Gießener Gesichter Paare Zozelsgasse

Die Zozelsgasse ist wie die Wettergasse , die Kaplanei- oder die Hundsgasse aus Gießen verschwunden. Sie befand sich zwischen der heutigen Wetzstein- und der Dammstaße, die wiederum ein Teil der alten Flügelgasse war. Im Ursprung war das Quartier das Gießener Judenviertel, die jüdische Bevölkerung hatte sich hier, am damaligen Stadtrand, angesiedelt. Diskriminierende Bestimmungen verboten Juden den Handel mit Waren, für die die städtischen Zünfte das Privileg hatten. Aber die räumliche Nähe zum Marktplatz war wichtig.

2024 trifft 1900: Die Zozelsgasse samt Umgebung im Urkatasterplan

Abb. links um 1900: Die ganz alte Zozelsgasse von der Walltorstraße aus betrachtet;
Abb. rechts: der Häuserblock zwischen Flügel- und Zozelsgasse, wohl nach 1928 abgerissen.

Bis zum Bau der großen Synagoge, 1865 in der Südanlage, stand in der Zozelsgasse Gießens erste Synagoge (mehr darüber) , wahrscheinlich wenig mehr als ein Gebetsraum, aber anscheinend auch mit einem Ritualbad. Nach dem Bau der neuen Synagoge wurde das Gebäude privatisiert und mehrfach bis zur Unkenntlichkeit umgebaut. Es hat aber alle geschichtlichen Wirrnisse überstanden, verfällt jedoch mehr und mehr.

Nicht völlig klar ist, wann die Zozelsgasse wirklich untergegangen ist. Vor dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend von Fachwerkbauten, hauptsächlich Lagerhäuser und Scheunen, bestimmt. In Form eines Straßennamens existierte sie noch im Adressbuch 1941, aber mit lediglich einer einzelnen Hausnummer, Nr. 9. De facto waren die restlichen Häuser der alten Zozelsgasse zu diesem Zeitpunkt schon längst abgerissen, die Gasse also physisch nicht mehr existent. Auf dem Foto oben rechts blickt man zur Walltorstraße. Der Gebäudeblock rechts (hinter Walltorstr. 13, abgerissen um 1928) war ein "Teiler" zwischen der Zozelsgasse, einer Sackgasse, und der Flügelgasse, damals eine Verlängerung der Dammstraße zur Walltorstraße. Mit dem Abriss der Häuser zwischen Zozels- und Flügelgasse hörte die Zozelsgasse eigentlich auf zu existieren, und das war wohl in den späten 1920ern, vielleicht auch später.

Ein kleines Stück originaler Zozelsgasse ist auf dem Privatgelände sogar erhalten geblieben. Von der Dammstraße aus kann man das ehemalige Synagogengebäude sehen; im Foto oben etwa in der Bildmitte, mit dem roten Dach.

Das digitale Abbild der Stadt Gießen im Mesh-Format basiert auf Daten der Luftbildbefliegung im März 2020 sowie von 2024. Vermessungsamt Gießen

Fotos: 3D-Mesh; Mitte N.N., unten 3D-Mesh

Juni/Dezember 2023, September 2026

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