Die heute nicht mehr bestehende Wettergasse war eine schmale Verbindung zwischen der Mäusburg auf der einen und der Marktstraße auf der anderen Seite. Es war keine geradlinige Verbindung, sondern mehr ein von der umliegenden Bebauung gebildeter, erweiterter Hinterhof. Die Gebäudefront des Stadtwerke Kundenzentrums markiert ungefähr den südlichen Rand der Wettergasse.

Abb. links: Hausecke an der Marktstraße; Abb. rechts: Marktstraße unten, Mäusburg oben
Links von der Wettergasse ragte ein Ensemble aus mehreren Fachwerkgebäuden wie ein Keil in den alten Marktplatz, darunter das auf vielen Ansichtskarten abgedruckte Haus Kaminka, früher eine Apotheke. Noch weiter links davon, somit direkt vor dem alten Rathaus, stand das 1900 errichtete Kriegerdenkmal.
Die Mäusburg, die Marktstraße und der links angrenzende Marktplatz wurden im Krieg völlig zerstört. Beim Wiederaufbau nach dem Krieg wurden die Gebäudegrenzen nach hinten versetzt und der Straßenraum verbreitert. Die Wettergasse verschwand. Weil nun buchstäblich die Rahmenbedingungen nicht mehr existieren, erledigen sich Forderungen nach der Rekonstruktion des alten Rathauses sowie anderer Gebäude um den Marktplatz herum von selbst. Anders als die Frankurter neue Altstadt, die auf dem Gelände des ehemaligen Technischen Rathauses, an alter Stelle und mit den Proportionen des historischen Areals entstand, ist die Beengtheit der Gießener Altstadt nicht wieder herstellbar und unwiederbringlich Geschichte.
Das digitale Abbild der Stadt Gießen im Mesh-Format basiert auf Daten der Luftbildbefliegung im März 2020 sowie von 2024. Vermessungsamt Gießen
Fotos: links N.N.; rechts 3D-Mesh
Juni/Dezember 2023, Juli 2026
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