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"'WER IST NUMMER
SECHS?'
DAS IST KEIN
GEHEIMNIS"

GEORGE MARKSTEIN IM
INTERVIEW MIT CHRIS RODLEY

George Markstein schrieb mystery-romane, arbeitete als drehbuchautor für fernsehen und radio, und bei DANGER MAN (deutsch: GEHEIMAUFTRAG
FÜR JOHN DRAKE) war er script editor gewesen. Für die produktion von NUMMER 6

   

entwarf und beschrieb er die allgemeinen grundlagen der serie. Er schrieb das drehbuch für "Die Ankunft", und bei den ersten 12 episoden war er script editor. Die bekannte antwort auf eine quizfrage: Markstein hatte in den meisten der frühen folgen einen auftritt als kahlköpfiger mit brille, der von McGoohans figur die kündigungspapiere erhält.

Im folgenden nun die niederschrift eines interviews, das Markstein für die dokumentation "Six Into One: The PRISONER File" gegeben hat. In der dokumentation ist es nur zum kleinen teil enthalten. In Rodleys film werden viele an der produktion von NUMMER 6 beteiligte personen interviewt, doch die passagen mit Markstein sind vielleicht die erhellendsten und am meisten kontroversen. Die dokumentation wurde 1984 bei Channel Four unmittelbar nach "Demaskierung" gezeigt. Vermutlich ist dies das einzige ausführliche interview von Markstein über NUMMER 6. Er verstarb bereits kurze zeit danach. Markig ist seine wortwahl. Und er macht aus seiner abneigung gegenüber Patrick McGoohan

AUS DEM ENGLISCHEN VON ARNO BAUMGÄRTEL

keinen hehl. Vielen PRISONER-fans werden seine ansichten über den fortgang der serie nicht gefallen. Allerdings ist es schwierig, mit einem der urheber von NUMMER 6 zu streiten.

Auch Patrick McGoohan wurde für die sendung interviewt. Seine haltung indes lautete: "Wenn Markstein dabei ist, bin ich raus!" Ein hinweis darauf, dass die beiden nicht als freunde auseinandergingen. Man brachte McGoohan schließlich dazu, seine interviewteile separat zu filmen, die dann eingefügt wurden. Aber er zog seine einwilligung kurz vor der ausstrahlung zurück. Produzent Chris Rodley war jedoch mutig genug und sendete sie schließlich doch.

THIS PAGE IN ENGLISH

McGoohan hatte den rohschnitt gesehen. Ihm gefiel das ganze überhaupt nicht, und stattdessen drehte er seine eigene pseudo-dokumentation, die darin bestand, dass er eine stunde lang in die kamera blickend selbst gestellte fragen über NUMMER 6, seine philosophie und das leben im allgemeinen beantwortete. Dieses filmmaterial wurde mit handlungsszenen zusammengeschnitten, die am strand in der nähe seines hauses entstanden waren. Das ergebnis ist das berüchtigte zehnminütige "LA Tape", das so heißt, weil Rodley es viel zu spät für seine dokumentation bekommen hatte. Stattdessen fügte er am ende einen hinweis darauf ein, etwa: "das band aus LA haben wir erst heute morgen erhalten." Larry Hall (SIX OF ONE)

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ROGER LANGLEY ÜBER DAS LA TAPE

Frage: Wie sind sie mit Patrick McGoohan zusammen- und zu DANGER MAN gekommen?

GM: Nun, die brauchten einen story editor bei DANGER MAN und haben mich gefragt. So habe ich McGoohan getroffen.

Frage: Wie war DANGER MAN, als sie dazukamen?

GM: Eine erfolgreiche serie, aber man wollte besser werden und größer. Und man wollte in farbe drehen. Ich habe die ersten beiden farbepisoden geschaffen.

Frage: DANGER MAN sollte also fortgesetzt werden. Wie erklären sie sich, was dann damit passierte?

GM: Nun, McGoohan hörte auf. Er hatte genug davon. Alle dachten, die serie würde weitergehen. Sie war erfolgreich und jetzt auch in farbe. Sie lief in den USA. Aber der druck war gewaltig. Eine kehrtwendung bei einer serie geht nur mit unglaublich viel stress für einen schauspieler. Ich kann gut verstehen, dass er genug hatte - und aufgab.

ALS GOTT WAR ER ZIEMLICH GUT

Frage: Was für diskussionen gab es um die mögliche nächste serie... NUMMER 6, oder wie auch immer sie zu dem zeitpunkt geheißen hätte?

GM: Also, ich glaube, McGoohan war nicht besonders scharf darauf, eine andere serie zu machen. Ich glaube, was er wirklich machen wollte, war "Brand" zu spielen. Ein paar jahre vorher, am theater, war er sehr erfolgreich mit Ibsens "Brand" gewesen. Und Brand verkörpert meiner meinung nach alles, was McGoohan gern gewesen wäre: Gott! Als Gott war er ziemlich gut, also wollte er wieder Brand spielen. Er war darauf aus, aus "Brand" einen film zu machen, das wollte er, glaube ich, in wirklichkeit tun. Aber im studio gab es eine menge leute, die ihre jobs behalten wollten! Die hofften, dass er wieder eine serie machen würde, also habe ich mich eines tages an meine schreibmaschine gesetzt - sie wissen: im sturm ist jeder hafen ein guter hafen - und ein paar seiten geschrieben. Es ging um einen geheimagenten - John Drake von DANGER MAN war ja einer -, der seinen dienst plötzlich und ohne offensichtlichen grund quittiert, so wie McGoohan ohne begründung aufgehört hatte, und der entführt wird.

Ich hatte ein paar nachforschungen über die "Special Operations Executive" angestellt und war dabei auf eine einrichtung gestoßen, die es während des krieges in Schottland gegeben hatte. Dorthin hatte man aufmüpfige agenten geschafft - und wer konnte aufmüpfiger sein als McGoohan! Ich hielt das für eine prima idee, mit der man etwas anfangen konnte. Mir war nur unklar, wie ich sie nennen sollte, also gab ich ihr den namen THE PRISONER. Ganz einfach! Der mann war ja ein gefangener, also sollte man ihn auch so nennen.

Und McGoohan ist darauf angesprungen. Er war neugierig auf den historischen aspekt oder, sollte man sagen: den faktenanteil an der sache. Zum beispiel, könnte ein geheimagent verschwinden...? Sie wissen schon, in unserer gesellschaft, wie könnte jemand verschwinden und irgendwohin geschafft werden? Ich habe also mit sogenannten "D"-ordern um mich geworfen, wie behörden den medien beibringen können, bestimmte dinge nicht zu veröffentlichen. So etwas kommt heutzutage wirklich vor. Er war äußerst interessiert, er hatte von "D"-ordern noch nie gehört, und so war er überzeugt, dass diese fantasy-horrorgeschichte doch - wie es ja auch tatsächlich ist - auf fakten beruht.

Frage: Wie haben sie die story in der ersten folge angelegt?

GM: Na ja, die erste folge heißt "Die Ankunft", und das ist schon alles - sein eintreffen im Ort [anm: the Village]. Man sieht den gefangenen, also den geheimagenten, wie er seinen job niederlegt. Er übergibt mir seine kündigung, was schon sehr passend ist, wo ja ich der bösewicht hinter allem bin... Dann sehen wir, wie er gekidnappt wird und im Ort wieder zu sich kommt, wie man dort lebt... Rover, alles, was man liebt oder hasst, wie auch immer.

SCRIPT EDITOR - STORY EDITOR

Frage: Können sie ein bisschen über ihre arbeit als script editor sagen - der unterschied zwischen dem "script editing" und dem "script writing"?

GM: Im grunde war ich kein "script editor", sondern "story editor", vielleicht ist das pedantisch, aber es ist wichtig. "Script editor" ist jemand, der manuskripte überarbeitet. Ein "story editor" schreibt und denkt sich geschichten aus. Der story editor ist eine schlüsselfigur bei jeder serie, in seinen händen liegt der ethos, der geist jeder serie. Er muss die drehbuchautoren auswählen, ganz so wie ein regisseur die schauspieler und die stars. Er muss den autoren den sinn der serie erklären und sicherstellen, dass sie, hoffentlich, auch die verlangten manuskripte abliefern. Er hat die oberaufsicht. Bei einer serie ist er auf seiten des drehbuchs, was der star - so wie McGoohan - auf seiten der schauspieler ist.

Frage: Was haben sie den autoren mit auf den weg gegeben, was an informationen?

GM: Es geht nicht nur um informationen. Es geht darum, dass man sich zusammensetzt und bespricht. Man muss den autor erstmal kennen lernen, sehen, wie er drauf ist und ihm helfen, auf die eigene wellenlänge zu kommen. Dann ideen zu sammeln, den autor anleiten, ihm zuhören, hören, was er davon hält. Es geht um partnerschaft.

Frage: Hat denn jemals ein autor gefragt, was es mit dingen auf sich hat, die in keiner episode richtig geklärt werden, wie etwa: 'Wer war Nummer Sechs?', 'Wer beherrscht den Ort?' Wollten die wirklich solche auflösungen?

GM: Also, 'Wer ist Nummer Sechs?', das ist kein geheimnis - der geheimagent mit namen John Drake, der seinen dienst quittiert. Es gab fragen, wer Nummer Eins sein könnte, natürlich. Ich habe gesagt, Nummer Eins ist der oberschurke. Und das ist absolut wahr.

Frage: Was haben sie von den ersten manuskripten, die eintrafen, gehalten?

GM: Aufregende sache. Man ist natürlich in spannender erwartung, man bekommt alpträume und meint, das klappt nie. Dann wieder ist man voller euphorie beim gedanken, dass es doch klappen wird. Und schließlich sind sie da. Meiner meinung nach waren sie ziemlich gut. Die autoren hatten ihre sache gut gemacht, sie hatten talent und haben einen prima job gemacht! Schauen sie, im unterschied zu leuten, die es wahrscheinlich nicht so gut verstanden hatten, war für mich immer klar, dass die serie funktionieren würde... Ich spreche jetzt nicht darüber, was später passiert ist. Aber mir war immer klar, dass die serie vom grundsatz her funktionieren würde, und die drehbücher haben es gezeigt - das heißt, die ersten davon. Ich spreche nicht über den dreck, der später kam!

Frage: War es bei ihrer arbeit irgendwann erforderlich, manuskripte neu zu schreiben, mit den autoren zusammen, oder wurden sie alleine...?

GM: Nein, kein drehbuch ist jemals komplett neu geschrieben worden. Aber es gab bearbeitungen, ungefähr so wie beim filmschnitt. Alles zeigen kann man nicht.

Frage: Wie wichtig sind ihrer meinung nach die drehbücher für den erfolg einer serie?

SERIE IST TEAMARBEIT

GM: Als autor denke ich, dass - natürlich - die drehbücher bei jeder serie das wichtigste sind. Und wahrscheinlich werden die meisten aus dem geschäft dem zustimmen, dass das drehbuch der schlüssel ist. Ohne gutes drehbuch bekommen sie probleme. Aber natürlich ist der schauspieler wichtig, der regisseur ist sehr wichtig - jeder trägt dazu bei. Eine serie ist teamarbeit. Wie beim hausbau... die innenausstattung ist sehr wichtig, die teppiche, die vorhänge, die möbel. Aber wenn der architekt schlecht gearbeitet hat und alles kracht zusammen, dann haben sie ein problem! Dasselbe gilt für das drehbuch. Das drehbuch ist die grundlage für jedes drama.

Frage: Welche idee hatten sie zum fortgang der serie über die erste staffel hinaus, und was halten sie davon, wie NUMMER 6 sich entwickelte?

GM: Nun, das hat mit der philosophie hinter NUMMER 6 zu tun - und nichts mit einem verrückten pantomimen! Es ging um eine sehr ernsthafte philosophische sache, obwohl ich aus NUMMER 6 nicht mehr machen will, als es war, eben ein stück fernsehunterhaltung. Wenn es aber eine tiefere bedeutung gibt, dann die, dass wir alle gefangene sind. Sehen sie, ein dünner mensch ist ein gefangener, weil er dünn ist. Ein fetter mensch kann nicht losziehen und sich die kleidung eines dünnen kaufen. Wer sehr berühmt ist, kann nicht einfach in einen pub gehen und was trinken, jeder würde ihn erkennen. Die königin, wenn sie wollte, kann nicht ins kaufhaus zum einkaufen gehen. In diesem sinne ist sie eine gefangene. Die menschen sind gefangene ihrer gesundheit, ihrer religion, ihres reichtums, ihrer armut. Das zu untersuchen ist ein interessantes thema. Der Gefangene sollte den Ort verlassen und überall auf der welt etwas erleben, aber er würde immer ein gefangener bleiben. Ich meine damit nicht, dass er immer in den Ort zurückkehren würde. Er wäre ein gefangener seiner umstände, seiner situation, seines geheimnisses, seines hintergrunds... Und es würde immer jemand geben, der darauf achtet, dass die gefangenschaft andauert.

Frage: Ihrer ansicht nach, es hätte weitergehen können, vorausgesetzt, die leute hätten zugeschaut?

GM: Ich glaube, es hätte weitergehen können. Gott sei dank dauert keine serie ewig. Die vorstellung von 89 episoden ist abschreckend! 17 sind, glaube ich, mehr als genug. Besser wäre gewesen, wenn es nicht mal 17 gewesen wären, weniger. Aber ja, es hätte weitergehen können.

Frage: Wann haben sie den entschluss gefasst, die produktion, wie sie war, zu verlassen?

ALS ALLES McGOOHAN WAR

GM: Als die egomanie die macht übernommen hat! Als alles McGoohan war, wissen sie! Als McGoohan ans schreiben ging, konzepte entwickelte, regie führte... und selber nicht wusste, wohin er unterwegs war. Meine anwesenheit war entbehrlich - nach meinem abschied haben wir das ergebnis erlebt.

Frage: Was war ihre meinung über die auflösung oder auch nicht-auflösung in der letzten episode?

GM: Sie sagen es: nicht-auflösung. Eine absurde pantomime war das. Sagen sie mir, was es bedeuten soll. Ich denke, es handelt sich um eine riesen selbstverliebtheit von jemand, der von der ganzen sache genug hatte und nur raus wollte, mit einem glühenden abgang... wie auch immer.

Frage: Hat sie das ende überrascht?

GM: Ja. Ich dachte, es würde etwas besseres dabei herauskommen. Wenn man eine sache entwickelt hat, will man auch, dass sie nicht ohne grund stirbt, und nicht wie in so einem schrecklichen witz!

Frage: Was halten sie davon, dass man die serie später an universitäten diskutiert hat?

GM: Hmm, ja. Erstaunlich und lächerlich. Und ein trauriger kommentar über unsere zeit, meiner meinung nach. Eine fernsehserie ist von ein paar leuten zum kult überhöht worden. Sehr pathetisch. Ich meine, man freut sich, dass es den leuten gefällt, dass es sie unterhält. Es ist auch sehr befriedigend, dass man etwas entworfen hat, das einen solchen eindruck hinterlassen hat. Ich bin ganz bescheiden und freue mich darüber. Wenn ich jedoch von einer gottverlassenen universität in Kanada höre, dass dort seminare über die bedeutung von NUMMER 6 veranstaltet werden [anm.: gemeint ist das "Seneca College of Applied Arts and Technology" in Toronto] und leute über sinn und zweck predigen...

Es ist eine bizarre und ungewöhnliche fernsehserie. Nicht mehr, nicht weniger. Einiges daran ist gut. EIniges daran ist lächerlich. Es ist unterhaltung! Der PRISONER-"kult" ist aber, ganz ehrlich, ein schrecklicher fall von 'des kaisers neue kleider'. Wenn es den menschen spaß macht, in ordnung. Aber es sind 'des kaisers neue kleider'. Ich meine, wie entwickeln sich kulte? Das macht einem angst, denke ich, wirklich angst. Darin zeigt sich, wie sehr menschen, die krank vor armut sind, sich an so einer absurdität festhalten müssen.

Ich glaube, NUMMER 6 ist in mancher hinsicht eine tragödie. Denn McGoohan wurde zum gefangenen der serie, und das mitanzusehen, wenn es jemandem passiert, ist nie schön. Die kombination von ambition, frustration, zugleich autor, regisseur, schauspieler - und was noch alles - sein zu wollen. Traurig, sehr traurig. Es ist etwas mit ihm geschehen, was nicht gut war. Und das zeigt sich in der serie. Darum auch war das ende genau so, und deshalb sagen die leute: 'Das ende verstehe ich nicht.' Natürlich verstehen sie es nicht, es gibt kein ende. Ich glaube auch, dass nicht einmal McGoohan selbst es verstanden hat. Und selbst wenn, vielleicht hat er es verstanden, aber das ist die größte tragödie daran, dass McGoohan selbst zum gefangenen wurde.

PATRICk McGOOHAN AM
SET MIT REGISSEUR
DON CHAFFEY

NUMMER 6 unterm strich ist wirklich die arbeit und leidenschaft eines großartigen teams, allesamt leuchttürme. David Tomblin, ich meine, ohne David gäbe es NUMMER 6 nicht. Jack Shampan, der art director - was hat er dazu beigetragen! Er war dem fernsehdesign weit voraus. Und natürlich die autoren, ich bin da voreingenommen. Die haben schlüsselrollen gespielt. Leute wie Anthony Skene, Louis Greifer, Gerald Kelsey und andere. Wissen sie, es ist nicht die McGoohan-oper, wirklich nicht.

McGoohan ist ein brillianter schauspieler, war ein brillianter schauspieler, und ohne McGoohan hätte es NUMMER 6 auch nicht gegeben. Aber auch ohne den art director nicht, ohne David Tomblin nicht und ohne die drehbücher nicht. Es ist keine ein-mann-show, und ebenso wenig sollte es ein kult über die tiefere bedeutung unserer zeit sein. Es ist keine soloanstrengung, sondern die eines teams. Ich hatte großes glück, dass ich ein teil davon sein konnte. Und, bei Gott, McGoohan hatte glück, dass er dieses team um sich herum hatte.

Frage: All die wiederholungen im fernsehen, hatten sie das damals im hinterkopf?

EIN ALTER HUT

GM: Ganz sicher nicht. Wenn mir jemand - wann war das, 1966? - erzählt hätte, dass die serie andauernd wiederholt wird, ich hätte ihm nicht geglaubt. Und es ist auch nichts zum jubeln. Es ist traurig, ein sehr trauriger kommentar auf den zustand des fernsehens, dass wir so etwas wiederbeleben müssen. Sicherlich, es ist eine hübsche kuriosität, warum nicht? Ich persönlich habe nicht einen moment lang geglaubt, dass es so langlebig sein würde, aber hier sind wir nun mal. Es hat sich bewahrheitet.

Frage: Wenn sie das so sagen, würden sie sagen, an der serie ist etwas, das fortzudauern scheint, über zahn der zeit hinaus?

GM: Nun, ist das so? Meiner meinung nach ist die serie ein alter hut. Als wir die serie anfangs gemacht haben, waren dinge darin, die ihrer zeit voraus waren. Aber das meiste jetzt? Kameraüberwachung, kreditkarten, gehirnwäsche, das alles ist jetzt furchtbarer alltag. Womöglich ist es schade, wie sich die welt entwickelt hat, aber so ist es nun einmal. Ich glaube nicht, dass NUMMER 6 heute eine besondere botschaft hat. Vielleicht war sie eine intelligente und gelehrte gedankenspielerei darüber, wie die welt sein würde, schließlich gehen wir heute stark in

DAS INTERVIEW DER GEGENSEITE: PATRICK McGOOHAN
IM GESPRÄCH MIT WARNER TROYER
(1977)

richtung Village, oder nicht? Viel mehr menschen sind aus der stanze, haben plastikkarten mit eingestanzten nummern darauf, müssen auf fernsehschirme gucken, um in gebäude zu gelangen. Wenn sie in den USA in einem hotel bar bezahlen, werden sie argwöhnisch angesehen. Wenn sie aber ein stück plastik herstellen, sind sie ein ehrengast. Ich denke, das ist PRISONER-gelände - macht einem ein bisschen angst.

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Die fernsehdokumentation "Six Into One: The PRISONER File" wurde 1984 von Chris Rodley und Laurens Postma für den sender Channel Four hergestellt und wegen McGoohans einspruch nur ein einziges mal öffentlich gezeigt. Videokopien kursieren jedoch schon lange, heute im internet leichter als jemals zuvor verfügbar. Das transkript des Markstein-interviews war ursprünglich auf der website von Larry Hall, gründungsmitglied von SIX OF ONE - The PRISONER Appreciation Society, zu finden, die jedoch inzwischen nicht mehr zugänglich ist.


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