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Löwengasse – Gebäude
Straßen- und Häuserplan
Katharinengasse Teufelslustgärtchen Kaplansgasse Bahnhofstraße Seltersweg Wolkengasse  |
| Die alte Löwengasse war ungefähr 145 Meter lang und eine richtige Stadtstraße: keine Bäume, kein Springbrunnen, Gehwege auf beiden Seiten und fast überall gleich breit, im Durchschnitt 7,60 Meter; am Seltersweg gut 8 Meter. An der Bahnhofstraße betrug die Beite etwa 7 Meter und auf Höhe des Teufelslustgärtchens circa 8 Meter. Aufgrund des beim Wiederaufbau stark zurückversetzten Gebäudes Seltersweg 28 sind es dort heute knapp 16 Meter in der Breite. Links und rechts wurde sie gesäumt von eher kleinen, meist historischen Fachwerkgebäuden. Hinzu kamen einige größere, modernere Bauten, Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, so das Eckgebäude Seltersweg 38 (heute Nr. 28), Nr. 3/5, Nr. 9 und besonders Nr. 18 und 20 an der Ecke zur Katharinengasse. Und, die Löwengasse mündete gegenüber der Mühlstraße in die Bahnhofstraße; heute mehr ein Durchlass als eine Straße. |
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Löwengasse 2
ca. 1929
Foto: N.N. (evtl. Ansichtskarte)
Bemerkung: Gaststätte Zum Schoppenschmid; das zweite Haus auf der rechten Seite vom Seltersweg aus. Der Anbau könnte Löwengasse 4 sein, jedoch nicht gesichert. |
Löwengasse 3 bzw. 3/5
1950er
Foto:Karl-Heinz Brunk
Bemerkung: Linke Seite der Löwengasse mit Blick zur Bahnhofstraße, Nachbar von Nr. 9. Nr. 5 stand sehr wahrscheinlich weit zurück versetzt hinter Nr. 9. Die gesamte Zeile wurde für die Trassierung der neuen Katharinengasse abgerissen. |
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Löwengasse 6 + 8
um 1900
Foto: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Blick zum Seltersweg, die Zählung von dort aus. Das Haus rechts neben dem Schuppen ist Nr. 6, der Schuppen selbst evtl. Nr. 8, links Nr. 10. Im Hintergrund die 2015 rekonstruierte Hälfte des Hauses Croon mit Erkerturm an der Ecke Goethestraße |
Löwengasse 10, Ecke Teufelslustgärtchen
1930er
Foto: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Das Schild über dem Inhabernamen verrät es: das Eckhaus zum Teufelslustgärtchen. Die heutigen Gebäudemaße sind nicht mehr die von früher. Der Gebäudekomplex, heute Nr. 6, hat keine Ähnlichkeit mit dem Vorgängerbau. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite residieren heute das Bekleidungshaus Köhler und das Tabakwarengeschäft Moeser. |
Hausnummern in der Löwengasse 1906 – 1954
Destilliert aus den Adressbüchern 1906, 1917, 1920, 1921, 1922, 1925, 1927, 1931, 1937, 1939, 1951, 1954, dem Kriegsschadensplan der Stadt Gießen vom Mai 1947, und einer Skizze des Planungsamts von 1948
Von Gunter Klug
Hausnummer 2: Bis 1944 Wirtshaus „Zum Schoppenschmid“, Hausbesitzer war 1906 die Actien-Brauerei Gießen und zwischen 1917 und 1921 die Union-Brauerei, ab 1922 dann der Wirt Wilhelm Schmid selbst. Das Haus wurde 1944 zerstört. Vor einem Neubau waren 1954 zwei Behelfsläden auf dem Grundstück, eine Gemüsehandlung unter Nr. 2 und eine „Erfrischungshalle“ (auf gut hessisch „Büdche“) unter Nr. 2A.
Hausnummer 3/5: Besitzer 1906 bis 1921 war Christian Reiber aus Frankfurt. Ab dem Adressbuch 1922 dann Wilhelm Moeser. Bis zum Adressbuch 1927 als Doppelhaus gelistet. Das Haus wurde 1931 und später Teil von Haus Seltersweg 38 („Eing. Löwengasse“). Gewerbl. Mieter Philipp Heiß, Herren- u. Damenschneiderei (p). Der in der Löwengasse gelegene Hausteil wurde um 1960 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Hausnummer 5 (1906 bis 1927 mit Zusatz „A“): Es handelte sich sehr wahrscheinlich um ein Hinterhofgebäude mit Zufahrt zwischen Seltersweg 38 und Löwengasse 9. Falls richtig, Anfang 1960er für die Trasse der neuen Katharinengasse abgerissen. Besitzerin war 1906 bis 1917 Hermine Scherff „Bau- und Blankglaserei, Bildereinrahmegeschäft“. 1920 waren dann August Hauck und Carl Marth neue Eigentümer und blieben es bis 1951. Im selben Adressbuch hatte die Glaserei – jetzt als „Glaserei und Schreinerei“ - den neuen Inhaber Heinrich Marx. 1927 wurde die Glaserei zur „Glaserei H. Scherff Nachf. Inh. Heinrich Marx“, und im Adressbuch 1931 zur „Mechanischen Glaserei“. Das Geschäft existierte bis 1954. 1954 ging der Hausbesitz an H. Scherff., Erben.
Hausnummer 6:1906 war der Friseur Heinrich Tichy Besitzer der 6, 1917 bis 1939 gefolgt Elisabeth Tichy, jeweils nicht nicht im Haus wohnend. 1906 hatte der Friseur die Wohnungen offenbar noch an seine Belegschaft vermietet, gleich drei Friseurgehilfen tummelten sich im Haus. Durchgehender Mieter 1917 bis 1939 (1944?) war dann Johann Adler, 1917 städtischer Straßenwärter, 1920 Straßenwart, 1921 Schreiber, ab 1927 Schuhmacher. 1917 bis 1931 war im Parterre der Korbmacher Johann Glöckle mit seinem Geschäft Mieter, 1937 und 1939 stattdessen der Friseur Hugo Möhl. Das Haus wurde 1944 zerstört, in den Nachkriegsadressbüchern 1951 und 1954 war die Hausnummer nicht mehr geführt.
Hausnummer 8 (bis 1927 Nr. 10): In den Adressbüchern 1906 bis 1927 gab es keine Nummer 8, stattdessen wurde das Haus (1906 Besitzer Fritz Rosenbaum, Schreinermeister, 1917 – 1927 Besitzerin Marie Rück) unter Nummer 10 geführt. 1944 zerstört. Im Adressbuch 1951 nicht mehr gelistet. 1954 wurde unter Nummer 8 „Marianne Graf, Laufmasch.-Rep.-Anstalt“ im Adressbuch genannt. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um das von Manfred Aulbach so genannte „Strumpflädchen“ handelte, ein Behelfsbau kurz vor der Ecke zum Teufelslustgärtchen (TLG) und auf etlichen Fotos aus den 1950ern zu sehen. |
Hausnummer 9: Architektonische Ähnlichkeiten mit der ehemalien 3/5. Besitzer 1906 bis 1927 Karl Pfeil, Schreinermeister, 1931 Friedrich und Otto Pfeil, 1937 und 1939 Charlotte Pfeil, Wwe., sowie Pfeil, Erben 1951 und 1954. Es ist unklar, jedoch wahrscheinlich, dass der im Parterre eingetragene Karl Pfeil dort auch eine Schreinerei betrieb. Zum Haus gehörte auch ein Hinterhaus, dessen Hauptmieter, der Maler und Weißbinder Ludwig Schardt, bis 1939 dort gemeldet war (1927 war Schardt im ersten Stock gelistet, für das Hinterhaus gab es unerklärterweise in dieser Adressbuchausgabe keine Einträge). Anfang 1960er Abriss für den Bau der neuen Katharinengasse.
Hausnummer 10 (bis 1927 Nr. 12): In den Adressbüchern 1906 bis 1927 als Nummer 12 geführt. 1906 war als Besitzer Metzgermeister Franz Schmidt II, ab 1917 dann „Karl Amend, Schuhmachermeister, Obst- und Gemüsehandlung“ [sic!]) geführt. 1931 verschwand die Berufsbezeichnung „Schuhmachermeister“, und das Haus war jetzt mit 10 nummeriert. 1944 zerstört. Keine Neubebauung bis mindestens 1954. Eckgrundstück vor der Einmündung TLG.
Hausnummer 11: Besitzer Martin Nagel, Schuhmachermeister (1906), Besitzerin Elisabeth Karpf, Wwe. (1917 - 1927), Gustav Hinne Ehefrau, Neuß a. Rh. (1931), Besitzer Gustav Hinne, Neuß a. Rh. (1937, 1939), Besitzerin Marie Hinne, Buderich b. Düsseldorf (1951), Besitzer Gustav Hinne, Neuß/Rh. (1954). Gewerbe: 1951 Marta Wacker, Gemüsehdlg., 1954 Otto Uhlenhaut, Gemüsehdlg. Meist drei bis sechs Mietparteien, in 1954 sogar acht. Anfang 1960er Abriss für den Bau der neuen Katharinengasse.
Die Nummer 12 war ab 1931 nicht mehr vergeben. Auf dem logischen Platz der Nr. 12 stand das Eckhaus hinter der Einmündung TLG, Adresse Teufelslustgärtchen 28.
Hausnummer 13: 1906 gehörte das Haus der Witwe von Heinrich Moll, die nicht im Haus wohnte. Zwischen 1917 und 1925 gab es dann vier verschiedene Besitzer, von denen die ersten drei nicht im Haus wohnten: 1917 und 1920 der Installateur Georg Appel, 1921 Karl Peppel, 1922 Heinrich Becker, und anschließend Philipp Diehl, Former, bis 1939. Nach dem Krieg war das Haus im Besitz der Stadt Gießen. Gewerbe: Schuhmacherei Hans Michael Mayer (1931), Adolf Stumpf, Maßschumacherei, Reparaturwerkstätte (1937), Georg Schneider, Schuhmacherei (1939), Ludwig Schlund, Schuhmacherei (1951, 1954). Anfang 1960er Abriss für den Bau der neuen Katharinengasse.
Von 1917 bis mindestens 1937 war unter dieser Adresse der Schuhmachermeister Benjamin Torenski (andere Schreibweisen: Toronischi, Torrinski) gemeldet, seit 1927 als Synagogendiener. Im Adressbuch 1939 war der Name nicht mehr verzeichnet – die Synagoge existierte nicht mehr.
WEITER IM TEXT |
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Löwengasse 9, 11 + 13
1950er
Foto: N.N.
Bemerkung: Blick vom Seltersweg Richtung Bahnhofstraße, Nr. 9 links, gegenüber der Einmündung des Teufelslustgärtchens, abgerissen für die Trassierung der neuen Katharinengasse. |
Löwengasse 14
1950er
Foto: N.N.
Bemerkung: Das im Bild vordere Haus, Nachbar von Teufelslustgärtchen 28; im Hintergrund die Johanneskirche |
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Löwengasse 15
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Foto: –
Bemerkung: Keine Abbildung |
Löwengasse 16
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Foto: –
Bemerkung: Keine Abbildung
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Löwengasse 17
ca. 1963
Foto: Amateurfilm
Bemerkung: Die Kriegsruine in der Mitte war bekannt als „Ramona“- oder auch „Romantica“-Bar, direkt gegenüber Löwengasse 20 mit der Bar „Bel Ami“. Diese zwei Etablissements trugen wesentlich zum schlechten Ruf Gießens in der Öffentlichkeit als "Shanghai an der Lahn" bei.
Rechts Nr. 23, nicht mehr vorhanden (links daneben) Nr. 9. Das weiße Gebäude im Hintergrund ist Seltersweg 38, das Bekleidungshaus Köhler.
Wie diesen Flachbau muss es auch anderswo entlang der Straßen des Teufelslustgärtchens mehr Behelfsbauten gegeben haben. Aus dem Stadtentwicklungsplan von 1948 ist das nicht zu ersehen. |
Löwengasse 18
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Foto: –
Bemerkung: Keine Abbildung; auf der Luftaufnahme um 1928 ist Nr. 18 als ein Gebäude von ähnlicher Größe wie sein Nachbar Nr. 20 und vermutlich ähnlich alt zu sehen. Im Krieg anscheinend schwer getroffen, war es evtl. unbewohnbar. |
Hausnummer 14, bis 1927 Nummer 16: Im Adressbuch 1906 war als Besitzer der „Hilfskirchendiener“ Karl Schwan aufgeführt, der allein im Haus wohnte. Vor 1917 ging es in den Besitz seiner Erben über, die das Haus dann an den einzigen Mieter Adam Anrhein verkauften. Im Adressbuch 1925 war das Haus kurzzeitig auf Valentin Dittmar eingetragen, ehe dann 1927 Besitzer und langjähriger einziger Bewohner der Prokurist Georg Sommer wurde. Im Adressbuch 1951 war das Haus als Besitz der Stadt Gießen gelistet und an sechs Haushalte vermietet, 1954 gar an neun verschiedene Mieter. Vermutlich wurde das Haus von der Stadt bereits im Hinblick auf den geplanten Abriß für den Bau der neuen Katharinengasse erworben und bis zum Baubeginn an Flüchtlinge und Wohnungssuchende vermietet, eine Taktik, die bei etlichen Häusern in der Umgebung angewendet wurde.
Hausnummer 15: Besitzer Theodor Vogt, Schmiedemeister (1906 bis 1921), anschließend Theodor Vogt, Erben (1922 – 1939), und zuletzt Elisabeth Wallenfels, Wwe. (1951, 1954). Gewerbe: 1906 bis 1921 Theodor Vogt (p u. I), dann Ludwig (vormals Louis?) Vogt, Schmiedemeister, Huf- und Wagenschmiede (p u. I) (1927 – 1939). Nach dem Krieg nur noch Wohnungen. In der 1948er Planskizze ist die Nummer 15 nicht zu finden, aber im Kriegsschadensplan der Stadt wurde es als unbeschädugt eingezeichnet. Es handelte sich bei der 15 um ein Haus, welches um Hoftiefe zurückgesetzt zwischen Nr. 13 und Nr. 17 stand, traufseitig zur Straße. Kein Foto im Bestand.
Hausnummer 16, bis 1927 Nummer 18: Im Adressbuch 1906 hieß der Besitzer noch Georg Appel, Spenglermeister, 1917 und 1920 dann Heinrich Appel, Spengler und Installateur. Die Appels wohnten nicht im Haus. Nachfolger als Eigentümer wurde 1921 und 1922 der „Althändler“ und Korbmacher Heinrich Schäfer. 1925 erschien der zunächst nicht im Haus wohnende neue Besitzer Valentin Dittmar auf dem Plan, dem auch das seinerzeit als Nr. 20 nummerierte Nachbarhaus gehörte (und kurzzeitig in 1925 auch Nr. 16, später 14). 1927 waren außer dem Besitzer vier Mietparteien eingetragen, 1931 nur noch „Else Dittmar, Lager“ aufgeführt. 1937 befand sich neben dem Dittmarschen Lager auch eine Maßschuhmacherei im Haus. 1939 war die Hausnummer aus dem Adreßbuch getilgt und tauchte auch nach dem Krieg nicht wieder auf. Vermutung: Zwischen 1937 und 1939 abgerissen und nicht mehr neu bebaut. Auf der Planskizze von 1948 fehlt die Nummer auch, es wurde eine leere Fläche eingezeichnet, ebenso wie im Kriegsschadensplan.
Hausnummer 17: Besitzer 1906 bis 1921 Theodor Vogt, Schmiedemeister, ab 1925 Theodor Vogt, Erben (niemand der Famlie Vogt wohnte dort). 1937 und 1939 fehlte Nummer 17 im Adressbuch. Vermutung: Abriss wg. Baufälligkeit. 1951 war unter Nummer 17 die Konditorei Ernst Kilian eingetragen, 1954 die Gaststätte Heinrich Sommerlad. Auf Fotos erkennt man einen Behelfsbau mit Flachdach. Manfred Aulbach verortet an dieser Stelle eine „Würfelbecherkneipe“ namens „Bratwurststüble“ (1950er). In den 60er Jahren Standort der „Ramona-“ bzw. „Romantica-Bar“. Abriss erst Anfang der 70er vor Baubeginn Horten.
Nummer 18, bis 1927 Nummer 20: Besitzer 1906 war Spenglermeister Georg Appel, der hier wie in seinem Haus Nummer 18 (später 16) lediglich als Vermieter auftrat. Besitzer 1917 und 1920 war dann Schreinermeister Fritz Rosenbaum mit „Schreinerei und Sarglager“ im Adressbuch notiert, dem 1906 noch die Löwengasse 8 gehörte, 1921 bis 1925 Adam bzw. Adolf Montag mit einem „Spezial-Tapeten- und Farbenhaus“, 1927 bis 1939 gefolgt vom Kaufmann Valentin Dittmar. 1927 und 1931 firmierten im Haus das „Spezialwollgeschäft Else Dittmar“, 1937 und 1939 eine „Eierverwertungsgenossenschaft“. In den Adressbüchern nach dem Krieg war Nummer 18 nicht mehr eingetragen, es hatte 1944 einen Bombentreffer erlitten und war ausgebrannt. Ein von Manfred Aulbach ca. 1955 aufgenommenes Foto aus dem 3. Stock des Hauses Teufelslustgärtchen 18 in Richtung Bahnhofstraße zeigt im Vordergrund das oberste Geschoss einer Ruine, bei der es sich offenbar um die Löwengasse 18 handelt. In der 1948er Planskizze war das Haus auch noch eingezeichnet, in Manfred Aulbachs Handskizze des Teufelslustgärtchens sind hier „Trümmer“ eingetragen. Der Kriegsschadensplan attestierte dem Haus einen Zerstörungsgrad von „66 – 80%“. Nach „früher - später“-Fotos zu urteilen, wurde die Ruine in der zweiten Hälfte der 1950 abgetragen. |
Hausnummer 19 (Doppelhaushälfte mit 21): Besitzer waren 1906 Heinrich Sommerlad, 1917 dann Heinrich Appel, Spenglermeister und Installateur, nicht im Haus wohnend, 1920 der Kaufmann Louis Althoff, ebenfalls nicht im Haus wohnend, und für die restlichen Adressbücher 1921 bis 1937 Heinrich Schomber, Dachdeckermeister. Nummer 19 war im Adressbuch 1939 nicht mehr eingetragen, 1951 aber auf dem nunmehr sich in städtischem Besitz befindlichen Grundstück „Jos, Minnig, Materiallager“ gelistet, 1954 erneut kein Eintrag mehr vorhanden. Siehe auch Nummer 21.
Hausnummer 20 und 20 H, bis 1927 Nummer 22: Bei der Nummer 20 handelte es sich um das größte und höchste Haus in der Löwengasse, direkt vor der Einmündung der alten Katharinengasse, welches sich in der Umgebung wie ein architektonischer Fremdkörper ausnahm und mit Sicherheit wesentlich später als die Handwerkerhäuser des Viertels erbaut wurde. Besitzer war 1906 bis 1921 der Schmiedemeister Johann Kaspar Heß und von 1922 bis 1937 „Johann Heß, Erben“ (auch Besitzer des „Alten Haus von Rocky Tocky“, TLG 18). Im Parterre gab es die Schankwirtschaft „Zur Reichskrone“ von Johannes Haas (1906 Löb Grünewald), zusätzlich nur 1925 den „Wärme- und Kälteschutz Gießen-Lahn, Oskar Schleypen“, nur 1927 den „Werkladen“ von Christoph Ranft, und ab 1931 bis 1939 auch den Frisiersalon Anton Schäfer. Zwischen 1937 und 1939 ging das Haus in den Besitz von Georg Reinig über, der neue Gastwirt hieß Werner Göbel. 1951 stand ein Gärtner namens Hans Albert Heß als neuer Besitzer im Adressbuch, dem auch ein benachbartes Hinterhaus gehörte, hier erstmals als 20 H gelistet, in welchem die „Chabesofabrik“ residierte (die im Adressbuch 1937 noch dem Haus Teufelslustgärtchen 18 zugeordnet war). Es ist beim Hinterhaus unklar, um welches Gebäude es sich dabei auf dem Plan von 1948 handelte. Im Vorderhaus hatte derweil die Gaststätte (Name nicht mehr überliefert) einen weiteren neuen Pächter namens Otto Schaeffer (möglicherweise verbunden auch mit einer Namensänderung der Wirtschaft). Der Frisiersalon existierte nicht mehr. 1954 war die Chabesofabrik nicht mehr eingetragen, die 20 H (immer noch H. A. Heß) hatte jetzt nur den Elektroinstallateur Vogel als Mieter. 1954 wechselte das Haus erneut den Besitzer und gehörte dann Therese Georg. Vor dem Abriß um 1970 herum hieß die nunmehr berühmt-berüchtigte Gaststätte „Bel Ami“, davor laut Manfred Aulbach zwischenzeitlich „Pils-Klause“.
Nummer 21 (Doppelhaushälfte mit 19): Besitzer der Nr. 21 von 1906 bis 1921 war Schmiedemeister Theodor Vogt. 1922 war als Besitzer kurzzeitig „Aug. Wallenfels“ eingetragen, und ab 1925 „Theodor Vogt, Erben“. Im gesamten Betrachtungszeitraum wohnte niemand namens Vogt im Haus, und auch Aug. Wallenfels war unter der Adresse Löwengasse 21 nicht gemeldet. Möglicherweise wurde zwischen 1922 und 1925 noch das Dachgeschoss ausgebaut, denn 1925 und 1927 gab es erstmals einen Mieter im zweiten Stock. In den Adressbüchern ab 1931 war das Haus nicht mehr eingetragen, vermutlich Leerstand, Baufälligkeit, vermutlich Komplettabriss zwischen 1937 und 1939 (Fotos baufälliges und teilgeräumtes Haus vorhanden).
Nummer 22, bis 1927 Nummer 28: Auf der 1948er Planskizze ist hier ein Karree von vier aneinanderstehenden Häusern eingezeichnet, von denen eins an der Katharinengasse stand, eins das Eckhaus Löwengasse/ Katharinengasse war, und ein drittes nach dem Eckhaus in der Löwengasse zu finden war. Das vierte repräsentierte für alle drei anderen ein Hinterhaus. Auf dieser Planskizze gibt es eine – WEITER IM TEXT |
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Löwengasse 19/21
1930er
Foto: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Ein Doppelhaus, wie es sie nicht selten gab, zu dem Zeitpunkt und in diesem Zustand sicherlich unbewohnt; rechts im Anschnitt Nr. 23
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Löwengasse 20, Ecke Katharinengasse
1968
Foto: Karl Heinz Brunk
Bemerkung: Im Plan des städtischen Urkatasters um 1905 existiert das Eckgebäude an der Katharinengasse noch nicht. Vielleicht wurde es im Lauf der 10er Jahre errichtet. Die Katharinengasse beschreibt hier einen deutlichen Knick und ist viel schmaler als im übrigen Teil. An der Stelle befanden sich drei oder vier kleinere Vorgängergebäude. Nr. 20 beherbergte unter anderem die berüchtigte „Bel Ami“-Bar und wurde als eines der letzten Häuser um 1970 abgerissen. Es war ja eine Gewerbeimmobilie. |
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Löwengasse 22
ca. 1955
Foto: Silvia Leinberger
Bemerkung: Nachbar von Nr. 20 auf der Nordwestseite der Katharinengasse. Das Fachwerkhaus ist aus drei oder vier Ursprungsgebäuden hervorgegangen und war 1968 bereits verschwunden. |
Löwengasse 23
1950er
Foto: N.N
Bemerkung: Gegenüber der Einmündung der Katharinengasse. Nr. 23 und 25 weisen architektonische Ähnlichkeiten auf. |
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Löwengasse 24
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Foto: –
Bemerkung: Keine Abbildung; von der Straße zurück versetzt hinter Nr. 26 |
Löwengasse 25
1960er
Foto: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Gegenüber der Einmündung der Katharinengasse; Nachbarhaus Nr. 23 fehlt zu dem Zeitpunkt bereits. Eins der zuletzt abgerissenen Häuser. |

ca. 1963: Beide Szenenbilder stammen aus
demselben
Film wie das Standbild
zu Nr. 17 auf dieser Seite
und zur
Katharinengasse 14. Der Ort des Hausabrisses ist unklar, wahrscheinlich das Umfeld der Löwengasse.
(QUELLE: AMATEURFILM) |
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Hausnummer für alle, eingezeichnet auf der Fläche des nur in der Löwengasse stehenden Hauses, und das ist die Nummer 22. Es steht zu vermuten, dass diese Gruppe von Häusern in der Vergangenheit unterschiedliche Hausnummern hatte, die eventuell teilweise ursächlich für die Verschiebung der Hausnummern auf der rechten Seite der Löwengasse ist. 1906, 1917 und 1920 hieß der Besitzer des Anwesens Heinrich Becker. Der Mann war Küfermeister, „Spezereihändler“ und Inhaber einer Wirtschaft, deren Name im Adressbuch nicht überliefert war. Offenbar starb er um 1920 herum, und seine Witwe Margarete Becker trat die Nachfolge an. Ab 1921 lautete die Becker’sche Geschäftsbezeichnung „Kolonialwarenhandlung und (Gast-)Wirtschaft“. Zwischen 1927 und 1931 gingen Haus und Geschäft an Elisabethe und Herrmann Niebergall über, die es dann zwischen 1937 und 1939 wiederum an den dort nicht wohnenden Metzgermeister Karl Vogt verkauften (dem auch das Haus Nr. 28, damals 34, gehörte). Die Kolonialwarenhandlung gab es 1939 nicht mehr, aber die Schankwirtschaft Niebergall hatte mindestens bis 1939 Bestand. 1951 waren keine Niebergalls und keine Wirtschaft mehr notiert. Dafür gab es nun eine Dentalreparaturwerkstatt Deibel (1954 mutiert zur „feinmech. Werkstatt“), die offenbar von Nr. 28 in Nr. 22 umgezogen war. Dazu hatte eine Autovermietung Noll eröffnet, und der auch Manfred Aulbach erinnerliche Schuhmacher Johann Krug bot in Nr. 22 seine Dienste an. Bis 1954 kamen zwei weitere Gewerbe in dem Hauskarree hinzu: Elise Reuling handelte in Molkereiprodukten, und im 2. Stock (!) eröffnete Horst Zelz eine Schreinerei (!!). Auf in den späten 1960ern entstandenen Fotos ist der 4-Häuser-Komplex bereits verschwunden und das Grundstück Teil des großen Parkplatzes geworden, der die letzte Flächennutzung vor dem Bau des Horten- Kaufhauses darstellt.
Nummer 23: Besitzer, Bewohner und Gewerbe 1906 bis 1937 Ludwig Kronenberg, Bäckerei (letzter Adressbuch-Eintrag 1937), 1939 dann Georg Kronenberg. Besitzerin 1951 und 1954 war die nicht im Haus wohnende Minna Klinkel, und es waren nur noch Mietwohnungen im Haus vermerkt. Hatte das Haus zuvor in der Regel zwei Mietparteien, stieg diese Zahl nach dem Krieg auf vier. Auf späten 60er-Jahre-Fotos ist die 23 nicht mehr vorhanden. Architektonische Ähnlichkeit zum Nachbarhaus Nr. 25.
Nummer 24, bis 1927 Nummer 30: Ausweislich der 1948er Planskizze war die 24 ein schmaler, deutlich von der Straße zurückgesetzter und von den Nachbarhäusern eingeklemmter Bau. Er gehörte bis 1925 zunächst dem städtischen Arbeiter und späteren Tagelöhner Karl Wagner, und 1927 bis irgendwann zwischen 1931 und 1937 seiner Witwe Marie Wagner. Der im Haus vorhandene Gewerberaum wurde mindestens bis 1954 von der Bauschlosserei (später auch Autogenschweißerei) Franz Bourgeois genutzt. Nach 1931 wurde das Haus an den Schlosser Philipp Größer verkauft. In den Adressbüchern 1951 und 1954 war die Adresse gesplittet, der Wohnraum wurde weiterhin als Nummer 24 geführt, der möglicherweise baulich getrennte Gewerbeteil als 24 S („Seitengebäude“). Abrißdatum unbekannt, auf den Fotos aus den späten 1960er-Jahren ist das Haus bereits verschwunden. Kein Foto vom Haus vorhanden.
Nummer 25: Besitzer und Gewerbe Johannes Klinkerfuß, Tapezier- und Polstermeister, Dekorateur. Besitzer 1937 Klinkerfuß, Erben, Gewerbe Johannes Klinkerfuß, Tapezier- und Polster- und Dekorateurmeister. Besitzer und Gewerbe 1939 Johannes Klinkerfuß, Tapezierer und Polsterer. Besitzer 1951 Klinkerfuß, Erben, Gewerbe Joh. Klinkerfuß, Polstergeschäft. Mieter (nur 1951): Dr. Eberhard von Krakewitz, Assessor (!). Besitzer und Gewerbe 1954 Joh. Klinkerfuß, Polstergeschäft. Zusammen mit den Nummern 20 und 28 eines der am längsten überlebenden Häuser in der Löwengasse, Abriss Anfang 1970er vor Baubeginn Horten. |
Nummer 26, bis 1927 Nummer 32: Besitzerinnen 1906 die „Privatinnen“ Karoline und Katharine Hohmeier. Neuer Eigentümer 1917 bis 1921 war der nicht im Haus wohnende Metzgermeister Wilhelm Vogt, ab 1922 bis zum Schluß dann Metzgermeister Karl Vogt. In den Jahren des Betrachtungszeitraums gab es nur einen ständigen Mieter. Im Adreßbuch 1937 war das Haus nicht mehr eingetragen. Über das Schicksal des vermutlich sehr kleinen Hauses ist nichts bekannt, es wurde wohl zwischen 1931 und 1937 abgerissen, eventuell wegen Baufälligkeit oder Umnutzung des Grundstücks. Kein Foto im Bestand.
Nummer 27: Das letzte Haus auf der linken Seite der Löwengasse vor dem Eckhaus Bahnhofstraße gehörte 1906 dem Bäckermeister Karl Steinberger, 1917 dann seiner nicht im Haus wohnenden Witwe, und 1920 und 1921 deren Erben. In 1922 war das Haus auf die letzte Besitzerin, eine Witwe Sack, übergegangen, bevor es offenbar zwischen 1922 und 1925 abgerissen wurde. Danach wurde das Grundstück nicht mehr bebaut. In dem verglichen mit den Nachbarn Nr. 23 und 25 recht großen Haus wohnten 1906 zwei, 1917 eine, und 1920 bis 1922 jeweils vier Mietparteien. Möglicherweise wurde das Grundstück als Nutzfläche für das benachbarte Eckhaus Bahnhofstra8e 23 erworben. Der Abriss der 27 legte die riesig wirkende, völlig kahle und weithin sichtbare rückwärtige Hauswand der Bahnhofstraße 23 frei.
Hausnummer 28, bis 1927 Nummer 34: Nr. 28 war auf der rechten Seite der Löwengasse das Eckhaus zur Bahnhofstraße. Auf einem sehr alten, aber undatierten Foto kann man sehen, dass an und vor dem Haus Baumaßnahmen stattfinden.
Besitzer war 1906 bis 1921 der Metzgermeister Wilhelm Vogt, der im Haus eine Metzgerei betrieb. Ab 1922 ging das Haus über an Karl Vogt, ebenfalls Metzgermeisterund vermutlich der Sohn von Wilhelm. Zwischen 1927 und 1931 wurde die Metzgerei scheinbar geschlossen, stattdessen hielten im Parterre die Wäschefabrikation Heinrich Becker und das Blumenhaus Gustav Wittmann Einzug, die noch vor 1937 von der „Feinmechanischen- und Dentalwerkstatt Ludwig Deibel“, dem Maler- und Weißbindergeschäft Karl Noll und dem Obst- und Gemüsegeschäft Friedel Rose abgelöst wurden. Letzteres blieb dann von 1939 bis zum Abriss Anfang der 70er im Haus und wurde während dieser Zeit zum Lebensmittelgeschäft erweitert. Die Werkstatt Deibel zog irgendwann vor 1951 in die Nummer 22, das Noll’sche Weißbindergeschäft verschwand aus der Löwengasse. Hausbesitzer Karl Vogt wohnte mindestens bis 1954 im Haus. In den Jahren 1906 und 1917 waren im Adressbuch zur Löwengasse 28, damals 34. zunächst ein Hinterhaus, dann zusätzlich ein Nebenhaus mit jeweils einem Wohnungsmieter eingetragen. In den Adressbüchern 1920 bis 1925 blieben lediglich die Einträge des Nebenhauses mit zwei bzw. drei Mietern im ersten und zweiten Stock, ab 1927 waren auch diese verschwunden. Löwengasse 28 war eines der letzten überlebenden Häuser des Viertels, bevor Anfang der 1970er die Horten-Baustelle eingerichtet wurde. |

Um 1950, die
Löwengasse vom Seltersweg aus gesehen, Baustelle Seltersweg 36 (heute 28),
Georg am Eck/Radio Hauptwache; Hintergrund Bildmitte: Löwengasse 9, gegenüber Einmündung Teufelslustgärtchen
(QUELLE: WIEDERAUFBAU-FILM) |
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Löwengasse 26
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Foto: –
Bemerkung: Keine Abbildung, bis einschließlich Adressbuch 1931 vorhanden. Vielleicht wegen Baufälligkeit abgerissen. |
Löwengasse 27
1920er
Foto: N.N.
Bemerkung: Das große Fachwerkhaus in der Mitte wurde schon in den 20er Jahren abgerissen, das Grundstück nicht wieder bebaut. Links Nr. 25, rechts davon Bahnhofstraße 23, mit dem Zwiebeldach. |
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Löwengasse 28, Ecke Bahnhofstraße
Abb. links: ca. 1970;
Foto: Siegfried Träger
Abb. rechts: 2024; Foto: 3D-Mesh-Ansicht Gießen
Bemerkung: Das Eckhaus an der Bahnhofstraße war bis zum Abriss der Ort des Lebensmittelgeschäfts Rose (zu sehen die Seite der Löwengasse). Rechts die heutige Situation: gegenüber der Löwengasse die nach dem Bau des Parkhauses Schanzenstraße in den 80ern neu angelegte Johanette-Lein-Gasse. |
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Straßen- und Häuserplan
Katharinengasse Teufelslustgärtchen Kaplansgasse Bahnhofstraße Seltersweg Wolkengasse  |
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