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TEXTE ZUM FILM

 

SCHUSS - GEGENSCHUSS
Regie: Niels Bolbrinker, Thomas Tielsch
Deutschland
1992

In der deutschen Sprache wird
ein Film gedreht, im englischen wird er geschossen. Kleiner etymologischer Exkurs, eine essentielle Wahrheit.

 

Verblüffender und beklemmender Filmessay über die "Logistik der Wahrnehmung" (Paul Virilio), die Konvergenz von Kino und Krieg. Ironie der Geschichte, daß das frühe Filmmaterial aus demselben Grundstoff, Zellulose, bestand wie das Schießpulver ("Schießbaumwolle"). Etienne Jules Marey, einer der Begründer der Serienfotografie, erfand im 19. Jahrhundert die "fotografische Flinte". Und auch sonst durchdringen sich Film- und Kriegstechnik historisch auf vielfache Weise.

Ein ehemaliger Front-Kameramann der Wehrmacht erzählt: "Die Wochenschau hatte das Bild vom Schlachtfeld zu liefern, wie es sich bot. Dieses Bild war aber ein Zeichen des modernen Krieges, ein Bild immer größerer Leere. Während früher richtige Heere leibhaftig gegeneinander gestanden und gekämpft haben, war ja im modernen Krieg fast nichts zu sehen. Die Panzer waren weit entfernt, die Infanterie lag in voller Deckung und schoss, und die Artilleriegeschosse und Gewehrkugeln flogen zu schnell, als dass man sie etwa mit der Zeitlupe hätte aufnehmen können."

Ein anderer: "Das Merkwürdige ist ja, wenn man die Kamera vor dem Auge hat, ist man so auf den Bildausschnitt, den die Kamera liefert, konzentriert, dass man das Drumherum einfach vergisst. Ich glaube, wenn man die Kamera vor Augen hat, schafft man sich immer eine Distanz zu dem Geschehen."

Arno G. Baumgärtel, Filmankündigung, 1992

 

Arno Baumgärtel
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