Wolkengasse – Gebäude

Straßen- und Häuserplan Haupttext
Katharinengasse
Löwengasse Kaplansgasse Bahnhofstraße Seltersweg Teufelslustgärtchen

Die Wolkengasse verläuft südlich und parallel zur Löwengasse. Beide verbinden den Seltersweg mit der Bahnhofstraße. Der Name leitet sich vom Beruf der "Blauwalker" her, die Stoffe einfärbten. Historisch, Anfang und Mitte des 18. Jahrhunderts, befand sich die Wolkengasse innerhalb der Festung am Rand der Stadt. Die Bebauung endete ein Stück weiter südlich an den Wallanlagen, der Bastion Selterstor. Die Wolkengasse liegt also eigentlich außerhalb der hier vorgestellten Betrachtung des verlorenen Stadtteils Teufelslustgärtchen. Vom Seltersweg bis zur erst im 19. Jahrhundert angelegten Bahnhofstraße betrug die Länge gut 164 Meter, und die Breite variierte stark: am Seltersweg 5,10 Meter und auf der Seite der Bahnhofstraße mit 4,10 Meter etwas weniger. Etwa auf halber Strecke maß die breiteste Stelle rund 9 Meter.

Und doch gehört die Wolkengasse, mehr als nur "im Geiste", auch planerisch dazu. Denn die Radikalsanierung der Gießener Innenstadt durch Flächenabriss und besonders im Gebiet des Teufelslustgärtchens setzte sich an der Wolkengasse fort – 20 Jahre nach Kriegsende. Hier, wo es kaum Kriegszerstörungen gegeben hatte, fanden mit der Neutrassierung der Katharinengasse und Ende der 1970er Jahre mit dem Bau des City Centers grundlegende städtebauliche Veränderungen statt. Darum ist die Wolkengasse heute nicht nur weniger als halb so lang wie vor dem Krieg, sondern es existiert kein historischer Gebäudebestand mehr, abgesehen von Hausnummer 10 sowie den Eckgebäuden Seltersweg 46 und 50. Der bauliche Charakter der Wolkengasse früher war deutlich anders als der der Löwengasse. Eine geschlossene Bebauung gab es praktisch nur auf den heutzutage verbliebenen 59 Metern, bis zum Schnittpunkt mit der (modernen) Katharinengasse. Weiter in Richtung Bahnhofstraße war die Bauweise vor allem auf der südlichen Straßenseite durch Freiflächen und Gartengrundstücke aufgelockert, nördlich, in Richtung Löwengasse, etwas geschlossener. Etliche Häuser, solide gemauerte, keine Fachwerkbauten, kamen in der Zeit der Jahrhundertwende 19./20. hinzu. Im Bereich zur Westanlage wurde 1898 das Volksbad gebaut, das 1968 dem Karstadt-Parkhaus weichen musste.

Die weitgehend unberührte Wolkengasse etwa 1960; der Schornstein gehört zum Gießener Volksbad.

Straßen- und Häuserplan (Artikelanfang)
Katharinengasse Löwengasse Teufelslustgärtchen Kaplansgasse
Bahnhofstraße Seltersweg

 
Wolkengasse 1, Ecke Seltersweg
Abb. links ca. 1901;Quelle: N.N.
Abb. rechts ca. 1930; Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Bemerkung: Der Altbau stand hinter dem Eckgebäude im Seltersweg und wurde beim Neubau des Vorderhauses (Abb. rechts) abgerissen. Die Gaststätte "Der schwarze Walfisch" war in den 30er Jahren für ihr braunes Publikum berüchtigt. Das Eckhaus steht heute noch, nur seine Turmhaube ging verloren. In den 60er Jahren war hier Gießens erste Aldi-Filiale.
Wolkengasse 5
ca. 1900
Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Bemerkung: Dieser Altbau verschwand zusammen mit seinem (bereits abgerissenen) Nachbar Hausnummer 1 beim Neubau des Trinkaus-Anwesens im Seltersweg.

Wolkengasse 10
1930er
Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Bemerkung: Das auffällige Reihenhaus, hier Richtung Seltersweg, steht auch heute noch. Vermutlich stammt es von Anfang des 20. Jahrhunderts. Es diente wohl nicht dem Wohnen, sondern beherbergte Verwaltungs-, vielleicht auch Produktionsräume der Eigentümerfirma Schuchard (Herrenhüte).

Wolkengasse 12
1930er
Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Bemerkung: Zwischen Nr. 10 und hier Nr. 12 fand der Einschnitt für die neue Katharinengasse statt (s. weiter unten). Das Haus stand im Weg und wurde abgerissen.

Um 1910: Seltersweg 50, Ecke Wolkengasse;
das Haus existiert heute noch.

(QUELLE: N.N., EVTL. ANSICHTSKARTE)

ca. 2018: Seltersweg 46, Ecke Wolkengasse;
auch das älteste Gebäude im Seltersweg steht noch.

(QUELLE: N.N.)

   

Hausnummern in der Wolkengasse

Destilliert aus den Adressbüchern 1906, 1917, 1920, 1921, 1922, 1925, 1927, 1931, 1937, 1939, 1951, 1954; dem Buch „Geschichte und Geschichten aus Gießen“ von Rudolf Metzger (Hrsg. Oberhessischer Geschichtsverein, 1996, S. 103 ff.); und einer Skizze des Planungsamts von 1948.

Von Gunter Klug

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Wolkengasse war bestimmt vor allem von drei Geschäften, die am Eingang vom Seltersweg her (Schuchard, Trinkaus) und am Ausgang in die Bahnhofstraße (Hahn) ihr Umfeld durch Ankauf weiterer Häuser und Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit nachhaltig beeinflussten. Gegen Ende der Betrachtungszeit war es dann die Stadt Gießen, welche bereits vor dem Krieg begann, Häuser in der Wolkengasse aufzukaufen, um Einfluss auf die Bebauung zu nehmen (Stichwort „Altstadtsanierung“), und dies nach dem Krieg verstärkte, nachdem die Pläne zum Totalabriss und zur Neubebaung des ganzen Viertels immer mehr Gestalt annahmen. Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg blieben der Wolkengasse dagegen erspart. Folgende Häuser wurden zwischen 1906 und 1954 abgerissen und zum Teil überbaut:

Wolkengasse 1* (zwischen 1906 und 1917), überbaut; Wolkengasse 2 (zwischen 1906 und 1917), überbaut; Wolkengasse 5 (zwischen 1917 und 1920); Wolkengasse 7 (zwischen 1931 und 1937); Wolkengasse 14 (zwischen 1906 und 1917); Wolkengasse 15 (zwischen 1939 und 1951); Wolkengasse 19* (zwischen 1937 und 1939, Foto vom Abriss bekannt). Die Häuser mit * gehörten vor dem Abriss der Stadt Gießen. Im Adressbuch 1954 waren folgende Häuser als Besitz der Stadt ausgewiesen: Nr. 11 und 11H., 17, 22, und 24. Folgende Hausnummern waren in den Adressbüchern des Berichtszeitraums nie existent: Nr. 3, 4, 6, 8, 9, und 25.

Wolkengasse 1 Rudolf Metzger schreibt in seinem Buch „Geschichte und Geschichten aus Gießen“, dass das Haus 1896 der Brauerei Friedel und Asprion gehörte, die dort eine Wirtschaft an einen Herrn Roloff verpachtet hatten. Irgendwann vor 1906 ging das Haus in den Besitz der Stadt über, und wurde kurz darauf abgerissen für den Bedarf des Neubaus Trinkaus im Seltersweg 50 – Metzger Trinkaus züchtete seine Schweine selbst und benötigte Platz für Stallungen. Der Mieter von 1906, die Gemüsehandlung Karl Amend, zog 1907 in die Löwengasse 10. Sowohl Wolkengasse 1 als auch Wolkengasse 5 waren schmale, zweigeschossige, mit der Giebelseite zur Straße gewandte Häuser, die schon enstanden, als Gießen noch Festung war und sich die Häuser innerhalb der Wälle mit geringem Platz begnügen mussten. Sowohl von Nummer 1 als auch von Nummer 5 konnte Rudolf Metzger Fotos für sein Archiv ausfindig machen.

Wolkengasse 2 1906 im Besitz von W. und G. Schuchard, vor 1917 mit dem Schuchard-Neubau Wolkengasse 10 überbaut.

Wolkengasse 5 1906 gehörte das Haus dem „Privatier“ Johannes Bender, der es dann an Trinkaus verkaufte. Im Adressbuch 1917 war es im Eigentum von Trinkaus als „unbewohnt“ eingetragen und wurde dann vor 1920 abgerissen. Siehe auch Wolkengasse 1.

Wolkengasse 7 Dieses Haus war bis 1921 auf die Familie Schnecko eingetragen, deren Mitglieder im Lauf der Jahre dort verschiedene Gewerbe ausübten: zunächst eine Zigarrenmacherei, dann ein Friseurgeschäft, und zuletzt eine Schneiderei. 1921 wurde das Haus an Gustav Trinkaus verkauft, der es bis 1927 vermietete. Geht man nach dem Adressbucheintrag von 1931, stand es zu diesem Zeitpunkt – immer noch im Besitz von Trinkaus - leer, und wurde offenbar vor 1937 abgerissen.

Wolkengasse 10 Im Jahr 1906 scheint hier ein Haus im Besitz von W. & G. Schuchard gestanden zu haben, belegt mit einem Mieter. Ebenso wie Nr. 2 wurde dieses Haus vom Eigentümer zwischen 1906 und 1917 mit einer neuen Nr. 10 überbaut, ein lang gezogenes, reihenhausartiges Gebäude, welches an der Rückfront mit dem Haus Seltersweg 44 verbunden war, dem Ladengeschäft (Herrenhüte en gros und en detail) von Schuchard. Als einziger Bewohner war all die Jahre lediglich Kaufmann Georg Schuchard in den Adressbüchern registriert. Erst in den 1950er Adressbüchern kamen Mieter ins Haus (1951 zusätzlich zu Georg Schuchard jun. und sen. weitere fünf Mietparteien, 1954 dann nur noch zwei weitere Mieter).

Das Haus hat nicht nur den Krieg überlebt, sondern auch den Kahlschlag bei der Altbausubstanz in den 60er/70er-Jahren, es steht heute noch.

Wolkengasse 11 (und 11 H) Eines der größeren Häuser in der Wolkengasse, 1906 im Besitz des Wagnermeisters Louis Faber, der die nicht selbst genutzten Räume sieben weiteren Mietparteien überlassen hatte. Zwischen 1906 und 1917 wurde das Haus an die Stadt Gießen verkauft, und im Parterre ließ sich der „Musikinstrumentenmacher“ Ferdinand Bauer nieder. Auch die drei weiteren Mieter waren gegenüber 1906 neu. Bis 1921 stieg die Zahl der vermieteten Wohnungen wieder auf fünf, und die Stadt verkaufte das Haus an den Instrumentenmacher, der dann 1922 als Eigentümer im Adressbuch gelistet war. Auch hatte das Haus inzwischen ein Hinterhaus, vermutlich ein zuvor gewerblich genutzter Raum in einem Anbau oder einer umgebauten/umgewidmeten Werkstatt im Hof. Ein Mieter wohnte darin, vor 1925 hatte sich dann noch ein gleichnamiger Verwandter dort einquartiert. 1951 und 1954 hatte das Hinterhaus dann sogar einen eigenständigen Eintrag im Adressbuch (Nr. 11 H). 1927 war das Vorderhaus wieder auf die Stadt Gießen eingetragen, bei unveränderter Hausgemeinschaft. Am Eigentumsverhältnis änderte sich dann bis zum letzten hier ausgewerteten Adressbuch 1954 nichts mehr. Der zwischenzeitliche Besitzer hat zwischen 1927 und 1931 sein Gewerbe aufgegeben und firmierte als „Privatier“, und 1937 stand er nicht mehr zu Buche. Die restliche Mieterschaft blieb über die Jahre ziemlich stabil, der eine oder andere Name fand sich auch noch im Adressbuch 1954 wieder.

Das weitere Schicksal des Hauses ist den Autoren nicht bekannt. Es stand gegenüber der Nr. 10 und grenzte wie diese an das Areal, auf dem Mitte der 1960er die Trasse der neuen Katharinengasse planiert wurde.

Wolkengasse 12 Dieses Haus gehörte von vor 1906 bis mindestens 1954 der Familie Leuning, die dort auch selbst zusammen mit ein oder zwei Mietparteien wohnte. Es existiert ein Foto, auf dem das Haus zusammen mit den Nummern 10, 16 und 18 abgebildet ist. Irgendwann zwischen 1954 und Mitte der 1960er fiel es dann dem Baggerzahn zum Opfer, als die neue Katharinengasse entstand. – WEITER IM TEXT

X

Wolkengasse 16
1930er
Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Bemerkung: Auch dieses Haus befand sich auf der Schneise der neuen Katharinengasse und musste verschwinden.
Wolkengasse 17

Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung

1930er, die Wolkengasse in Richtung Selterweg; der
Einschnitt für die neue Katharinengasse gleich neben dem Reihenhaus
Nr.10, das noch existiert.
(QUELLE: STADTARCHIV/SAMMLUNG METZGER)

Um 1960: die Wolkengasse aus südwestlicher Richtung
und der Einschnitt für die neue Katharinengasse auf der Rückseite
des Gloria-Kinos, am Bildrand rechts Karstadt

(QUELLE: N.N.)

ca. 1977: City-Center-Baustelle. Die drastisch verkürzte
Wolkengasse und der ehemalige Standort der Hausnummern 21 und 23. Bogenförmig neu angelegt die Straße Reichensand.
(QUELLE: N.N.)

2024: 59 Meter Wolkengasse, die bleiben. Auch noch
vorhanden: das Gebäude des ehemaligen Gloria-Kinos und die
Kinogasse rechts daneben.
(QUELLE: 3D-MESH-ANSICHT GIESSEN)

 
 

Wolkengasse 13 In diesem auch eher kleinen Haus betrieb Karl Germann im Lauf der Jahre eine Agentur, eine Flaschenbierhandlung, eine Hefehandlung, und vermittelte „Bäckereibedarfsartikel“, was vielleicht nur ein Euphemismus für die Hefehandlung war. Zwischen 1931 und 1937 starb Karl Germann, das Haus ging an seine Erben, während seine Frau Helene das Geschäft weiterführte. Die Hefehandlung überlebte auch den Krieg. Zwischen 1951 und 1954 verkauften die Erben das Haus an einen auswärtigen Besitzer, die Gebrüder Jughard aus Mainz-Mombach. Der Name Jughard war in Gießen nicht unbekannt, sodass es hierüber möglicherweise einen Kontakt zur Familie Germann gab. Auch die Nr. 13 stand der Neutrassierung der Katharinengasse im Weg, und fiel dieser zwischen 1954 und ca. 1964 zum Opfer.

Wolkengasse 14 1906 residierte hier im Parterre die Witwe des Bäckermeisters Karl Plank, und ebenfalls im Erdgeschoss bot der Obst- und Gemüsehändler Wilhelm Weil seine Ware an, zu der – wie gegenüber bei Germann - auch Flaschenbier gehörte: geht offenbar immer. Auch ein Bäckergeselle wohnte im Haus, sodass die Vermutung naheliegt, dass die Bäckerei auch nach dem Tod des Meisters womöglich noch von seiner Witwe Lina weitergeführt wurde. Aber nicht mehr lange, denn im Adressbuch 1917 war das Haus nicht mehr aufgeführt. Auf dem unter Hausnummer 12 erwähnten Foto sieht man statt der Nr. 14 eine Baulücke.

Wolkengasse 15 Diese Adresse tauchte erstmals im Adressbuch 1917 auf, um dort mindestens bis 1939 unverändert als „August Marx, Scheuer und Stallung“ zu verbleiben (zu August Marx siehe auch Wolkengasse 16 und 18). Im Adressbuch 1951 fehlte der Eintrag dann.

Wolkengasse 16 1906 gehörte dieses zweieinhalbgeschossige Gebäude mit Zwerchhaus noch dem Fuhrmann August Marx, der dort nebst zwei Mietern auch wohnte. Zwischen 1906 und 1917 verkaufte er das Haus dann an W. & G. Schuchard, die es jedoch nicht selbst nutzten, sondern es mindestens bis 1954 einer recht stabilen Mieterschaft überließ, die sich im Lauf der Jahre nur peu a peu veränderte. Da die Nr. 16 zumindest teilweise auf der Fläche der neuen Katharinengasse stand, wurde das Haus um 1960 herum abgerissen.

Wolkengasse 17 War dieses Haus 1906 noch das Eigentum der Waschfrau Helene Wagner, ging es irgendwann in den Jahren bis 1917 in den Besitz von Karl Hünermund über, der dort im Erdgeschoss ein „Installationsgeschäft“ und eine Fahrradreparaturwerkstätte unterhielt und im ersten Stock eine Wohnung bezog. Mit dem Besitzerwechsel ging auch ein vollständiger Wechsel der Mieterschaft einher. In den Folgejahren dünnte die Anzahl der Mieter etwas aus, bemerkenswert vielleicht, dass Hünermund eine Haushälterin hatte, die im Haus wohnte und ihm bis 1925 die Treue hielt. Das Geschäftsfeld Hünermunds änderte sich auch, die Fahrradreparatur entfiel – zumindest im Adressbuch – und wurde durch eine Spenglerei ersetzt. Ob das Geschäft rentabel war, ist fraglich, denn im Adressbuch 1927 war Hünermund zur „Zoologischen Handlung“ (1931 dann „Vogelhandlung“) mutiert, die Haushälterin verschwunden. Vor 1937 stieg Karl Hünermund wieder auf Metall um und firmierte als Schlosser. Was immer der Krieg dazu beigetragen hatte, 1951 stand ein(e) K. Hünermund, Hannover als Hausbesitzer(in) im Adressbuch, und unter den im Gegensatz zu den letzten Vorkriegsjahren wieder zahlreichen Mietern fand sich mit der Hausfrau L. Hünermund auch eine Verwandte des alten Eigentümers. Zwischen 1951 und 1954 hatte sich dann die Stadt Gießen des Hauses bemächtigt, denn auch Nr. 17 stand auf der Abrissliste zugunsten der neuen Katharinengasse.

Wolkengasse 18 Dieses Haus, mit seinen gemauerten weißen Flachbogenfenster- und Türfassungen ähnlich der Nr. 12, gehörte 1906 Wilhelmine Marx, der Witwe des Landwirts Philipp Marx und beherbergte außer der Besitzerfamilie noch zwei Mieter. Während der Jahre bis 1917 ging das Haus an August Marx über, der als Fuhrunternehmer und Spediteur seine Brötchen verdiente. Ihm gehörte auf dem Grundstück Nr. 15 auch eine Scheune und Stallung. 1927 hatte das Geschäft mit August Marx jun. auch einen Juniorchef erhalten. Zwischen 1927 und 1931 war August Marx sen. vermutlich verstorben, denn im Adressbuch 1931 war der Besitz auf „Marx, Geschwister“ eingetragen. Unter den Mietern fand sich nun, Zufall oder nicht, im zweiten Stock auch der Schmied Karl Marx, und unter ihm im ersten Stock, das nun bestimmt ein Zufall, wohnte der Kellner Richard Wagner (1937 war Karl Marx allerdings schon wieder ausgezogen). 1937 gehörte das Haus offenbar wieder August Marx alleine, der vormalige Juniorchef hatte nun Haus und Geschäft des Vaters vollständig übernommen, und brachte beides auch über die Kriegsjahre. 1954 kam mit dem Schweißer Albert noch ein neuer Marx ins Haus. Da das Grundstück außerhalb der neuen Katharinengasse lag, könnte es die ersten Flächenabrisse der frühen 60er Jahre noch überlebt haben. Wann die Abrisse für die Baufläche des City-Centers begannen, ist den Autoren noch nicht bekannt, aber spätestens Mitte der 1970er Jahre wurde auch hier tabula rasa gemacht.

Wolkengasse 19 Besitzer von Nr. 19 war 1906 der Schuhmachermeister Friedrich Euler, der aber nicht im Haus wohnte und die Schuhherstellung seinem Kollegen Karl Waldschmidt überlassen hatte. Zum Bestand gehörte auch noch ein Mieter im ersten Stock. Elf Jahre später hatte die Schuhmacherei ein Ende gefunden, es lebten nur noch vier Mieter im Parterre und eins darüber, unter ihnen der Händler Johann Bernhard Westbrock. Weitere drei Jahre später hatte Besitzer Euler dann fast das ganze Haus voll mit Mietern namens Westbrock, lediglich ein einsamer Fabrikarbeiter hatte sein Refugium gegen die Invasion der Westbrocks verteidigen können. Kurz vor Erscheinen des nächsten Adressbuchs allerdings war das Haus von Euler an den ebenfalls nicht im Haus wohnenden Ferdinand Wiedemeyer verkauft worden, und 1921 stand nur noch ein einziger Mieter zu Buche, und auch der hieß Westbrock. Wiedemeyer zog dann selbst ein (als „Wiedmeier“), so das Folgeadressbuch 1922. Bis 1925 hatten sich die Adressbuchmacher dann auf den Besitzernamen „Wiedmeyer“ kapriziert (und behielten diesen fortan bei). 1927 hatte Ferdinand Wiedmeyer dann auch einen Beruf (in den Adressbüchern 1922 und 1925 waren Berufe grundsätzlich nicht aufgeführt), er firmierte als Schreinermeister. Zwischen 1927 und 1931 verkaufte er das Haus an die Stadt Gießen, und, man ahnt es schon, 1937 war die Nr. 19 nicht mehr existent. Wenn ich raten darf: Stichwort „Altstadtsanierung“.

Es gibt im Bestand des Stadtarchivs Gießen ein Foto aus der Sammlung Metzger, auf dem der Abriss von Nr. 19 festgehalten ist.

Wolkengasse 20 Ab Adressbuch 1906 bis einschließlich 1951 gehörte das Haus dem Schreinermeister Ludwig (abwechselnd auch „Louis“) Werner, der dort eine Schreinerei und ein Sarglager sein eigen nannte. Später wechselte die Firmenbezeichnung zu „Bestattungsinstitut“, welches möglicherweise zum Hauptgeschäftszweig wurde. Im Adressbuch 1951 war auch noch als weiterer Geschäftszweig eine „Volks-Feuerbestattung, V.V.a.G., Geschäftsstelle Gießen“ im Adressbuch eingetragen. 1954 sah dann als neue Eigentümerin eine Anna Hermann aus Trier, obwohl die Familie Werner und ihr Betrieb noch im Haus residierte. Spätestens mit den Flächenabrissen für die City-Center-Baustelle verschwand auch dieses Haus.

Wolkengasse 21 (und 21 H) 1906 gehörte dieses Haus, schon in der Nähe zur Bahnhofstraße, dem Bürstenmacher Heinrich Kuhl, der im Parterre seine Bürsten auch verkaufte. Einer der beiden Mieter war der Friseur Karl Muhl, der laut ungewöhnlichem Adressbucheintrag sein Geschäft in der Bahnhofstraße 43 parterre hatte (ein solcher Hinweis ist mir im Adressbuch vorher noch nie untergekommen). 1931 war „Geschäftsinhaberin Therese Kuhl“ als Eigentümerin des Hauses eingetragen, möglicherweise war Heinrich Kuhl verstorben, obwohl die Bürstenwarenhandlung noch auf seinen Namen lief. Im Adressbuch 1937 dann hieß der neue Besitzer Johannes Steinbach, Mechanikermeister, und statt Bürsten wurde jetzt mit Fahrrädern und Nähmaschinen gehandelt. 1951 war dem Haus dann ein Hinterhaus 21 H zugewachsen, in dem jetzt die Steinbach’sche Werkstatt untergebracht war. Und 1954 firmierte Steinbachs Geschäft dann als „Motor- und Fahrradhandlung“. Zum weiteren Schicksal des Hauses siehe die vorangegangenen Einträge der Nachbarhäuser.

Wolkengasse 22 Dieses Haus befand sich lange Jahre im Besitz der Familie Weller (ebenso wie Nummer 24, siehe dort). Als Eigentümer waren eingetragen: 1906 der Küfermeister Philipp Weller, 1917 bis 1937 der Reichsbahner Karl Weller, und 1939 dessen Erben. Im Nachkriegs-Adressbuch 1951 war dann die Stadt Gießen Eigentümer geworden. Im selben Adressbuch befand sich unter den Mietern die Witwe Hedwig Weller (nicht aber 1939 und 1954), es ist nicht auszumachen, ob das die Witwe des ehemaligen Eigentümers war. Sowohl 1951 und 1954 war eine im Vergleich zu den Vorkriegs-Adressbüchern (meist zwei Mietparteien) hohe Zahl von Mietern registriert, was mit Sicherheit an der Wohnraumknappheit in der zerstörten Stadt lag.

Auch Nr. 22 wurde irgendwann vor dem Baubeginn des City-Centers abgerissen.

Wolkengasse 23 Laut den Adressbüchern 1906 bis 1925 war das Haus in diesem Zeitraum im Besitz des Schuhmachermeisters Heinrich Müller, der hier ein „Schuhwarenlager und Maßgeschäft“ (1906 hieß es noch schlicht „Schuhwarenhandlung“) etabliert hatte. 1906 hatte Müller im Haus offenbar auch Räume für seine Belegschaft bereitgestellt, gleich drei Schuhmachergesellen und zwei „Handlungsgehilfen“ waren in der 23 gemeldet. Letztlich blieb aber nur der Postschaffner Reul langfristig als Mieter im Haus (1917 bis 1921 als einziger Mieter). Im Adressbuch 1922 waren kurzzeitig vier Mietparteien gelistet, 1925 jedoch wieder nur noch Reul. Das Adressbuch 1931 vermerkt dann als neue Besitzerin Sophie Dülfer, die aber nicht im

Haus wohnte, dafür aber noch Heinrich Müller im ersten Stock. Sein Geschäft wurde jedoch nicht mehr aufgeführt. In diesen Räumen hatte sich der Schneider Emil Kömpel mitsamt seiner Dampfbügelanstalt „Wie neu“ niedergelassen. Dieses Geschäft wurde offensichtlich zwischen 1931 und 1937 an der Schneider Ludwig Pitz verkauft. 1939 wurde aus „Wie neu“ eine „Express-Dampfbügelanstalt“. Seit der Übernahme des Hauses durch Dülfer war die Zahl der Mieter wieder gestiegen. 1951 war als neuer Eigentümer der Fahrlehrer Georg Dülfer eingetragen. In den Geschäftsräumen hatte sich die Lebensmittelhandlung Nachtigall niedergelassen, die aber 1954 schon wieder verschwunden war. Stattdessen wurden von Herbert Trylat Motoren vertrieben.

Und was war eigentlich aus dem wackeren Postschaffner Reul geworden? Der ist offenbar zwischen 1927 und 1931 gestorben, denn 1931 wohnte nur noch seine Witwe Margarete im Haus, 1937 und 1939 dann noch die Schneiderin Lisa Reul. Nach dem Krieg gab es keine Reuls mehr in der Wolkengasse 23. Das einzige uns vorliegende auf 1974 datierte Foto von Nr. 23, aufgenommen zusammen mit Nr. 21, zeigt den gleichzeitigen Abriss beider Häuser.

Wolkengasse 24 Nr. 24 war neben Nr. 22 das zweite Haus, welches sich der Küfermeister Philipp Weller in der Wolkengasse zugelegt hatte. In diesem Haus wohnte 1906 Schuhmacher Johannes Glitsch, der in Nr. 22 sein Geschäft betrieb. Vor 1917 ging die Nr. 24 an Karl Weller über, nach seinem Tod etwa 1938 an seine Erben. Die wiederum verkauften das Haus zwischen 1939 und 1951 an die Stadt, die es nutzte, um es bis unters Dach an Wohnungssuchende zu vermieten (1954 sechs Mietparteien). Langjährige Mieter in den Jahren zuvor waren u.a. ein Reichsbahn-Arbeitskollege von Karl Weller und eine Postlerfamilie. Abgerissen für den Bau des City-Centers, vermutlich in der ersten Hälfte der 1970er.

Wolkengasse 26 Nicht von ungefähr war das letzte Haus auf der rechten Seite der Wolkengasse, kurz vor der Bahnhofstraße, in allen hier betrachteten Adressbüchern Standort einer Gastwirtschaft, wie es so viele in der Bahnhofstraße gab. Die erste Inkarnation hieß von 1906 bis 1925 „Central“. Gastwirt und Eigentümer war bis zu seinem Tod Louis Lüter, der nebenbei auch Schuhmachermeister war. 1917 hatte seine Witwe Lina Lüter Haus und Wirtschaft übernommen. 1925 hieß der Eigentümer dann Ferdinand Kettenhofer, der das Haus aber anschließend an A. & W. Denninghoff verkaufte, die Inhaber des Gießener Brauhauses. Diese holten sich einen neuen Pächter namens Wilhelm Schmid und tauften die Kneipe in „Zum Braustübl“ um (Adressbuch 1927). Diese Konstellation hielt bis mindestens 1951, 1954 hieß die Pächterin dann Agnes Klarl. Den Namen der Wirtschaft, so es sie da noch gab - hat dieses Adressbuch nicht mehr überliefert.

Wolkengasse 27, 27H, zuletzt Reichensand 2
(Doppelhaus mit Bahnhofstraße 35)
Die Geschichte dieses Hauses ist nicht nur insofern speziell, dass es als einziges Haus jenseits der neuen Katharinengasse die Flächenabrisse der frühen 1970er Jahre überlebt hatte, weil es auf der anderen Straßenseite stand, sondern auch, weil es als einziges Haus der alten Wolkengasse eine neue Adresse erhielt, als aus dem westlichen Teil der Wolkengasse die neue Straße „Reichensand“ wurde.

Das vom Architekten Philipp Rahn geplante und von den Bauherren Ferdinand Schott (Weinhändler) und Abraham Grünebaum (Möbelhändler) finanzierte Doppelhaus (der in der Bahnhofstraße gelegene Teil hatte die Adresse Bahnhofstraße 35) wurde in den Jahren 1897/1898 errichtet. Vermutlich waren Schott und Grünebaum nicht mehr die Jüngsten, denn im Adressbuch 1906 wohnte Abraham Grünebaum zwar in der Bahnhofstraße 35, sein Geschäft war aber auf Max Grünebaum übergegangen. Als Eigentümer des Hausteils Wolkengasse 27 war der Weinhändler Hermann Schrödel eingetragen, der im Haus die Weinhandlung und Weinrestauration „Schott’s Weinstube“ betrieb. Zwischen 1906 und 1917 änderte sich das, denn im Adressbuch stand nun Hermine Schott als Eigentümerin. Sie war die Witwe des Bauherren und Weinhändlers. Die Weinhandlung hatte sie an einen Amadeo Espada verpachtet. Auch Abraham Grünebaum war mittlerweile verstorben, die Bahnhofstraße 35 gehörte danach seiner Witwe Elise Grünebaum. Das Adressbuch 1920 wartete mit weiteren Änderungen auf: Die Weinhandlung in der Wolkengasse 27 existierte nicht mehr, und Hermine Schott hatte diesen Hausteil an den Samenhändler Heinrich Hahn verkauft und wohnte nun als Mieterin dort. Nebenan in der Bahnhofstraße 35 gab es auch einen neuen Besitzer, die Witwe des alten Bauherren hatte das Haus Max Grünebaum, dem Inhaber der Möbelhandlung überlassen (vermutlich der Sohn). Danach kehrte erstmal Ruhe in die Besitzverhältnisse von Wolkengasse 27/Bahnhofstraße 35 ein.
Eine kleine Änderung in der Wolkengasse gab es dann 1922, erstmals war hier ein Mieter unter „N“ eingetragen, was im Adressbuch soviel wie „Nebengebäude“ heißt. 1931 scheint die Grünebaumsche Möbelhandlung in der Bahnhofstraße 35 ihren Betrieb eingestellt zu haben. In den Geschäftsräumen hatte sich die Schuhgroßhandlung Kahn niedergelassen, das Haus gehörte aber nach wie vor der Familie Grünebaum. Zwischen 1931 und 1937 kam die Bahnhofstraße 35 in den Besitz von Heinrich Hahn, der zusätzlich zwei weitere Häuser auf dem Gelände an der Ecke übernahm, zum einen das ehemalige Fotoatelier Becker, ein kleines, zurückgesetztes Haus mit der Hausnummer Bahnhofstraße 35 5/10, sowie das Haus Bahnhofstraße 37, welches noch tiefer in der Zufahrt von der Bahnhofstraße her stand. Damit entstand das, was später als „Samen-Hahn-Gelände“ bekannt werden sollte. Das Häuschen Bahnhofstraße 35 5/10 wurde jetzt als „Seitengebäude“ der Nummer 35 geführt, dahinter steckt vermutlich ein massiver Umbau. Die ehemalige 35 5/10 erhielt zum einen einen großen rückwärtigen Anbau, und zum anderen wurde der alte Dach- und Giebelbereich entfernt und durch ein neues gemeinsames Dach für Vorder- und Hinterhaus ersetzt. Schon in den Jahren zuvor war an Nr. 35 5/10 eine seitliche Verbindung zum benachbarten Gebäude angefügt wurden.

War die Familie Grünebaum 1937 noch als Mieter im ehemals eigenen Haus Bahnhofstraße 35 eingetragen, so sind ihre Namen im Adressbuch 1939 nicht mehr vorhanden. Unschwer zu erraten, dass sie Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurden.

Das Adressbuch 1951 sah den Hahnschen Besitz als unbeschädigt aus dem Krieg hervorgekommen. Die Samenhandlung war offenbar unter der Familie aufgeteilt worden, jedenfalls standen jetzt drei Hahns als Geschäftsteilhaber zu Buche. Das Nebengebäude der Wolkengasse 27 war nun zum Seitengebäude „27 S“ umdefiniert worden. An dieser Stelle sei die Vermutung geäußert, dass es sich dabei um das kleinere Haus direkt links neben der Wolkengasse 27 handelte, welches auf Fotos von vor 1981 noch zu sehen ist. Es steht etwa an der Stelle, wo die Wolkengasse 25 hätte stehen müssen, wenn es die je gegeben hätte. Der Vorkriegsmieter des Neben-/Seitengebäudes war ausgezogen, stattdessen hatte sich dort die Korb- und Bürstenwarenhandlung Arthur Klinkerfuß eingemietet.

Der letzte hier verwertete Adressbucheintrag von 1954 vermerkte noch eine Umwandlung des Unternehmens Heinrich Hahn in eine oHG (offene Handelsgesellschaft). In der Bahnhofstraße 35 waren nunmehr Büro und Versand von Hahn untergebracht, in Nummer 37 (jetzt als 37 H geführt) das Lager, und das ehemalige Fotoatelier Beckers hatte Hahn an einen „Spezial-Damen-Salon“ (hier ist wohl ein Frisiersalon gemeint) und eine Maßschneiderei vermietet.

Im Jahr 1981 geriet das Samen-Hahn-Gelände in die Schlagzeilen, als die Familie Hahn das gesamte Gelände samt der bereits leerstehenden Gebäude an der Ecke Wolkengasse (nunmehr Reichensand) und Bahnhofstraße an den Kaufmann Habibollah Shobeiri verkaufte, der nebenan im City-Center eine Teppichhandlung betrieb. Kaum war die Tinte auf dem Grundbucheintrag trocken, beantragte Shobeiri eine Abrissgenehmigung für die gesamte Bebauung, welche er auch kurzfristig erhielt, mit Ausnahme des Eck-Doppelhauses Reichensand 2/Bahnhofstraße 35 (s. unten). Die spätere Begründung des Magistrats unter OB Görnert war, es habe polizeiliche Erkenntnisse gegeben, dass auf dem Gelände eine Hausbesetzung geplant wäre. Bereits am frühen Morgen nach der Genehmigung rückte ein Bagger an, um die vier Häuser auf dem Samen-Hahn-Gelände trotz heftiger öffentlicher Proteste und Demonstrationen niederzulegen, darunter auch den Teil des ehemaligen Beckerschen Photoateliers Bahnhofstraße 35 5/10, der noch erhalten war. Die nächsten 30 Jahre ließ Shobeiri die erhaltenen Gebäude vergammeln, reichte ab und an nicht genehmigungsfähige Baupläne ein, während alle Magistrate dieser Jahre sich nicht trauten, ihre Interessen an einer Neubebauung des freien Geländes und erhaltenden Maßnahmen an den inzwischen denkmalgeschützten Eckhäusern juristisch zu verfolgen.

Im Gegenteil, schon 1986 bestand der Verdacht, dass der Verfall der Gebäude durch offene Fenster und Schäden am Dach beschleunigt wurde. Eine unerlaubte Begehung der Häuser durch die Öffentlichkeit bestätigte den Eindruck übermäßigen Verfalls. Konsequenzen daraus gab es keine. Im Jahr 2012 schließlich bekam Shobeiri – der nunmehr verantwortliche Sohn – seinen Willen, nachdem die Häuser so heruntergekommen waren, dass Einsturzgefahr bestand. Und so endete die Geschichte der ehemaligen Wolkengasse 27 mit ihrem Abriss im Juni 2012.

1981, der Abrissbagger in Aktion. In der Bildmitte erkennbar:
das im Artikel erwähnte
ehemalige Fotoatelier Becker, ein frei stehendes
Häuschen, wurde erheblich umgebaut und erweitert.

(QUELLE: GUNTER KLUG)

1981: (Teil-) Abriss des Samen-Hahn-Grundstücks. Nur das
Eckgebäude an der Bahnhofstraße blieb stehen – 31 Jahre lang Verfall
bis zum Abris
s 2012.

(QUELLE: ARNO BAUMGÄRTEL)

     
X
Wolkengasse 18
Abb. links: 1930er; Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Abb. rechts: ca. 1960; Quelle: Luftaufnahme N.N.
Bemerkung: Ein großes dreistöckiges Backsteingebäude mit vier Dachgauben. Auf dieser, der nördlichen Straßenseite wie auch auf den Standorten der folgenden Hausnummern wurde das City Center gebaut. Abb. rechts komplett zu sehen leider nur einer unscharfen Ausschnittsvergrößerung.
Wolkengasse 19

Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung
 
X X
Wolkengasse 20

Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung
Wolkengasse 22

Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung
 

Wolkengasse 21 + 23
ca. 1971
Quelle: Stadtarchiv/Sammlung Metzger
Bemerkung: Nr. 21, Sitz des Fahrradhändlers Steinbach, und sein Nachbar Nr. 23 standen jenseits der neu gebauten Katharinengasse, zwischen City Center und Karstadt (im Hintergrund sichtbar). Das Geschäft befand sich später in der Westanlage.

Wolkengasse 27 + 27H / Bahnhofstraße 35
1970er
Quelle: N.N.
Bemerkung: Das Samen-Hahn-Grundstück und seine Gebäudeteile; die Nummerierung der Häuser (s. obigen Artikel) ist unübersichtlich und schwer nachvollziehbar. Bogenförmig die neu angelegte Straße Reichensand als Ersatz für die Wolkengasse.

 

Die Wolkengasse 2024 und der alte Straßenverlauf; Nr. 10 das okerfarbige Gebäude. Die 3D-Mesh-Darstellung
verzerrt bei niedrigem Blickwinkel leider die Linien.

Straßen- und Häuserplan
Katharinengasse Löwengasse Kaplansgasse Bahnhofstraße Seltersweg Teufelslustgärtchen