THE TALLY HO READ ALL ABOUT IT!
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WER SIND SIE? - DIE NEUE NUMMER SECHS

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DIE OFFENBARUNG - THE PRISONER ALS BLU-RAY

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DIE SECHS-IDENTITÄT (INTERVIEW)
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AUF DIE REIH GEBRACHT (2) DIE REIHENFOLGE

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THE PRISONER 35th ANNIVERSARY EDITION

Von Rick McGrath

Guten Mutes, muss ich sagen, und mit der befürchteten Erwartungshaltung habe ich für meine 250 kanadischen Pesos die wirklich hübsch verpackte A&E DVD-Box mit allen 17 Episoden des mehr als enigmatischen 60er-Jahre-Britspione-Klassikers THE PRISONER erstanden. Guten Mutes deshalb, weil ich mich erinnere, dass ich

   

THE PRISONER 1968, als die Serie zuerst bei CBS gezeigt wurde, gesehen habe. Bei unseren wöchentlichen Zusammenkünften mit kumpels von der Universität haben wir uns prächtig damit amüsiert. Wir tranken Bier, rauchten schlechtes mexikanisches Kraut und diskutierten über die Bedeutung jeder einzelnen Episode. Und ich sagte befürchtete Erwartungshaltung, denn die

AUS DEM ENGLISCHEN VON ARNO BAUMGÄRTEL

Zeit ist eine vergessliche Lady, und die nostalgischen Erinnerungen an meine sorglose Vergangenheit haben möglicherweise zur Gedächtnistrübung geführt, ob diese Serie nun großartig war oder nicht. Und obwohl die Serie über die Jahre wahrscheinlich verschiedentlich wiederholt wurde (ich habe sie Jahrzehnte nicht mehr gesehen), kann man nicht sagen, dass THE PRISONER populär ist - bis auf die letzte Zeit. Was bestimmt der Grund für die gewagte Entscheidung zur Veröffentlichung des DVD-Sets durch A&E ist. Deshalb muss man den pedantischen und besessenen PRISONER-Cult-aficionados dankbar sein, dass sie die Flamme um Patrick McGoohans exzentrische Vision am Leben gehalten haben und es so nachfolgenden Generationen ermöglichen, sich an den sozio-philosophischen Machenschaften von Nummer Sechs und seinen unerbittlich ideenreichen Gefängniswärtern zu erfreuen.

Eins hat die Zeit mir gezeigt: Um THE PRISONER ganz zu verstehen, muss man noch weiter in die Vergangenheit zurück gehen als die Serie selbst, bis 1965, zur britischen Spionageserie DANGER MAN (dt.: Geheimauftrag für John Drake, USA: SECRET AGENT; Ü.). Patrick McGoohan war DANGER MAN. Und obwohl er angeblich der bestbezahlte britische Fernsehschaupieler war, war er doch gelangweilt, gelangweilt, gelangweilt, ständig den cleveren und gefährlichen John Drake zu spielen, einen international tätigen Spion, der alle Qualitäten seines Kinorivalen James Bond hatte; mit Ausnahme von Jimmys unermüdlichen Verführungen fantastischer Frauen.

Mitte bis Ende der 60er Jahre war DANGER MAN ein überwältigender Hit, der Sir Lew Grade von ITC reich machte und McGoohan zum Superstar. Und sogar Sänger Jimmy Rivers machte 1965 mit dem Song "Secret Agent Man" seinen Reibach. Wenn das nicht schon ein bisschen zu viel ist, sollte man sich daran erinnern, dass dies hier die Mitt-60er Jahre sind, deren Symbolbild war der stets gewissenhafte Spion, der den Westen vor einer ganzen Bande böser Jungs, von ernsthaften bis albernen, rettete. Genau so wie zuvor der Western waren Spionageshows allgegenwärtig; angefangen bei James Bond über die Flint-Filme von James Coburn im Kino bis zu Fernsehserien wie THE AVENGERS, I SPY, THE MAN FROM U.N.C.L.E., GET SMART und so weiter und so weiter (dt.: Mit Schirm, Charme und Melone, Tennis-Schläger und Kanonen, Solo für O.N.K.E.L., Mini Max/Maxwell Smart; Ü.).

Dann geschieht das Undenkbare. McGoohan, gerade auf dem Höhepunkt seines Ruhms, beschließt, dass er genug davon hat, John Drake zu spielen und zieht sich von der Serie zurück. Er hat eine Idee für etwas Neues, das er THE PRISONER nennt, ein Spion gefangen in einem Gefängnis für Spione. McGoohan zieht den kreativen Kern zusammen, bestehend aus Produzent/Regisseur David Tomblin, mit dem zusammen er schon Everyman Films gegründet hat, sowie Skriptredakteur George Markstein und Art Designer Jack Shampan. Sie alle, die bei DANGER MAN mitgearbeitet hatten, waren verfügbar dank McGoohans Rückzugsentscheidung, weil ohne Beschäftigung. Sie treffen sich, zimmern ein Konzept zusammen und McGoohan trägt die Idee Lew Grade vor. Lew kauft die Idee, eigentlich nur ein Konzeptumriss, und McGoohan erhält ein fürstliches Budget von 75.000 Britischen Pfund pro Episode (was THE PRISONER zur teuersten Serie ihrer Zeit macht). McGoohans ursprünglicher Plan waren sieben einstündige Episoden, aber Sir Lew braucht mehr, um die Sache auch international verkaufen zu können. Er will 26, McGoohan stimmt zu. Mittlerweile ist 1966, und Sir Lew will in einem Jahr damit auf Sendung gehen. Also bleibt sehr wenig Zeit, alles zusammen zu entwickeln, was schließlich die Produktion zum Knirschen bringen und Auswirkungen auf die Serie haben wird.

So beschreibt McGoohan selbst dem Autor und Fernsehmoderator Warner Troyer im März 1977 die Ereignisse. Das berühmte Interview wurde im Auftrag der Ontario Educational Communications Authority gemacht und im TV Ontario gezeigt, ein kanadisches öffentliches Fernsehen, wo die Serie zwischen Oktober 1976 und Februar 1977 mit Kommentaren von Troyer ausgestrahlt worden war.

McGoohan: "Ich hatte 54 Mal DANGERMAN gemacht, und ich dachte, das wäre eine angemessene Zahl. Ich ging also zu dem Gentleman, Lew Grade, dem Finanzier, und sagte ihm, dass ich mit SECRET AGENT aufhören und etwas anderes machen wollte. Das mochte er aber nicht. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn ich ewig damit weiter gemacht hätte. Ich sagte ihm aber, ich würde aufhören. Also fragte er: 'Was ist der Plan?' Das war anfangs nur am Telefon. Also traf ich ihn am Samstagmorgen um 7 Uhr. Das war immer die Zeit für unsere Unterhaltungen. Und er fragte: 'Was ist der Plan?' Von der PRISONER-Sache hatte ich schon einen Entwurf vorbereitet. Ich war ursprünglich darauf gekommen, als wir für SECRET-AGENT-Aufnahmen in einen Ort namens Portmeirion gegangen waren. Für mich war das ein außergewöhnlicher Ort, architektonisch und atmosphärisch, den man ruhig für etwas benutzen sollte. Das war zwei Jahre, bevor ich das Konzept entwickelte. Ich bereitete es vor und ging zu Lew Grade. Ich hatte Bilder vom Ort und einen Entwurf dabei, aber er sagte nur: 'Ich will den Enwurf nicht lesen'. Er meinte, er lese nie Entwürfe, er könne nicht lesen, nur Abrechnungen. Und dann: 'Also, um was geht es, erzähl's mir.' Ich erzählte ungefähr zehn Minuten lang, dann stoppte er mich und sagte: 'Ich verstehe kein Wort von dem, was du da sagst, aber wie viel soll es kosten?' Komischerweise hatte ich schon eine Finanzierung dabei. Ich sagte es ihm und er: 'Wann kannst du anfangen?' Ich sagte am Montag, mit den Skripts. Er sagt: 'Das Geld ist am Montagmorgen auf dem Konto deiner Firma.' Das war es auch. Und so fingen wir an. Dahinter stand natürlich eine gewisse Ungeduld mit der Numerologie der Gesellschaft, und wie wie uns in Ziffern verwandeln lassen, es war also noch etwas anderes dahinter."

Vorsicht, was hier durchkommt, ist McGoohans Version der Dinge. Wie alles an der Serie, ist sogar ihre Entstehung kontrovers. Nach Skriptredakteur George Markstein, der schon im ersten Jahr ausstieg (angeblich nachdem er und McGoohan sich über die Größe ihres jeweiligen Egos in die Haare geraten waren), war der ganze PRISONER sein Konzept. In einem seltenen Interview, kurz vor seinem Tod Anfang der 90er Jahre, sagte er:

"Alle hofften, McGoohan würde eine Serie machen. Ich fing also an, ein paar Seiten in die Schreibmaschine zu tippen - Sie wissen, der Hafen im Sturm. Es ging um einen Geheimagenten - schließlich war John Drake einer gewesen -, der plötzlich ohne offensichtlichen Grund aussteigt, so wie McGoohan ausgestiegen war, und der entführt wird! Ich hatte ein bisschen über Spezialeinsatzkräfte recherchiert und eine seltsame Einrichtung während des Krieges in Schottland gefunden, in die man widerspenstige Agenten brachte - und wer konnte widerspenstiger sein als McGoohan! Das erschien mir eine ausgezeichnete Idee zu sein, um damit zu spielen. Ich wusste aber nicht, wie man das nennen sollte, also bezeichnete ich es als "The Prisoner", ganz einfach. Der Mann war ein Gefangener, dann sollte er auch so heißen. McGoohan sprang darauf an. Die historische, oder soll man sagen faktische Seite der Sache interessierte ihn sehr. Zum Beispiel, konnte ein Geheimagent verschwinden... - wissen Sie, wie könnte jemand in unserer Gesellschaft verschwinden und irgendwohin geschafft werden? Ich laberte etwas von "D"-Vermerken, wie die Behörden Nachrichtenmedien dazu bringen können, Dinge nicht zu veröffentlichen (Nachrichtensperre; Ü.), was ja heutzutage tatsächlich auch geschieht. Das fand er sehr interessant. Von "D"-Vermerken hatte er noch nie gehört, und es überzeugte ihn, dass diese Fantasy-Horrorstory auf gewissen Fakten beruhte, was ja auch der Fall ist."

Cooles Zeug. Aber es ist Zeit, sich wieder mit Nummer Sechs und den anderen imaginären Nummern in THE PRISONER vertraut zu machen. Jetzt, Jahrzehnte nach der ersten Sendung, kann ich die Mysterien noch einmal durcheinander bringen. Mysterien? Vielleicht. Oder einfach intellektuelles Funkeln, glänzend reflektierte Ideologien ohne wirkliches thematisches Gerüst? 33 Jahre später Zeit, es herauszufinden.

KEIN MENSCH IST BLOSS EINE NUMMER

Die Erklärung für das ganze Konzept der Serie findet sich in dem Ministück am Anfang jeder Episode. Dunkle Wolken am Himmel, Blitze, Donnergrollen. Ein Geräusch wie ein Düsenjet. Die Totalaufnahme einer Rollbahn. Mit Einsetzen des Cembalos in der Titelmusik huscht ein Lotus Seven (KAR120C) auf uns zu und die Bahn entlang, darin ein grimmig blickender Mann. Schnitt auf die Straßen von London, eine Tiefgarage. Düster schreitet der Mann einen Gang hinunter, wirft dramatisch Schwingtüren auf, hämmert auf den Schreibtisch eines glatzköpfigen Bürokraten (niemand anderer als George Markstein, der Skriptredakteur der Serie) ein, knallt sein Kündigungsschreiben darauf und stürmt wieder hinaus. Sein Passfoto wird maschinell ausgeixt und die ID-Karte in einem Archiv mit der Aufschrift "Resigned" abgelegt (Dieses Detail fehlt im deutschen Vorspann; Ü.). Der Mann kehrt nach Hause zurück, unbemerkt verfolgt von einem Fahrzeug. Er nimmt seinen Reisepass und packt einige Sachen. Dann wird er von einer Art Gas, das durch seinen Briefeinwurf gepumpt wird (nein, durch das Schlüsselloch; Ü.) überwältigt. Als er wieder aufwacht, stolpert er unsicher zum Fenster und öffnet die Jalousie. Der Blick fällt auf den Hauptplatz des Ortes ("The Village" - auf deutsch ohne Bezeichnung, nur der "Ort"; Ü.), eine fantastische Ansammlung ausgefallener Gebäude, Gassen und Parkanlagen auf einem grünen Hügel über einer sandigen Bucht. Sein Name, der in der ganzen Serie niemals zu hören ist, ist jetzt "Nummer Sechs", und die Unbekannten, die ihn gefangen halten, angeführt von Nummer Zwei, wollen von ihm wissen, warum er sich vom Dienst zurückgezogen hat. Er ist entschlossen, es nicht zu sagen. Am Ende der Szene sieht man ihn wild über den vom Mond beschienenen Strand rennen, er reißt seine Faust in die Luft und stimmt den inzwischen berühmten Schlachtruf an: "Ich bin keine Nummer, ich bin ein freier Mensch!"

ACHTUNG WARNHINWEIS - SPOILER!

Es folgen Inhaltsangaben aller 17 Episoden. Wenn Sie die Serie noch nicht gesehen haben, es aber tun und vorher nichts darüber wissen wollen, machen Sie weiter bei "Six Of One".

Die Eröffnungsepisode ist großartig. Mit dem schlichten Titel "Die Ankunft", setzt sie die Prämissen der Serie und ihren Stil. Eher einführend als aktionsgeladen, wie es sich für ein Kapitel eins gehört, transportiert "Die Ankunft" doch in dem Maße eine düstere Stimmung, wie unser Held langsam seine missliche Lage realisiert und ein ein paar zögernde Fluchtversuche unternimmt. Dabei lernt er, dass er niemand vertrauen kann, und er trifft nicht nur eine, sondern zwei Nummer Zweien. Und gleich vorneweg lernen wir eins der wiederkehrenden PRISONER-Merkmale kennen: eine besessene Aufmerksamkeit gegenüber dem Detail.

In "Freie Wahl" kandidiert Nummer Sechs bei einer Wahl für die Position von Nummer Zwei, um die mysteriöse Nummer Eins zu treffen. Diese Episode, bei der McGoohan für Drehbuch und Regie verantwortlich war, ist einerseits eine beißende Attacke auf das demokratische Wahlverfahren, andererseits eine Warnung an Nummer Sechs, dass seine Widersacher ihn in vielfacher Weise brechen können und psychische und physische Folter anzuwenden bereit sind, um ihre Ziele zu erreichen.

In "Die Anklage", einer Verschmelzung von Gehirnwäsche und Rechtssystem, versucht eine vornehmlich weibliche Besetzung (einschließlich einer Katze!), Nummer Sechs' Willen zu beugen, und das vor dem inkongruenten Hintergrund eines Karnevals. Nachdem Nummer Sechs das Transistorradio eines an den Strand gespülten Toten gegen die Regeln an sich genommen hatte, wird er vor ein Scheingericht gestellt. Er erfährt, wie leicht die anonyme Masse sich vereinnahmen lässt. Es gelingt ihm, der aufgebrachten Menge zu entkommen, und er findet sich schließlich in einem Raum mit einem Fernschreiber. Der scheint, gegen alle Stimmigkeit, das verbindene low-tech-Element in der Kommunikation zwischen dem Ort und Nummer Eins zu sein. Diese Episode wurde anscheinend mächtig von Orson Welles beeinflusst, wobei die Verfolgungsjagd unter dem Rathaus beinahe exakt aus dem Welles-Film nach Kafkas "Prozess" zu stammen scheint.

In "Schachmatt" ist Nummer Sechs der Königsbauer in einem Real-Schachspiel. Ein Turm-Spieler dreht durch und wird wegen "individuellem Verhalten" zur Aversionstherapie gebracht. Nummer Sechs aber glaubt, er könnte noch immer ein Kandidat für die gemeinsame Flucht sein. Nummer Sechs lässt sich auch von Nummer 14 beeindrucken, der behauptet, anhand der Haltung von entweder Unterwürfigkeit oder Arroganz zwischen Gefangenen und Wärtern unterscheiden zu können. Unter der Annahme, dass Mitgefangene tun würden, was man von ihnen verlangt und Wärter nicht, versammelt er eine Gruppe um sich, um über das Meer zu flüchten. An Bord des Fluchtschiffes wartet eine Überraschung auf ihn - auf einem Monitor erscheint das Gesicht von Nummer Zwei. Nummer Sechs ist in seine eigene Falle gegangen. Seine eigene Arroganz überzeugte seine Mitverschwörer, dass er einer der Wärter sei, der sie zu verführen versuchte.

"Die Glocken von Big Ben" zeigt Nummer Sechs als Fluchtkünstler. Seine geniale Holzarbeit mit dem Titel "Flucht" ermöglicht ihm zusammen mit einer neuen Gefangenen, der schönen Nummer Acht, die Flucht aus dem Ort über das Meer. Nach Monaten der Reise erreicht er das Londoner Büro seines Dienstes, aus dem er ausgestiegen war, so sieht es aus. Doch in dem Augenblick, da er beginnt, ihre Fragen zu beantworten, bemerkt er am Schlag von Big Ben, dass alles nicht das ist, nach was es aussieht.

In "A, B und C" dringt Nummer Zwei in Nummer Sechs' Träume ein, um herauszufinden, warum er den Dienst verlassen hat. Jeder der Buchstaben steht für eine Injektionsdosis, die bestimmte Träume befördern soll, in denen Nummer Sechs einer Person seine Beweggründe für den Rückzug vom Dienst anvertrauen könnte. Prima Ausgangsbasis, großartiges Ende.

"Der General" stellt eine Warnung vor Unterrichtsmethoden dar. Eine Art unbewusstes Schnelllernen pflanzt Faktenwissen in den Kopf. Was aber sind Fakten wert ohne Verständnis derselben? Im Stil von Captain Kirk und STAR TREK nimmt Nummer Sechs den Kampf auf gegen den "General" - einen raumgroßen Computer.

In "Der Doppelgänger" spielt McGoohan zwei Rollen - Nummer Sechs und sein Double Nummer 12. Nummer Sechs erhält eine massive Gehirnwäsche, die ihn glauben macht, er sei Nummer 12, um als Nummer Sechs' Double zu agieren, damit er selbst glaubt, er sei Nummer 12. Umgekehrt behauptet sein Double, er sei die richtige Nummer Sechs. Wer ist wer? Um das herauszufinden, muss man Gedankenlesen können...

"Herzlichen Glückwunsch" ist wieder eine Fluchtstory. Nummer Sechs wacht in einem völlig menschenleeren Ort auf, baut ein Floß und schafft es letztlich bis nach London zu seiner Wohnung und seinem Wagen. Er überzeugt seine ehemaligen Kollegen von der Existenz des Ortes und begibt sich mit einem Flugzeug auf die Suche. Als man ihn gefunden hat, sagt der Pilot: "Wir sehen uns!", den üblichen Gruß des Ortes, zu einer schockierten Nummer Sechs, der dann per Schleudersitz aus der Maschine geworfen wird und mit einem Fallschirm zurück in den Ort gelangt.

In "Das Amtssiegel" ist Nummer Sechs damit beschäftigt, einen Mordplan der neuen Nummer Zwei gegen die amtierende Nummer Zwei zu vereiteln. Um Verwirrung zu stiften, werden die Behörden von den "Jammers" laufend mit absichtlichen Falsch- und Alarmmeldungen versorgt. Wir lernen "Kosho" kennen, ein Trampolinspiel, das McGoohan erfunden hatte, bei dem der Gegner durch viel Herumspringen in ein Wasserbassin geworfen werden muss. Alles in allem eine konfuse, unbefriedigende Episode.

In "Sinneswandel" weigert sich Nummer Sechs noch immer, sich der Gemeinschaft im Ort anzuschließen. Daraufhin findet er sich von einem Bürgerkommitee als "Rebell", "Reaktionär" und "Dissident" angeklagt. Er wird für "gemeinschaftsfeindlich" erklärt und der "sofortigen Sozialkonversion" unterzogen - einer Gehirnoperation, die von der Ärztin Nummer 48 vorgenommen und im örtlichen Fernsehen übertragen wird. Anschließend erscheint Nummer Sechs als geläuterter Mensch, ruhig und unaggressiv, von den Ortsbewohnern als "soziale Umerziehung" begrüßt. Mittels eines Tricks bringt Nummer Sechs Nummer 48 später dazu zuzugeben, dass die Operation vorgetäuscht war und der Eindruck durch Drogen hervorgerufen wurde. Nummer Sechs, nun wieder im Besitz seiner Kräfte, setzt sie unter einen posthypnotischen Befehl und dreht den Spieß gegen Nummer Zwei um.

Nummer Zwei foltert Nummer 73 in "Hammer oder Amboss", bis sie sich aus dem Fenster zu Tode stürzt. Nummer Sechs schwört Rache und bringt Nummer Zwei sehr clever an den Rand des Wahnsinns, so verheerend, dass der sich selbst bei Nummer Eins abmeldet.

Identitätstransfer ist die Grundlage von "2:2=2". Nummer Sechs erwacht in seiner Londoner Wohnung und entdeckt, dass sein Verstand im Körper eines anderen Mannes steckt. Ein verschwundener Wissenschaftler wird gefunden, es gibt noch mehr Verstandestausch und einen hübschen Kniff am Ende. Die Story machte es möglich, ohne McGoohan zu drehen, was es ihm erlaubte, in die USA zu gehen und seine Rolle in EIS STATION ZEBRA zu spielen.

"Harmony", der erste Western, der für das Fernsehen in Großbritannien gefilmt wurde, beginnt mit einer Westernparodie auf die übliche Geschichte des Vorspanns mit dem Rückzug vom Dienst. Ein Mann in Westernkleidung reitet in die Stadt und legt sein Sheriffsamt nieder. Beim Verlassen der Stadt wird er von einer Bande Cowboys angegriffen und in einen Ort namens "Harmony" verschleppt. Nach einigen Westernabenteuern und einem Revolverduell, bei dem er eine Kugel in den Kopf bekommt, wird Nummer Sechs wach und findet sich im Ort wieder, umgeben von Pappbildern mit Westerngestalten darauf. Offenbar hatte man ihn unter Drogen gesetzt und die Sache ausagieren lassen. In den USA wurde diese Episode nicht gesendet. Man hielt es für ungeeignet, während des Vietnamkrieges friedensbewegte Nichtkämpfer zu zeigen.

Es folgt "3-2-1-0", eine Spionageparodie mit Justine Lord als Frau, die glaubt, sie und Nummer Sechs seien füreinander geschaffen: er als geborener Überlebenskünstler und sie als geborene Killerin. Ihre Methoden sind zum Lachen, von explodierenden Cricketbällen bis zu vergifteten Drinks in einer Bar. Und es wird noch besser: Ihr Vater glaubt, er sei Napoleon. Sie leben in einem Haus, das in Wirklichkeit eine Rakete ist, ihr Ziel: London. Schlau vereitelt Nummer Sechs ihre Pläne. "Und so rettete ich London vor dem verrückten Wissenschaftler", sagt Nummer Sechs zu zwei Kindern aus dem Ort, denen er die Geschichte vorgelesen hat, während Nummer Zwei und seine Busenfreundin heimlich lauschen. Eine Verbeugung in Richtung MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE.

Im Gegensatz dazu ist "Pas de deux" ein brutaler tödlicher psychologischer Kampf zwischen Nummer Sechs und Nummer Zwei (von Leo McKern ganz hervorragend gespielt). Eines nachts wird Nummer Sechs von Nummer Zwei einer Gehirnwäsche unterzogen. Er singt ihm Kinderlieder vor, und als Nummer Sechs erwacht, ist sein Verstand in die Kindheitsphase regrediert. Aber Nummer Sechs schlägt zurück, Nummer Zwei zeigt Schwächen und Verzweiflung und stirbt schließlich. Nummer Sechs hat seine Freiheit errungen und die Chance, Nummer Eins zu treffen.

So weit die PRISONER-Reihenfolge nach A&E. Nach wie vor gibt es viele Kontroversen darüber, wie die genaue Episodenabfolge auszusehen habe. McGoohan und die anderen mussten sehr schnell mehr Stories entwerfen, um Lew Grades Forderung nach 26 Episoden zu erfüllen. Für das erste Jahr wurden 13 hergestellt (vier davon wurden nach McGoohan "über's Wochenende" entwickelt), und nachdem die Ausgangsprämisse sich erschöpft hatte und die Zuschauerzahlen fielen, entschied man sich, die Serie zu beenden.

DIE LETZTE EPISODE "DEMASKIERUNG"

"Pas de deux" mündet nahtlos in die letzte, kontroverse Episode
"Demaskierung". In vielfacher Hinsicht ist das eine Geschichte für sich selbst, die ihre eigene Betrachtung verdient. Ob brilliant oder hohl, McGoohan hatte nur ein paar Tage, um die Serie zu beenden, und schrieb diese Episode unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Ausstrahlung erzielte Rekordzuschauerzahlen und machte Schlagzeilen wegen der sich daraus ergebenden Auseinandersetzungen. Die negative Reaktion war derart stark, dass anscheinend McGoohans Wohnung von Menschen belagert wurde, sodass er London für einige Wochen verlassen musste. Es ist eine ausgeflippte Geschichte.

DAVE BARRIE: THE MAJESTY OF FALL OUT

In Fortsetzung der Episode "Pas de deux" wird Nummer Sechs vom Supervisor und dem ubiquitären Mini-Butler zu Nummer Eins gebracht. Er betritt eine riesige Kaverne, deren eine Seite von technischen Geräten eingenommen wird, die andere von einem halbkreisförmig angeordneten Auditorium von in Roben und Kapuzen gekleideten Gestalten, von denen jede eine Vereinigung oder Interessengruppe aus dem Ort vertritt. Sie tragen scheußliche, halb weiß, halb schwarz geteilte Masken. Im Zentrum des Raums präsidiert ein Richter (Kenneth Griffith). Militärpolizei ist überall verteilt. Auf einer Art rotierender Wippe sitzen Männer mit Maschinengewehren, daneben befinden sich dampfende Öffnungen im Boden. Dann gibt es noch eine zylindrische Wand mit einem mechanischen Glasauge darin (Reminiszens an HAL *). The Richter beginnt mit einer langen, polternden Rede, während der einem jungen Mann, Nummer 48 (Alexis Kanner), den man aus einer der Bodenöffnungen hervorgeholt hat, eine Strafpredigt gehalten wird. Der erwidert mit einer komischen Mischung aus hippem Slang und Gesang - dem traditional Negro-Spiritual "Dem Bones". Anschließend wird die verstorbene Nummer Zwei wiedererweckt (Und es entsteht ein Kontinuitätsproblem, da McKern mit kurzem Haar, abrasiertem Bart und schlankerer Figur wiederbelebt wird! "Demaskierung" wurde Monate nach "Pas de deux" produziert).

Nummer Sechs erhält seinen Namen zurück - "Sir" -, eine Million Dollar in Reiseschecks, seinen Reisepass, Schlüssel zu seiner Londoner Wohnung und für seinen Wagen. Und er wird aufgefordert, zu den Maskierten zu sprechen. Aber seine Rede geht im Geschrei der Maskierten unter. Vom Richter bekommt er die Einladung zu Nummer Eins. Sie begeben sich in den Untergrund, vorbei an den eingesperrten Nummer Zwei und Nummer 48, und wieder eine metallene Wendeltreppe hinauf. Nummer Sechs befindet sich in einem Raum voller Gerätschaften und mit einfachen Erdgloben - sowie einer verhüllten Gestalt mit Kapuze, die ihm eine Kristallkugel überreicht. Während Nummer Sechs sie annimmt, bemerkt er einen Nummer-Eins-Anstecker, lässt die Kugel fallen und zieht Nummer Eins die Maske vom Gesicht - sie enthüllt das Antlitz eines Affen. Charles Darwins Schatten? Auch das Affengesicht ist eine Maske, das jenes von Nummer Sechs frei gibt! Nummer Eins ist Nummer Sechs? Dieses Gesicht ist aber eher das eines Es-Nummer-Sechs', das Töne ausstößt, brabbelt, wie ein verrücktes Kind herumtänzelt, und dann aus dem Raum flüchtet. Man fragt sich wirklich, ist das ernst gemeint oder was?

Nummer Sechs kehrt in den Kommandoraum zurück und dreht an den Schaltern. Jetzt erkennt man, dass es sich um das Innere einer Rakete handelt und Nummer Sechs die Startsequenz eingeleitet hat. In der oberen Kaverne kommt es zur Panik, die Massenevakuierung des Ortes beginnt.

Nummer Sechs steigt die Wendeltreppe hinunter, macht die Wachen kampfunfähig und befreit mit Hilfe des Butlers Nummer Zwei und Nummer 48. Zurück in der zentralen Kaverne bricht ein Feuergefecht aus. Sie töten die Wachen und entkommen in einer mobilen Zelle, die in Wirklichkeit auf einem Tieflader montiert ist und zuvor in "Pas de deux" zu sehen war. Damit donnern sie durch einen unterirdischen Tunnel. Die letzte Einstellung des Ortes zeigt die gerade startende Rakete.

Wundersamerweise befinden sich die Flüchtenden nun auf der A20 in Richtung London. Sie werfen die Gegenstände aus der Zelle. Nummer 48 steigt unterwegs aus und versucht es als Anhalter auf eigene Faust. Nummer Zwei steigt neben den Houses of Parliament aus, und Nummer Sechs kehrt mit dem Butler zu seiner Wohnung zurück. Die Tür öffnet sich selbständig, als er sie betritt - entlarvend, da im Ort sich immer alle Türen automatisch öffneten. Nummer Sechs setzt sich in seinen Wagen und fährt davon. Nach einem Donnerschlag sieht man ihn auf einer Rollbahn genau so wie in der Titelsequenz.

BRILLIANT ODER HOHL

Ungeachtet der künstlerischen Verdienste, muss man zugeben, dass "Demaskierung" eine wirklich einzigartige Fernsehstunde ist. Ich weiß nicht, ob sich jemals zuvor eine Serie mit voller Absicht "beendet" hat wie diese. Aber selbst wenn man einen extra Serienabschluss gehabt hätte, bin ich sicher, es wäre darauf hinausgelaufen, die offenen Fragen zu klären und alles nicht noch undurchsichtiger zu machen.
Bei allem Genie eines McGoohan, diese abschließende Episode ist, in letzter Analyse, eine konfuse und verwirrende Nebelschwade voller zart-schwebender Ideen und aus Schlafmangel entstandener Bilder.

Bilder, die sich höher und höher aufeinander türmen, bis das Ganze sich in Unverständlichkeit verwandelt. Weder das Publikum noch die Beteiligten kannten während der Serie die Identität von Nummer Eins. Ich will damit nicht sagen, McGoohan hätte sich seinem Publikum anbiedern und ihm einen Schurken in James-Bond-Manier präsentieren sollen, der der Ausgangsidee der Serie widersprochen hätte. Nach verpasster Gelegenheit sieht es aus, wo McGoohan doch einen sehr guten Gedanken hatte, Nummer Eins ist Nummer Sechs. Das hätte die Ironie vollendet, dass wir alle Gefangene unserer Selbst sind, gefangen im Dualismus von Gut und Böse. Dieses philosophische Möbiusband - das zwei Oberflächen in eine überführt - ist eine großartige Idee und verdient Besseres als das, was wir hier geboten bekommen.

SIX OF ONE?
(IST DOCH JACKE...)

Also, was macht nach so vielen Jahren aus THE PRISONER einen Kultklassiker? Sechs Gründe fallen mir ein:

Das kreative Team.
Das ursprüngliche Team von McGoohan, Produzent David Tomblin, Skriptredakteur George Markstein und Art Director Jack Shampan hatte etwas Magisches. Sie hatten alle bei DANGER MAN gearbeitet, kannten sich also gut, und jeder hatte wiederrum eine zuverlässige Gruppe von begabten Leuten zur Verfügung. Und durch die wunderbare Kombination von wenig Zeit und viel Geld entwickelten sie ein Konzept, das bei weitem großartiger war als die Summe seiner Teile.

Die Ausgangsprämisse.
Man beginne mit einem großen Entwurf: Jemand legt seinen Job als Spion nieder, wird gefangen genommen, irgendwo weit weg eingesperrt, und man versucht auf clevere Art und Weise, ihn zum Sprechen zu bringen und ihn in die Bevölkerung des Gefängnisses einzugliedern. Man peppe das Ganze auf mit dem Ort - The Village -, den endlosen Paraden von neuen Nummer Zweien, mit Science-Fiction-Elementen, dem Rätsel um Nummer Eins sowie dem vermeintlichen Sieg des Individuums, dann hat man eine großartige Plattform als Basis für reizvolle Stories. Das wahre Gold liegt jedoch unter dem Glitzer: nämlich die Grundidee, dass wir alle Gefangene sind, Sie und ich, und dass wir die Anlagen für unsere eigene Vernichtung in uns tragen.

Das schauspielerische Talent.
Von McGoohan abgesehen, der praktisch in jeder Episode präsent ist, vereinnahmte die Serie die besten Fachkräfte Großbritanniens zu jener Zeit. LeoMcKern ist außerordentlich gut, ebenso wie Alexis Kanner, der drei Mal zu sehen ist. McGoohan bringt seinen "Blick", dieser leicht-nach-oben-in-die-Kamera gerichtete, dazu von tief unten heraus blitzende Augen, die selbstsichere Herausforderung mit einem ironischen Grinsen, die geeignet ist, alle in seinem Umkreis in Unruhe zu versetzen. Mit leichtem Singsang in der Stimme und angenehmem Tonfall sowie Ausbrüchen von gewaltsamer Aktivität wird er zur Verkörperung von Nummer Sechs, so wie James Bond für immer Sean Connery bleibt.

Stil und Inhalt.
Nicht nur die Stories waren einzigartig, Bahn brechend war auch die Art und Weise, wie es gefilmt wurde. Das gekappte Sprechen passt perfekt zusammen mit den Markenzeichen der Serie wie schnelle Zooms, vordergründige Toneffekte, mitreißende Musik, helle Ausleuchtung, Teleaufnahmen und immer wieder schnelle Schnitte; sehr effektvoll genutzt in den verbal gewalttätigen Verhörszenen. Dann gibt es den Kontrast des viktorianischen Hochrades und der ausgefallenen Architektur des Ortes zur Hi-Tech-Untergrundwelt von Nummer Zwei und dem tödlichen Rover.

Art Direction.
Jack Shampan hätte für sein PRISONER-Design Preise verdient gehabt. Obwohl McGoohan das Hotel Portmeirion schon Jahre vorher für DANGER MAN ausgemacht hatte, trugen die Detailsorgfalt, die Kostüme, das Käfigartige des Kontrollraumes, die unterirdischen Sets zur Glaubwürdigkeit der überdrehten Geschichten bei. Hilfreich war natürlich, dass er ein großzügiges Budget zur Verfügung hatte.

Die ewigen Rätsel.
Weder vorher noch danach hat eine Fernsehserie so viele Fragen aufgeworfen und unbeantwortet gelassen: Wer ist Nummer Sechs? Warum hat Nummer Sechs seinen Job aufgegebeben? Wo ist der Ort? Wer beherrscht den Ort? Und, am wichtigsten, wer ist Nummer Eins? Und der Knaller aus "Demaskierung" Nummer Sechs ist Nummer Eins wird seltsamerweise von den meisten Kommentatoren entweder ausgeblendet oder sie üben Widerspruch. Diese unbeantworteten Fragen haben die Serie offen und unaufgelöst gelassen. Was wiederrum sehr viele Leute zu der ebenfalls rätselhaften Aufgabe bewogen hat, dieser albernen Übung einen Sinn zu verpassen.

HALF A DOZEN OF THE OTHER?
(... WIE HOSE?)

UNÜBERSETZBARE REDEWENDUNG; ANM.D.Ü.

Klar, was die Serie großartig machte, birgt in sich den Keim der Zerstörung. Es geht um Beobachtung und Ironie. Vieles an THE PRISONER ist schwerfällig und irritierend.

Der McGoohan-Faktor.
Egal, welche kreative Rolle das Kernteam spielte, THE PRISONER ist im Grunde McGoohans Kind. Obgleich kulturell in den liberalen und toleranten 60er Jahren verwurzelt, lagen McGoohans Sympathien nicht bei den aufsässigen, linken Kriegsgegnern, Studenten und Vertretern des Sex-n-Drugs-and-Rock-n-Roll. "Sehr puritanisch" sei er gewesen, sagte Co-Star Alexis Kanner. "In 'Living In Harmony' mussten wir über die Brüste einer toten Frau einen Schatten werfen. Patrick war dazu gekommen, und jeder wusste, dass er nicht einverstanden war. Ich meine, er hat James Bond abgelehnt. 10 Millionen Dollar hat man ihm angeboten, und ich weiß, dass es wahr ist, nur dafür, mit ihm über die Rolle von James Bond zu sprechen." Dieser puritanische Aspekt zeigt sich vielfach: Es gibt in der Serie eine ganze Reihe (für die Zeit) fantastischer Frauen. Aber Nummer Sechs verabscheut es, eine Frau auch nur berühren, geschweige denn, sich mit ihr einzulassen. Markstein wirft McGoohan vor, gern die Rolle Gottes zu spielen, und Nummer Sechs hat ganz sicher etwas Gottähnliches; so, wie er die Niederlage aller teuflischen Nummer Zweien züchtig plant (der letzte stirbt sogar), und dann am Ende zur Musik des Gospel-Klassikers "Dem Bones" sich selbst befreit. McGoohans Schritt vom Schauspieler zum Produzenten/Autor/Regisseur/Cutter (engl. editor kann auch Redakteur sein; Ü.) wird allgemein als misslungener Versuch angesehen.

Die Ausgangsprämisse.
Wie McGoohan bemerkt, ist es einfach, sieben Folgen aus der Ursprungsidee heraus zu entwickeln, aber nicht so einfach, das über 17 Episoden hinaus zu strecken. Die zehn Füllepisoden bewegen sich weg von der Spion-gegen-Spion-Idee mit dem Wer-ist-der-Raffiniertere-von-uns und hin zum gesellschaftlichen Kommentar mit Unterformen wie Satire (Erziehung, Politik), Ulk (andere Spionageserien) und Allegorie (Western). Das Dumme ist nur, das PRISONER-Basiskonzept ist schlicht der Kampf zwischen Gut und Böse, den wir in uns selbst führen, stellvertretend dafür der sogenannte Freie Mensch und die Repressive Gesellschaft. Man hört beinahe Freud-Geschnatter im Unbehagen an der Zivilisation. Kann eine Institution einen Einzelnen bis zu dem Punkt zerbrechen, dass er sich selbst verrät? Natürlich nicht, wenn die Serie auch nächste Woche weitergehen soll. McGoohan und die anderen müssen sich also wohl oder übel all die Maßnahmen ausdenken, wie Nummer Sechs bedroht, aber nicht geschlagen wird. Suspense ist da nicht möglich, bleibt also Cleverness. Ach, und wie schwer es ist, diesen Weg einzuhalten.

Das Rover-Syndrom.
Der tödliche Wasserball übernimmt viel zu oft die Rolle des deux-ex-machina. Er scheint überhaupt nur deswegen zu existieren, um Orts-Bewohner davon abzuhalten, in die Umgegend zu marschieren. Dass er töten kann, macht ihn so bedrohlich wie das Gebrüll bei seinem Erscheinen. Ursprünglich sollte Rover ein Vehikel sein ähnlich wie ein Berliner-Pfannkuchen, das über Wände klettern, schweben und tauchen konnte. Am ersten Drehtag fuhr man es ins Meer und es sank prompt. Angeblich stand McGoohan gerade am Strand und überlegte sich den nächsten Schritt, als Produktionsmanager Bernie Williams Wetterballons am Himmel sah, die er McGoohan zeigte. Der veranlasste, dass einer zur Begutachtung beschafft wurde. Während der gesamten Serie verbrauchte man angeblich über 6000 Stück. "Sie gingen sehr leicht kaputt", erklärte Williams. Aber man brachte sie doch dazu, sich so bewegen, als ob sie intelligent wären. Man könnte hier argumentieren, dass Rover auf ebenso düstere Weise für das "Altmodische" steht wie das immer präsente Pennyfarthing-Hochrad. Aber er ist eins von mehreren Science-Fiction-Absonderlichkeiten, die, technisch gesehen, den ganzen Rest dieses lächerlich anitquierten Village-Computerzeugs bei weitem ausstechen. Vieles von der Science-Fiction in THE PRSIONER wäre im Grunde heutzutage noch fabelhaft und ist doch zu magisch für das Meiste der PRISONER-Technologie.

Die idiotischen Rätsel.
Schon ein flüchtiger Blick durch das Internet bringt eine ganze Anzahl großer PRISONER-Websites zu Tage, die sich alle, so sieht es aus, auf Theorien über die "wahre Bedeutung" der Serie eingeschossen haben. Man könnte vielleicht einwenden, der Gedanke, alles immer offen zu lassen, ist die Basis für den elliptischen Stil. THE PRISONER nutzt jedoch allzu gerne das menschliche Bedürfnis nach Ordnung im oder aus dem Chaos und bedient so gerade das Chaos, aus dem Theorien entspringen. McGoohan wird immer wieder zitiert, dass er mit der Serie Diskussionen anregen wollte, und das Ziel hat er erreicht. Man fragt sich aber doch, wo die Grenze zwischen gutem Geschichtenerzählen und bloßer Publikumsmanipulation überschritten wird.

Ob Nummer Sechs John Drake aus DANGER MAN ist oder nicht, ist eine diskussionswürdige Frage ohne Substanz. Der Punkt ist, Nummer Sechs ist fast ein Außenseiter, ein Superman mit höherem Bewusstsein und unbeugsamen Willen und Geist und einem harten Kinn. Letztlich ist Nummer Sechs vom omnipotenten Gesichtspunkt aus das Publikum in der Erfüllung der zeitgemäßen Heldenrolle. Dass John Drake nicht Nummer Sechs ist, hat McGoohan selbst mehrfach betont. Dafür gibt ein paar praktische wirtschaftliche Gründe. Denn wenn Nummer Sechs John Drake wäre, hätte man Ralph Smart, dem Autor und Produzenten von DANGER MAN, Tantiemen zahlen müssen.

Warum hat Nummer Sechs sich vom Dienst zurückgezogen?
Mit beängstigender Regelmäßigkeit kommt und geht eine neue Nummer Zwei und versucht vergebens, diese Frage zu beantworten. Warum interessiert sie das überhaupt? Über die ganze Serie hinweg gibt Nummer Sechs einige dünne oder unscheinbare Antworten darauf, und warum? Was ist dabei, Nummer Zwei zu sagen, dass man den Job hingeworfen hat, weil man kein Geheimagent mehr sein wollte? Man ist versucht, sich noch mehr und bessere Fragen für einen Agenten von der Statur eines Nummer Sechs' auszudenken. Aber diese ganze "Rücktrittsfrage" führt einen zu George Markstein zurück, der die Ursprungsidee der Serie und der ersten Folge entwickelt hat, und in die Akten einging, er habe sich in die Hosen gemacht, dass McGoohan von DANGER MAN zurückgetreten sei und so die meisten seiner Mitarbeiter um ihren Job brachte. In "Die Ankunft" wird behauptet, die Vorgesetzten von Nummer Zwei erachteten Nummer Sechs' Wissen als sehr wertvoll, und man argwöhnt schließlich, dass sie Nummer Sechs ebenso gut töten wie zum Reden bringen würden. Und selbst wenn er reden würde, wäre er dazu verdammt, den Rest seiner Tage im Ort zu bleiben.

Wo ist der Ort?
Noch einmal: Wen interessiert das? Schon wahr, Nummer Sechs droht damit, zu fliehen, zurückzukehren und die Blase in die Luft zu jagen. In "Demaskierung" schließlich zerstört er den Ort ja auch. Ist der Ort irgend etwas mehr, was er symbolisiert - das "äußerliche und sichtbare Zeichen" für das innere Unheil einer repressiven Gesellschaft? Der Dualismus der Serie setzt das Altmodische und visuell Aufregende des Ortes in den Außenaufnahmen hübsch gegen die futuristischen Technologiekäfige der Innenaufnahmen mit Nummer Zwei und seiner/ihrer Entourage. McGoohan tut ungeschickterweise noch mehr dazu, alles im Trüben zu belassen: die wahre Lage des Ortes wird in drei Episoden thematisiert. In jeder findet er sich ganz woanders. Schlechtes Drehbuch oder die Absicht, mehr Durcheinander zu erzeugen?

Wer kontrolliert den Ort?
Diese Frage wird von Nummer Sechs immer wieder gestellt, aber nie offen beantwortet, was für eine Menge Diskussionsstoff sorgte: Kapitalisten oder Kommunisten? Aus heutiger Sicht scheint der Ort völlig eindeutig kulturell eine britische Erfindung zu sein, und Nummer Sechs' Peiniger sind seine Ex-Arbeitgeber.

Was ist mit der Episodenreihenfolge?
Einfach völlig töricht. Niemand kennt die genaue Reihenfolge, in der man die 17 Folgen sehen sollte. Die Episoden 1, 16 und 17 sind ohne Zweifel so korrekt in der Abfolge, aber alles andere bleibt diffus. In "Free For All" und "Die Anklage" gibt es Reden, die auf einen frühen Zeitpunkt schließen lassen, danach kann man nur raten. Warum? Weil die Produktion sehr unter Zeitdruck stand und man die Episoden so sendete, wie sie fertig und nicht etwa geschrieben wurden. Auf dieser A&E-Box gibt es tatsächlich einen Hinweis mit dem Titel "Diskussion über die Reihenfolge" unter jeder Episodenbeschreibung. Hier wird versucht darzulegen, warum diese spezielle Episode gerade an dieser Stelle kommt. Die von McGoohan so bezeichneten sieben Kernepsioden, die "wirklich zählen", sind (nach seiner Reihenfolge): "Die Ankunft", "Free For All", "Die Anklage", "Schachmatt", "Die Glocken von Big Ben", "Pas de deux" und "Demaskierung".

Die Orson-Welles-macht-Kafka-Connection.
Man muss kein Kenner der Literatur des 20. Jahrhunderts sein, um an Querverbindungen zwischen THE PRISONER und Franz Kafka zu denken. Jede Geschichte, die mit Entfremdung und der Undurchschaubarkeit des bürokratischen Staates zu tun hat, ist letzten Endes eine Hommage an den Großen Nicht-Meister selbst. Hier, in diesem Fall, ist die Verbindung eher indirekt. So gibt es zwischen THE PRISONER und Orson Welles' Filmversion von Der Prozess mit Anthony Perkins zahlreiche visuelle Parallelen. Man sagt, McGoohan halte sehr viel von Welles. Aber dennoch führt jede Frage nach einem direkten Einfluss zu endlosen Spekulationen, die THE PRISONER nach wie vor wie ein intellektueller Nebel umgeben. Oder wie von Kafka.

Die üblichen DVD-Bonusfeatures.
Das 10er-DVD-Set von A&E enhält ein paar Perlen, es hätten aber mehr sein können. Zu den 17 Episoden gehören:

- Bemerkungen zur Produktion (interessant)
- Hinter-den-Kulissen-Interviews mit dem Production Manager der Serie, Bernie Williams (interessant)
- Ultra-rare Originalaufnahmen von den Drehbarbeiten in Portmeirion 1966, mit Kommentaren von Williams (auch interessant)
- Bonus: "The Prisoner Video Companion" (nicht besonders interessant)
- Die seltene alternative Version der Episode "Die Glocken von Big Ben" (mit nicht-wesentlichen Änderungen)
- Selten zu sehende ausländische Registratur-Szenen des Vorspanns (gähn)
- Selten zu sehender Vor- und Abspann ohne Text (gähn)
- Original Fernseh-Trailer (60er Hype)
- Ansammlung von original Produktions- und Promotion-Material (cool)
- Galerie mit Produktionsstandbildern (cool)
- Interaktive Karte des Ortes (gähn)
- PRISONER-Trivia (interesant)

Alles gut und schön, aber man hätte gern einen Voice-over-Kommentar von McGoohan über der letzten Episode "Demaskierung" gehabt. Darin hätte er vielleicht einige Einsichten und Erklärungen geben können hinsichtlich der vagen surrealen Aspekte dieses doch sehr unordentlichen Serienabschlusses. Vielleicht aber würde eine dezidierte "Erklärung" des Ganzen den Spaß an den eigenen Schlussfolgerungen verderben. Oder aber, vielleicht gibt es überhaupt keine Erklärung!

Es bedeutet, was es ist.
Was macht THE PRISONER so besonders? Wahrscheinlich ist es, ironischerweise, gerade seine Komplexität und Konfusion - genau die selben Dinge, die ihn für sein ursprüngliches und darauf folgendes Publikum unverständlich und damit unpopulär machten. Ohne Zweifel bezieht THE PRISONER seinen fortdauernden intellektuellen Charme aus dem Produktionschaos, der unhinterfragten Subjektivität von McGoohans künstlerischer Vision, der ungerichteten Vereinnahmung verschiedener philosophischer Konzepte sowie aus der Art und Weise, wie die Serie sich allzu einfacher Einordnung entzieht. Der Verdacht beschleicht einen, dass THE PRISONER, wenn alles professionell geplant und durchgeführt worden wäre und George Markstein, wie anfänglich geplant, seinen "realitätsbezogenen" Kurs hätte durchhalten können, wohl nur eine weitere gut gemachte, ganz interessante, aber konturlose gewöhnliche Serie - wie DANGER MAN - geworden wäre.

Die Frage schließlich, worum es in THE PRISONER geht, hat nichts damit zu tun, worum es geht. Es muss keinen besonderen Sinn ergeben, es muss nichts Spezielles bedeuten. Was lernen wir bei der kunsthandwerklichen Ausstellung in "Die Glocken von Big Ben":

Ein Jurymitglied: "Wir sind uns nicht sicher, was es bedeutet."
Nummer Sechs: "Es bedeutet, was es ist."

Ganz genau. Im größten aller Bilder gibt es wahrscheinlich nur zwei Punkte zu betonen: Der Gefangene ist ein Gefangener seiner eigenen Entstehung. Und ein Gefangener bleibt er, weil wir alle Gut und Böse in uns haben, Gefangener und Wärter. Erinnert Sie an Ich, Über-Ich und Es?

Sich selbst einkerkern.
Verworren oder nicht, in seinen besten Momenten hat THE PRISONER ausgezeichnete Stories zu bieten, gut geschrieben, gut gefilmt, mit ordentlicher Regiearbeit und Montage und, ja, guter Schauspielerei. Ähnlich wie 1984 strotzt die Serie vor Ideen von repressiver Gemeinschaftlichkeit: "Fragen belasten die anderen, Antworten machen einen unfrei" und "Ein stille Zunge für ein glückliches Leben" (Anm.d.Ü.: in der deutschen Fernsehfassung: "Wer schweigt hat ein glückliches Leben"). Nur zwei offensichtliche Beispiele.

Herausragende Episoden sind "Die Glocken von Big Ben" mit einem brillianten Plot; "The Schizoid Man" wiederrum sehr originell; "Herzlichen Glückwunsch" mit dem dialogfreien Anfang; "A, B und C" mit dem vermutlich besten Schluss aller 17 Episoden; und "Die Ankunft", die auf schaurige Weise die Grundlagen legt und die Figuren einführt.

"Ich nehme an, THE PRISONER gehört zu den Dingen, von denen tausend Menschen tausend verschiedene Interpretationen haben, was, glaube ich, etwas sehr Erfreuliches ist. Ich bin froh, dass es so war. Denn das war die Absicht." - Patrick McGoohan

Glückwunsch, Patrick. Ihre Absicht war erfolgreich. Und zweifellos besser, als Sie es sich jemals vorgestellt haben. Schließlich hat es Ihre Serie sogar bis in DIE SIMPSONS geschafft.

Rick McGrath (2001)

*) Hier irrt der autor, wenn es auch schön gewesen wäre. Denn THE PRISONER - NUMMER 6 kam 1967 und damit vor 2001 ins fernsehen, wenn auch in verschiedenen ländern und regionen zu unterschiedlichen zeiten. Die US-premiere von 2001 - ODYSSEE IM WELTRAUM, Regie: Stanley Kubrick, war anfang April 1968.

Der originaltext dieser mehr als DVD-besprechung ist auf Rick McGraths homepage unter www.RickMcGrath.com zu finden. Veröffentlichung mit freundlicher genehmigung des autors.


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