Kaum ein anderer Ort in Gießen außer dem Marktplatz hat sein Aussehen derart verändert wie der Kreuzplatz im Zentrum der früheren Altstadt, am Schnittpunkt von Seltersweg, Neuenweg (links) und Kaplansgasse (rechts auf der 3D-Ansicht). Nahezu alle Gebäude in diesem Umfeld wurden zerstört. Im Pflaster eingelassene Linien am Anfang des Selterswegs zeichnen die ursprüngliche Bebauung nach. Das aber ist nicht ganz richtig...
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Denn das Haus Seltersweg Nr. 1, das rechte der beiden Häuser auf dem historischen Foto (links), heute die Filiale von TK-Maxx, wurde 1941 für eine Seltersweg-Erweiterung abgerissen. Auf dem Standbild aus einem Amateurfilm ist die Lücke deutlich zu erkennen. Die Außenwand des Nachbarhauses Nr. 3 ist eingerüstet. Manche behaupten, an der Stelle hätte ein Aufmarschplatz für Nazi-Kundgebungen geschaffen werden wollen. Tatsächlich hatte es schon in den 30er Jahren Pläne gegeben, nach denen der Seltersweg in seinem Verlauf begradigt werden sollte, um den motorisierten Verkehr besser zu verkraften. Verkehr, so muss man hinzufügen, der sich erst zu Beginn der 60er Jahre einstellte. Jedenfalls besorgten die Bomben des Zweiten Weltkriegs den Rest.
Seltersweg Nr. 2 an der Ecke Kaplansgasse, heute die Filiale von Deichmann, war der Sitz des alteingesessenen Feinkosthändlers Gustav Geisse. Die Fassade des Vorkriegsgebäudes aus der Gründerzeit muss seinerseits verändert, vielleicht im Stil der 20er Jahre sachlicher gestaltet worden sein. Es wurde von Bomben getroffen, und der Brand konnte nicht gelöscht werden, weil, wie es heißt, im Keller große Mengen an Alkohol lagerten, die das Feuer anfachten. Auch hier am Kreuzplatz wurden beim Wiederaufbau die Gebäudegrenzen nach hinten verlegt, um dem Autoverkehr mehr Platz zu verschaffen.
Das digitale Abbild der Stadt Gießen im Mesh-Format basiert auf Daten der Luftbildbefliegung im März 2020. Vermessungsamt Gießen
Juni 2023 |