kämpfen.

Dritter junger mann: Würden sie sagen, dass es so etwas bei den ortsbewohnern nicht gibt? Sind die seelenlos?

McGoohan:
Ah, die mehrheit ist durch etwas wie eine gehirnwäsche gegangen. Man hat ihnen die seelen rausgewaschen. Sie haben zu viele werbespots gesehen.

Troyer: Ich war immer der meinung, dass fernsehwerbung dem verstand gut tut, weil sie uns skeptisch macht, und dass man gerade das schon sehr früh lernen sollte.

McGoohan:
Nun, es werden nicht genug leute skeptisch dadurch, denn wenn es so wäre, würden die skeptisch gemachten nicht den ganzen mist kaufen, für den geworben wird. Dann wären sie raus aus dem geschäft.

Vierter junger mann: In einer szene von ihnen mit Leo McKern sagt er: "Ich bringe sie um." Und sie sagen: "Ich sterbe." Und er: "Sie sind tot." Ist das eine redewendung oder ist etwas darunterliegend passiert?

McGoohan:
Sie sprechen jetzt über "Pas de deux"?

Vierter junger mann: Ja, "Pas de deux".

McGoohan:
Nun, die episode war sehr interessant... (war wahrscheinlich früher meine lieblingsepisode, Warner. Wahrscheinlich war sie das.) Sie war eine von denen, die innerhalb von 36 stunden geschrieben wurden. Und Leo McKern, ein sehr guter freund von mir und ein ausgezeichneter schauspieler, meine ich, kam sehr kurzfristig dazu. Es war im grunde ein zwei-personen-stück. Die sache mit der gehirnwäsche, er hat versucht, mich einer gehirnwäsche zu unterziehen, und am ende dreht Nummer Sechs den spieß um. Und auch die dialoge waren ganz eigenartig, denn sie bestanden hauptsächlich aus "Sechs, Sechs, Sechs", fünf seiten davon auf einmal. Leo ging um die mittagszeit in seine garderobe und ich, um mir die abzüge anzusehen. Ich wusste auch, dass er müde war. Ich ging zum ihm in die garderobe, um ihm zu sagen, wie gut er meiner ansicht nach auf den abzügen gewesen war. Er lag zusammengekrümmt in fötaler haltung auf seiner couch und sagt: "Verschwinde! Verschwinde, bastard! Ich will dich nicht wiedersehen." Ich sagte: "Worüber sprichst du?" Und er: Ich habe gerade zwei ärzte bestellt, sie kommen, sobald sie können." Und weiter: "Verschwinde." Und er hat es getan. Er hatte zwei ärzte gerufen, sie kamen an dem nachmittag, und er hat drei tage nicht gearbeitet, war verschwunden. Übergeschnappt, das war sehr interessant. Er war wirklich übergeschnappt. Darum musste ich häufig ein double benutzen, den hinterkopf von einem typen. Schließlich kam er zurück, und wir konnten die szenen fertig machen. Und er war auch in der letzten episode, er hat mir alles verziehen, aber er war überdreht, sehr interessant, dachte ich...

Troyer: So viel, wie er in der letzten episode überschnappte.

McGoohan:
Genau so, ganz genau so.

Troyer: Die intensität darin hat mich immer verwundert. Ich weiß, schauspielen ist immer eine intensive erfahrung, aber in diesem zwei-personen-stück, dem direkten gegenüber, gab es so viel dynamik, druck. Es war offensichtlich real.

McGoohan:
Acht tage haben die dreharbeiten gedauert, und die meiste zeit waren wir nah beisammen, von acht uhr morgens bis halb sieben abends mit einer stunde mittagspause. Also das war wirklich ziemlich intensiv. Wie auf der therapeutencouch, so ähnlich.

Troyer: Waren sie ein anderer am ende der serie?

McGoohan:
Müde, das ist alles.

Troyer: Darüber hinaus?

McGoohan:
Nein, nein...

Troyer: Reine psychoanalyse war es nicht?

McGoohan:
Nein, nein, ich lasse nie zu, dass eine rolle, die ich spiele, die übermächtig wird. Wenn das passiert, ist es unsinn, glaube ich. Man sollte in der lage sein, reinzugehen und es zu tun, den text zu lernen und es zu tun. Manche ermüden einen schneller als andere, einige erschöpfen einen gefühlsmäßig mehr als andere. Ich meine, man kann nicht Hamlet spielen, ohne von König Lear ausgezehrt zu werden. Aber zu sagen, dass man den ganzen tag als Lear oder Hamlet lebt, bevor man am nächsten abend wieder raus auf die bühne geht, ich denke, das ist lächerlich.

Troyer: Was halten sie davon, wie manche schauspieler und leute in anderen kreativen bereichen meinen, dass wir alle nur eine begrenzte menge energie in uns haben, und jedes mal, wenn man davon etwas hervorbringt, bleibt für das nächste mal weniger übrig, oder gar bis zum ende der straße.

McGoohan:
Ich glaube, das gegenteil stimmt. Wenn man sich leute wie Arthur Rubinstein ansieht, leute mit ungeheurem talent, und das sind junge leute. Die sind jung mit 75, jung, mit 80 jung! Tatsächlich vergrößert sich ihre vitalität, ihre energie. Das passiert einfach, ich meine die kraft. Es gibt mehr adrenalin. Nur die körpermaschine, die teile und ersatzteile verschleißen mit der zeit ein bisschen... Ich glaube, das wird mehr, und ich kenne eine menge alter leute, die jung, jung sind.

Troyer: Also ist die kreativität wie ein muskel, je mehr er trainiert wird, umso stärker wird er.

McGoohan:
Denke ich auch, ja. Es ist nur verschleiß, das ist alles.

Fünfter junger mann: Mr. McGoohan, sie haben mit NUMMER 6 in einer zeit angefangen, in der man an geheimagenten gewöhnt war. Das nächste jahrzehnt haben sie genau vorausgesehen, ich denke, auch Watergate, der feind im inneren im gegensatz zum äußeren feind. Vielleicht können sie eine antwort geben, wenn sie die serie noch einmal machen würden, und aus dem alter heraus auf die 80er jahre blicken würden, in dem sinne, dass sie den wirklichen feind sehen, nicht den aus einem roman, sondern den, der uns wirklich belästigt. Wenn sie also jetzt in die 80er schauen würden, was würden sie sehen?

McGoohan:
Ich meine, der fortschritt ist der größte feind auf der Erde, abgesehen von uns selbst, was zusammengeht, ein pärchen aus uns selbst und dem fortschritt. Meiner meinung nach müssen wir über kurz sehr auf diesen planeten aufpassen. Es werden größere und bessere bomben gebaut, schnellere flugzeuge und das ganze zeug, ich hasse es, so etwas sagen zu müssen, noch nie ist auf der Erde ein waffe entwickelt und nicht benutzt worden, und diese sache wird benutzt, wenn nicht... Keine Ahnung, wie wir das stoppen können, noch ist es nicht zu spät.

Fünfter junger mann: Halten sie eine starke öffentliche reaktion gegen den "fortschritt" in der zukunft für möglich?

McGoohan:
Nein, denn wir werden vom Pentagon aus regiert, von der Madison Avenue, vom fernsehen, und solange wir das akzeptieren und uns nicht dagegen auflehnen, werden wir wohl mit dem strom schwimmen müssen, letzten endes bis hin zur lawine.

Sechster junger mann: Wir haben die tendenz, die bedrohnung, da den Ort, als etwas äußeres zu betrachten, wie die Madison Avenue, die medien. Wie weit geht unsere verantwortung dafür, dass wir das akzeptieren? Inwieweit sind wir in der "unfreiheit" verwickelt?

McGoohan:
Indem wir die sache kaufen, bis zum äußersten. Solange wir rausgehen und zeug kaufen, sind wir ihnen ausgeliefert, der werbung ausgeliefert. Selbstverständlich gibt es dinge, die wir brauchen, aber eine ganze menge zeug, das wir kaufen, brauchen wir nicht.

Sechster junger mann: War der Ort in ihren augen etwas, das uns äußerlich ist, oder etwas, das wir immer mit uns herumtragen?

McGoohan:
Beides. Der äußere war das symbol, aber ich denke, er steckt in uns allen, oder nicht? Ein surrealistischer aspekt, wir leben alle in einem kleinen Ort.

Troyer: Wirklich?

McGoohan:
Ihr Ort ist wahrscheinlich verschieden von dem anderer leute, aber wir sind alle gefangene.

Troyer: Nun, ich weiß, wer der idiot in mir ist.

McGoohan:
Ja, Nummer Eins - der selbe wie bei mir.

Siebter junger mann: Ist Nummer Eins die dunkle seite der menschlichen natur?

McGoohan:
Der größte feind, den wir haben... In diesem Ort wurde Nummer Eins als böse, herrschende kraft beschrieben. Also, wer ist diese Nummer Eins? Wir sehen immer nur die Nummer Zwei, die kumpel. Und am mächtigsten ist diese unterdrückende böse kraft, meine ich, in uns selbst, dagegen müssen wir ständig angehen. Deswegen habe ich Nummer Eins zum abbild von Nummer Sechs gemacht, seine andere hälfte, sein alter ego.

Troyer: Anfangs, als sie die serie für sich entworfen haben, war ihnen da schon klar, dass Nummer Eins sie selbst bzw. Nummer Sechs sein würde?

McGoohan:
Nein, war es nicht. Eine interessante frage.

Troyer: Wann wurde es ihnen klar?

McGoohan:
Kurz vor der letzten episode, und die hatte ich noch nicht geschrieben. Ich musste mich an diesem furchbaren tag hinsetzen und sie schreiben. Und ich wusste, dass sie nicht wie aus James Bond sein würde. Irgendwo in meinem kopf gab es die parallele zwischen der figur Nummer Sechs und Nummer Eins und dem rest. Und ich wusste ich es nicht genau, bis ich zu einem drittel durch das skript war, das letzte skript.

Troyer: Was war mit ihren mitarbeitern, den anderen autoren, waren die überrascht?

McGoohan:
Jou.

Troyer: Waren die verärgert?

McGoohan:
Nein.

Troyer: Haben die entschieden, es sei unsauber?

McGoohan:
Nein, sehen sie, die kamen ab und zu vorbei, fragten "Wer ist Nummer Eins?". Und ich habe ihnen gesagt: "Das ist geheim", bis ich es dann letztlich wirklich geschrieben habe - es war tatsächlich so; sie wussten nichts, bis ich ihnen das skript gab.

Troyer: Aber enttäuscht waren sie dadurch...?

McGoohan:
Nein, es gefiel ihnen. Sie sagten, sie hätten immer gewusst, dass er es sein würde.

Troyer: (lacht) Nachdem sie es ihnen gesagt hatten.

McGoohan:
Nur wenige haben das gesagt. Keiner wusste es wirklich, nein.

Troyer: Warum diese zweifache maske? Warum das affengesicht?

McGoohan:
Oh, mein lieber. Tja, nun, man sagt, daher stammen wir ab, wissen sie. Es ist die gleiche geschichte wie mit dem Pennyfarthing-fahrradsymbol. Fortschritt. Ich glaube nicht, dass wir viele fortschritte gemacht haben. Aber die sache mit dem affen geht auf heute noch umlaufende verschiedene theorien zurück, dass wir alle von einem uraffen abstammen, also habe ich das als symbol verwendet. Die bestie und dann dahinter das andere gesicht einer bestie, lachend, höhnisch und plappernd wie ein affe.

Achter junger mann: Mr. McGoohan, in der letzten episode "Demaskierung" sieht man Nummer Sechs. Und zum ersten mal lächelt, lacht er, tanzt er, und später die letzte szene ist genau die selbe wie die erste, wo er mit dem gewohnten ernsten blick davonfährt. Meine frage, hat sich Nummer Sechs zwischen der ersten und der letzten episode überhaupt verändert?

McGoohan:
Ah, nein, ich glaube, er ist im grunde der selbe. Ich denke, er ist leicht amüsiert darüber, dass er aus dem mythischen ort raus ist, und ihm war nach herumhüpfen und tanzen zumute, ein bisschen singen, wissen sie, er fühlte sich glücklich, dass er nach hause konnte mit seinem kleinen kumpel, dem Butler. Und wir haben ihn nie gezeigt, wenn die tür aufging. Man hat nur die offene tür gesehen, wenn er reinging. Also weiß man auch nicht, ob es mit seiner heiterkeit vorbei war, als er diese düstere tür gesehen hat, die dort zurückblieb wie eine unvollendete sinfonie.

Neunter junger mann: Überlegt Nummer Sechs sich in "Demaskierung" wirklich, die führung des Ortes zu übernehmen?

McGoohan:
Nein, tut er nicht. Er will nur raus, und er wendet mittel an, die er vorher nicht benutzt hat, gewalt, was traurig ist. Aber er tut es. Auf diese weise kommt er hinaus, und dann geht er natürlich zu seinem kleinen appartment zurück, mit seinem kleinen diener, und die tür geht von selbst auf, als er ins auto steigt. Da weiß man, dass alles von neuem beginnt, weil wir alle weiterhin gefangene sind.

Neunter junger mann: Das führt mich zu meiner letzten frage, was würde Nummer Sechs vermutlich tun mit seiner neu gefundenen freiheit?

McGoohan:
Die hat er nicht. Das ist der punkt. Als die tür selbständig aufgeht und niemand dahinter ist, ganz genau so wie alle türen im Ort sich öffnen, weiß man, dass da drin jemand wartet, um alles von vorne anfangen zu lassen. Er hat keine freiheit. Freiheit ist ein mythos. Einen endgültigen schluss gibt es dazu nicht. Ah, und ich hatte sehr viel glück, dass ich so etwas gewagtes ohne abschluss machen konnte. Denn die leute wollen das wort "ENDE" haben. Die zwei schlusswörter dafür hätten "DER ANFANG" sein sollen.

Troyer: Es ist wahrscheinlich eine banale frage, aber wenn sie einen satz oder eine überschrift im kopf eines jeden zurück lassen könnten, der die serie NUMMER 6 gesehen hat, die ganze serie, etwas, was man, nachdem es vorbei ist, eine zeit lang mit sich herumtragen könnte, was wäre das?

McGoohan:
Wir sehen uns.

Troyer: Nur das? ... rätselhaft bis zum ende.

McGoohan:
Wir sehen uns. Das bedeutet eine ganze menge.

Troyer: Das ist wahr.

McGoohan:
Wir sehen uns, ja.

Interviews mit Patrick McGoohan sind nicht so selten, wie man aufgrund des öffentlichkeitsscheuen verhaltens des hauptdarstellers, produzenten und regisseurs von NUMMER 6 geneigt ist zu glauben. Eine (mutmaßlich) vollständige sammlung findet man hier.

PATRICK McGOOHAN IM GESPRÄCH MIT MIKE TOMKIES
PATRICK McGOOHAN IM INTERVIEW MIT BILL KING
SIMON BATES, BBC-INTERVIEW MIT PATRICK McGOOHAN
CHRIS RODLEY: INTERVIEW MIT GEORGE MARKSTEIN
MEHR: DAS L.A. TAPE

Im internet kursieren kopien des kompletten gesprächs wie auch ausschnitte daraus.


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