THE TALLY HO READ ALL ABOUT IT!
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WAS WAR... THEMEN 2009
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BLICK
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BLICK NUMMER 6 - PRISONER CONVENTION
RÜCKBLICK 1969: DEUTSCHE FERNSEHPREMIERE
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RÜCKBLICK 2010: ARTE BRINGT NUMMER 6 ZURÜCK
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...IM INTERVIEW
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THE MAJESTY OF "FALL OUT"

"FALL OUT": THE IMPOSSIBLE DREAM

"DEMASKIERUNG": DER UNMÖGLICHE TRAUM

I'M INDEPENDENT, DON'T FORGET
SEVEN FROM SIX

RAKOFF'S FABLES - INTERVIEW MIT IAN L. RAKOFF

"DIE ANKLAGE": DUNKLE TRÄUME UND LANGE SCHATTEN

ARNO BAUMGÄRTEL
IM DORF - EINE LINGUISTISCHE LANDPARTIE

AKTENABLAGE: VON EPISODEN, DIE KEINE WAREN
DER AKADEMISCHE PRISONER

BILDER AUS WALES - KLEINE PANORAMEN

BILDER VON DER PRISONER-CONVENTION
PORTMEIRION: BAUTEN IN BILDERN
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WER SIND SIE? - DIE NEUE NUMMER SECHS

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DIE DEUTSCHE DVD

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AUF DIE REIH GEBRACHT (2) DIE REIHENFOLGE

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PUTTING THE PRISONER IN ORDER (3) DIE REIHENFOLGE

COOL CUSTOMER - PROFIL: GEORGE MARKSTEIN

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ICH BIN EIN BERLINER

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NUMMER 6 ODER DAS GESPENST DER FREIHEIT

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DER ANARCHISCHE PRISONER

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DAS LA-TAPE

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DER MANN HINTER NUMMER 6

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DIE FIGUR IST NATÜRLICH REIN FIKTIV

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INTERVIEW MIT TOM WORRALL

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"DER SCHWARM"

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...IM INTERVIEW

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STUDIO DAYS: THE MGM BACKLOT

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INTERVIEW MIT PATRICK McGOOHAN

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ICH BIN KEINE NUMMER, ICH BIN EIN MENSCH

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NUMMER 6 ODER:
DAS GESPENST DER FREIHEIT

Von Jean-Marc Lofficier

Sinn und zweck von NUMMER 6 ist es vielleicht nicht, antworten zu liefern, sondern fragen zu stellen. Wie bei Samuel Beckett: Es gibt keine Antworten. Godot trifft nie ein. Aber die erwartung oder die suche nach deutungen in NUMMER 6 zwingt die zuschauer und regt sie an, nicht bloß zu denken, sondern nach- oder darumherumzudenken.

Vor 10 jahren (mehr...) erschien zum ersten mal etwas, das zum großerergnis der science-fiction im fernsehen avancierte: THE PRISONER - NUMMER 6, eine englische serie von 17 episoden, ersonnen und dargestellt von Patrick McGoohan. Eine allegorie, die man ohne zu zögern einzigartig nennen kann. Die wiederholung im britischen fernsehen ist für uns der anlass, diese außergewöhnliche serie im detail zu betrachten, Und dabei wünschen wir uns, sie auch auf unseren kleinen bildschirmen in gänze und bei voller konzentration wiederzusehen.

Zu beginn der ersten episode, mit ihrer berühmten titelsequenz, die allen anderen episoden (außer "Demaskierung") vorangeht, hört man düstere donnerschläge aus blauem himmel heraus. Auf einer verlassenen straße nähert sich ein punkt, kommt rasch auf uns zu. Es ist ein kleiner Lotus 7, gelb und grün, mit dem

AUS DEM FRANZÖSISCHEN VON ARNO BAUMGÄRTEL
EDITORISCHER
HINWEIS

kennzeichen KAR120C. Der fahrer darin ein mann (Patrick McGoohan) mit einem markanten gesicht voll finsterer entschlossenheit. Das fahrzeug bewegt sich durch den Londoner verkehr, vorbei an Westminster und verschwindet über eine rampe im untergrund. Mit großen schritten im dunkeln durchbricht

der mann die ruhe eines vornehmen raumes. Geräuschvoll wirft er sein rücktrittsschreiben auf den schreibtisch eines unbewegt dahinter sitzenden bürokraten (gespielt - oh ironie! - von George Markstein, dem ko-autor von NUMMER 6). Wir werden zeuge seines rücktritts als geheimagent von einer hohen stellung beim britischen geheimdienst.

Zurück in seiner wohnung packt der mann die koffer, zweifellos bereit, seinen verdienten urlaub zu nehmen. Draußen fährt unterdessen ein leichenwagen vor, eine schwarz gekleidete gestalt steigt aus... Während des kofferpackens hält der mann witternd inne. Gas dringt durch das schlüsselloch. Er fällt um. Bevor er ohnmächtig wird, erblickt er - zum letzten mal? - die ihn durchs fenster verhöhnenden Londoner gebäude.

Où suis-je?
- Au Village.

Wieder bei bewusstsein findet er sich in einem raffiniert ausgestatteten ambiente wieder. Überraschung, als er aus dem fenster sieht: Das haus, in dem er sich aufhält, ist teil eines charmanten ortes mit ganz besonderer architektur, auf der einen seite von meer umgeben, auf der anderen von bergen und wald. Später, auf einem plan des ortes, erkennt er dessen namen: "The Village" ("der Ort"), die umgebung "das Meer", "die Berge" und "der Wald". Die übrigen bewohner dieser merkwürdigen welt grüßen den neuankömmling nach der nummer seines hauses mit "Nummer Sechs". Sie tragen außerdem mit nummern versehene anstecker und mit einem symbol des Ortes: das "Pennyfarthing" (ein hochrad mit einer markise als sonnendach).

MEHR: RANDY & JEAN-MARC LOFFICIERS WEBSITE
2010: ARTE BRINGT NUMMER 6 ZURÜCK INS FERNSEHEN
1969 - 2009: 40 JAHRE NUMMER 6
EPISODENTRANSKRIPT: "DIE ANKUNFT"
MEHR: NAMEN UND NUMMERN
MEHR: WAHLKÄMPFER NUMMER SECHS
PATRICK McGOOHAN: DAS TROYER-INTERVIEW
INTERVIEW: PATRICK McGOOHAN MIT ALAIN CARRAZÉ
PORTMEIRION - DER ORT

Nummer Sechs macht entdeckung auf entdeckung: Die elektrischen (1) minitaxis stehen den bewohnern zur verfügung, fahren jedoch nie außerhalb der erlaubten grenzen des Ortes; die örtlichen telefone erlauben nur gespräche innerhalb des Ortes; postkarten des Ortes gibt es nicht... auch wenn der briefträger kommt, er fährt niemals weg. Nummer Sechs erfährt, dass der gesamte Ort ständig überwacht wird: überall mikrofone und kameras, offensichtlich oder versteckt, ebenso andere "gadgets", teils von finsterem nutzen...

Doch der Ort selbst mit seiner bizzarren architektur, seinem dom, den treppen und farbenfrohen häusern ist zauberhaft. Das haus nummer 6 besitzt allen modernen komfort und wird zudem von einem zimmerservice versorgt. Es gibt auch ein kino, einen vergnügungspark, eine tageszeitung (der "Tally Ho"), feiern und wettbewerbe. Mit seinem rathaus, dem demokratisch gewählten stadtrat, dem (auf gehirnwäsche spezialisierten) krankenhaus sowie einem friedhof ist der Ort eine automome welt. Tatsächlich ist er ein gefängnis für das ganze leben, "besser als Sing-Sing, aber immer noch ein gefängnis!" Wie heißt es in "Herzlichen Glückwunsch":

Nummer Sechs: Ein Ort, wo man mit jedem auf irgend eine Art fertig wird. (...) Sie haben ihr eigenes Kino, ihre eigene Zeitung, ihren eigenen Fernsehsender. Eine eigene Währung. Und wenn man ein braver Junge ist, und alle Geheimnisse ausspuckt, dann wird man gnädig aufgenommen. Auch in das Altersheim."

Colonel: "Aber fliehen kann man nicht."

Nummer 6: "Sie haben auch einen sehr eindrucksvollen Friedhof."

Dans quel camp êtes vous?
- Vous le saurez en temps utile.

Wer hat Nummer Sechs entführt? Die aus dem westen, um ihn in seiner bewegungsfreiheit einzuschränken? Um zu verhindern, dass etwas verrät? Oder die aus dem osten, um ihn zum sprechen zu bringen? Um an seine geheimnisse zu kommen? Oder vielleicht ist er zum opfer einer internationalen verschwörung geworden, wie Nummer Zwei aus "Die Glocken von Big Ben" meint:

Nummer Zwei: "Deshalb spielt es für mich keine Rolle, wer Nummer 1 ist. Es ist mir ganz egal, zu welcher Seite dieser Ort gehört."

Nummer Sechs: "Er gehört also zur einen Seite, oder zur andern."

Nummer Zwei: "Selbstverständlich. Aber sie unterscheiden sich nicht mehr. Was ist hier in Wirklichkeit entstanden: Eine internationale Gemeinschaft. Der perfekte Entwurf für eine neue Weltordnung. Wenn die beiden Seiten einander anschauen, werden sie plötzlich merken, dass sie in einen Spiegel sehen. Sie werden erkennen, dass das das Modell der Zukunft ist."

LE PRISONNIER EN FRANCE
- les épisodes

L'Arrivée (Arrival)
Le Carillon de Big Ben (The Chimes of Big Ben)
A, B et C (A, B & C)
Liberté pour tous (Free for All)
Double personnalité (The Schizoid Man)
Le Général (The General)
Le Retour (Many Happy Returns)
Danse de mort (Dance of the Dead)
Échec et mat (Checkmate)
Le Marteau et l'Enclume (Hammer Into Anvil)
L'Enterrement (It's Your Funeral)
J'ai changé d'avis (A Change of Mind)
L'Impossible Pardon (Do Not Forsake Me, Oh My Darling)
Musique douce (Living in Harmony)
La Mort en marche (The Girl Who Was Death)
Il était une fois (Once Upon a Time)
Le Dénouement
(Fall Out)

Die episode "Der General" wurde vor der französischen erstsendung im frühjahr 1968 aus rücksichtnahme auf staatspräsident Charles de Gaulle, der den beinamen "General" trug, in "Le Cerveau" - "Das Gehirn" - umbenannt. Jahre nach seinem tod erst erhielt die episode ihren angestammten namen zurück.

Die französische fernsehpremiere war am 18.02.1968 bei ORTF, jedoch ohne die episoden 13, 14 und 15. Die letzte episode wurde am 12.05.1968 ausgestrahlt.

Nummer Sechs: "Die ganze Erde, wie das hier."

Nummer Zwei: "Das ist meine Hoffnung."

Dafür gibt es viele anzeichen, von episode zu episode jedoch auch widersprüchliche: wodka (ohne alkohol!) kostet 16 arbeitseinheiten, der whisky kostet 24! Das double von Nummer Sechs in "Der Doppelgänger" heißt Curtis; Nadia bestätigt, der Ort liege im Baltikum, aber das ist eine lüge ("Die Glocken von Big Ben"); die ehemaligen kollegen von Nummer Sechs behaupten, er liege irgendwo an der spanischen küste, allerdings wird Nummer Sechs von ihnen verraten ("Herzlichen Glückwunsch"). Der Ort könnte tatsächlich irgendwo sein. Auf einem umweg vielleicht ("Harmony")? Einmal ist er überall und doch nicht von dieser Welt.

Nach George Marksteins worten war es sehr wohl "absicht, dass der Gefangene - und mit ihm die zuschauer - niemals wissen sollte, in wessen fängen er sich befand und ebenso, wo er festgehalten wurde."

Que voulez-vous?
- Des renseignements!

Als Nummer Sechs in der "Ankunft" zu demjenigen gebracht wird, der den Ort - körperlich, als person - leitet, nämlich Nummer Zwei (im unterschied zu Nummer Eins, die man nur sehr indirekt wahrnimmt: am roten telefon usw.), erfährt er den grund seiner entführung:

Nummer Zwei: "Was Sie wissen, ist unbezahlbar. Ich glaube, Sie ahnen nicht, was für einen wert Sie darstellen. Ein mann wie Sie ist teure ware auf dem freien markt. (...) Viele leute hätten gern gewusst, warum sie Ihre arbeit niedergelegt haben."

Warum haben sie sich zurückgezogen? Warum? Warum?

Das ist die frage, die die herrscher über den Ort antreibt. Alle versuche, Nummer Sechs zu brechen, dienen letztlich keinem anderen zweck, als ihm die geheimnisse seines rücktritts zu entreißen. Doch wenn sie die geheimnisse kennen würden, sie würden sie - eine ironie der ganz anderen art - zweifellos nicht glauben. So etwa am ende der episode "A. B. und C.", als Nummer Zwei einen briefumschlag von Nummer Sechs mit vermeintlich geheimen informationen aufreißt, findet er darin nur - prospekte aus dem reisebüro. Es sind dieselben, die Nummer Sechs kurz vor seiner entführung in den koffer gesteckt hatte. Angesichts dieser vernichtenden niederlage erwartet Nummer Zwei den anruf von Nummer Eins, während Nummer 14 sarkastisch vor sich hinmurmelt: "Er wollte auf urlaub fahren."

Qui êtes vous?
- Je suis le nouveau No. 2.

Nach seinem gespräch mit Nummer Zwei (Guy Doleman) unternimmt Nummer Sechs in "Die Ankunft" einen fluchtversuch. Vergeblich. Zurück bei Nummer Zwei entdeckt er, dass dessen position inzwischen von einem anderen jungen herrn (George Baker) eingenommen wird. Dieser eingriff durch Nummer Eins bestimmt alle nachfolgenden episoden. Eine Nummer Zwei folgt, ganz leicht austauschbar, auf die andere. Sind sie nach allem nicht nur rädchen im getriebe? Die beweggründe für diese "ersetzungen" sind eindeutig: Entweder sie sind unfähig in den augen von Nummer Eins (in ihrer aufgabe, Nummer Sechs zu brechen), oder sie sind sehr kompetent. Während also die stellvertreter der macht einer nach dem anderen vorüberziehen, geht die herrschaft über den Ort weiter, symbolisiert in der figur des glatzköpfigen Supervisors (Peter Swanwick) und des kleinwüchsigen, ebenso stummen wie gleichmütigen Butlers (Angelo Muscat). Unter diesem blickwinkel sind die siege von Nummer Sechs gegen die nachfolgenden Nummer Zweien nur scheinsiege und stellen keine bedrohung für die strukturen des Ortes dar.

Vous n'en aurez pas!
- De gré ou de force, vous parlerez.

Bei seinen erkundungen im Ort enteckt Nummer Sechs bewohner verschiedenster art, und in "Die Glocken von Big Ben" sehr schön beschrieben:

Nummer Sechs: "In diesem Ort wacht man plötzlich auf und ist da, Leute, die einen ganz bestimmten Job aufgegeben haben, die abgefallen sind oder die ausgestoßen wurden, deren ungewöhnliche Kentnisse von außerordentlichem Wert sind für die eine oder die andere Seite."

Unter den bewohnern des Ortes sind jedoch nicht nur gefangene, sondern auch wärter... Einige drängen Nummer Sechs zur flucht, andere versuchen ihn davon abzuhalten. Von manchen erhält er hilfe, von anderen wird er behindert. Einige kämpfen außerdem gegen den Ort, andere haben schließlich aufgegeben, denn das leben dort ist nicht unangenehm. Das problem für Nummer Sechs ist oft herauszufinden, wer ist wer hier im Ort. Sein fluchtversuch in "Schachmatt" schlägt fehl, weil seine freunde - ebenfalls schachfiguren wie er, von denen er dachte, sie seien keine wärter - ihrerseits glaubten, er, Nummer Sechs, sei ein wärter...

Le but du Prisonnier n'est peut-être pas d'apporter
des réponses mais de
poser des question.

In "Freie Wahl" bringt Nummer Sechs mit seiner rede das thema wahlen zu gehör: "Ich bin keine nummer, ich bin ein mensch." Allgemeines gelächter.

Nummer Sechs: "Jeder von ihnen ist irgendwann und irgendwo in den besitz von kenntnissen gelangt, von geheimen informationen, die für den feind von unschätzbarem wert sind. (Weiteres gelächter.) Und genau wie ich stehen sie hier vor der wahl, diese informationen preiszugeben, oder für sich zu behalten."

Nummer Zwei (flüstert Nummer Sechs ins ohr): "Ja, genau das wollen sie hören."

Nummer Sechs: "Viele von Ihnen haben sich im gegensatz zu mir mit ihrer gefangenschaft abgefunden und werden hier verrotten, wie verfaulte kohlköpfe."

Nummer Zwei (im gleichen tonfall): "Weiter so, die lieben das."

Nummer Sechs: "Die anderen sind auf die seite unserer unterdrücker übergelaufen. Aber wer? Wie viele sind sie? Wer ist es, der neben ihnen steht? Ich habe vor, herauszufinden, wer die gefangenen sind, und wer die aufseher."

Nachdem alles sonst fehlgeschlagen ist, brutale gewalt oder die klugheit von Nummer Zwei, die wärtern etc., bleibt den herrschern des Ortes nur noch ein mittel, um alle fluchtversuche zu vereiteln: "Rover" (so auf englisch, "rodeur" ist eine art wachhund und hier nun der des Ortes).

Rover erscheint in "Die Ankunft", während Nummer Sechs eine führung durch den ort erhält. Auf befehl von Nummer Zwei bleiben die bewohner plötzlich unbeweglich stehen, und bevor man richtig erfasst hat, was hier vor sich geht, erscheint ein riesiger weißer ballon aus dem springbrunnen heraus, stürzt sich auf ein opfer, verfolgt und erstickt es. "Was war das?" fragt Nummer Sechs. "Sie haben es gesehen", antwortet Nummer Zwei ausweichend (2) .

Immer wenn durch den Supervisor alarm ausgelöst wird, schießt Rover, der ansonsten als kugel einsatzbereit unter wasser ruht, daraus hervor. Er ist unverletzbar durch kugeln, schläge, kann gelegentlich fliegen (oder sehr hoch hüpfen?) und sich teilen. Der riesenballon macht sich durch schrillen lärm - fast schon ein gebrüll - bemerkbar, der seine unglückseligen gegner lähmt. Manchmal scheint er ein eigenleben zu führen wie in "Der Doppelgänger", wo er entscheiden muss, wen er ersticken soll, Nummer Sechs oder seinen doppelgänger.

Ebenso wie die frage nach der genauen lage des Ortes, erfahren wir nie mehr über Rovers eigenschaften: Ist er eine bloße vom Supervisor ferngesteuerte maschine oder eine art schein-lebendiger android, resultat einer eigenartigen wissenschaft des Ortes?

Rover - in wirklichkeit ein durch spezialeffekte animierter wetterballon (und eins der kostspieligsten stücke der serie) - ist das ultimative symbol für das allmächtige gesetz. Das weiß seiner oberfläche und das runde der form kaschieren seine furchtbare fähigkeiten. Er ist auch ein weiterer beweis für McGoohans einfallsreichtum, der sich nicht auf gewaltexzesse einließ, sondern ein vollkommen originelles werkzeug ausdachte: der oberste wächter.

Qui est le No. 1?
- Vous êtes le No. 6.

Die in NUMMER 6 aufgeworfenen themen werden in den episoden unterschiedlich angegangen, eins aber ist gewiss: Durch ihren ständigen appell an die vorstellungskraft (die zuschauer haben an NUMMER 6 wirklich teilhabe, indem sie dazu erschaffen, was McGoohan ihnen nicht sagt) bleibt die serie eine der intelligentesten und fesselndsten, die uns das fernsehen jemals geboten hat.

In jeder der 17 episoden geht es um den kampf zwischen Nummer Sechs und dem herrscher über den Ort und dessen versuche, Nummer Sechs zu brechen, um an seine geheimnisse zu gelangen, während der stets siegreich diesen angriffen widersteht und fluchtversuche unternimmt - und das stets vergeblich.

Resté seul, le Prisonnier
se retrouve finalement
dans une Prison d'où il n'y a pas d'evasion possible:
notre monde.

In dieser hinsicht sind die drehbücher, dank des talents von George Markstein bei der autorenauswahl, bravourstücke an einfallsreichtum, der auf fernsehschirmen sehr selten ist. Um einige beispiele anzuführen: In "A. B. und C." projiziert Nummer 14 auf anweisung von Nummer Zwei träume von Nummer Sechs auf einen bildschirm, es werden ihm personen und entscheidende orte implantiert. Man erhofft sich durch diese manipulation, an die geheimnisse seines rückzugs vom geheimdienst zu kommen. Im dritten und letzten dieser träume bestimmt jedoch Nummer Sechs die geschehnisse. In "Der Doppelgänger" wird Nummer Sechs nach einer gehirnwäsche als Nummer 12 vorgestellt. Nummer Zwei möchte seine ähnlichkeit mit dem im Ort anscheinend sehr präsenten Nummer Sechs ausnutzen, um dessen stelle einzunehmen. In "Der General" zerstört Nummer Sechs den allwissenden supercomputer von Nummer Zwei, indem er ihm die einfache frage "warum?" stellt.

Und es geht noch fantastischer: "2:2=2" zeigt uns den transfer von Nummer Sechs' persönlichkeit in einen anderen körper. In "Harmony" wacht Nummer Sechs in der wildweststadt Harmony auf. Wenn er bereit sei, gegen seine grundsätzlichen überzeugungen zu töten, so die überlegungen des Ortes, würde er schließlich zusammenbrechen und sich ihrer gewalt ergeben. In "--3-2-1-0" ist die gesamte geschichte, die der Gefangene durchlebt, eine einzige allegorie, eine fabel, die Nummer Sechs als kinderschwester einigen kindern erzählt. Erklärungen für diese welt zu finden, halbwegs zwischen Kafka und Walt Disney, ist sowohl für Nummer Sechs wie für die zuschauer ein spannendes unterfangen.

Auf der einen ebene folgt man der erzählung des Ortes, und wir stellten dieselben fragen wie Nummer Sechs. Auf der anderen ebene betrachten wir mögliche analogien zwischen dem Ort und unserer gesellschaft. In "Freie Wahl" sind die "freien wahlen" lediglich ein trugbild; in "Die Anklage" wird der Gefangene vor gericht gestellt und nach dem gesetz des Ortes verurteilt, das niemand kennt (das gericht besteht aus den dargestellten Napoleon, Nero und Elisabeth I.); in "Sinneswandel" wird Nummer Sechs wegen seines asozialen verhaltens als "unkonform" verurteilt.

Nach und nach kommen wir also zu dem punkt, wo wir uns tagein tagaus fragen, ob wir, auch wir, nicht selber gefangene eines "globalen dorfes" (McLuhan) sind.

HINTER DEN KULISSEN

Auf eine dieser fragen gibt es eine antwort: Der Ort existiert! Es handelt sich um das werk des walisischen architekten Sir Clough Williams-Ellis, der sich womöglich vom italienischen Portofino inspirieren ließ. Der ort oder meist: das Hotel Port Meirion (3) befindet sich in der nähe von Penrhyndeudraeth an der bucht von Cardigan in Wales.

Sir Clough, heute 90 jahre alt, hat immer wieder teile, neue elemente hinzugefügt. So manche berühmtheit hat im lauf der zeit in Port Meirion logiert: Bernard Shaw, Betram Russell und... Patrick McGoohan. Obwohl die idee zu NUMMER 6 vor der wahl von Port Meirion (4) entstand, wurde kein anderer ort dafür in betracht gezogen, als die produktion begann.

Un message qui nous dit
que la
Societé n'est finalement pas le produit de manipulateurs mystérieux mais de nous-même.

Der ursprung von NUMMER 6 geht auf DANGER MAN (GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE; in den USA SECRET AGENT) bzw. in Frankreich DESTINATION DANGER zurück, die weltbekannte spionageserie, wo Patrick McGoohan die rolle von John Drake spielte, agent des britischen geheimdienstes. Bei der arbeit an GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE traf McGoohan auf George Markstein, der script editor war. Nach mehr als fünf jahren fühlte McGoohan - ein theaterschauspieler, was nicht vergessen werden soll - sich künstlerisch in der Drake-rolle eingeengt. Und um McGoohan bei sich zu halten, beauftragten die produzenten des senders Markstein mit der erfindung einer neuen serie. Markstein, der ehemalige journalist und militärexperte, spezialist für spionageangelegenheiten, dachte sich die grundidee von NUMMER 6 aus ("im zug zwischen Waterloo und Shepperton", wie er erklärte). Er mischte fiktion und wirklichkeit: John Drake, der seinen posten als geheimagent niederlegt (obgleich der name des Gefangenen niemals enthüllt wird, wird er in "A. B. und C." "John" genannt und der name "Drake" wird sehr kurz in "Pas de deux" erwähnt (5).

Am anderen tag präsentierte Markstein McGoohan die idee, der sie sofort akzeptierte. Trotz einer begeisterten zusammenarbeit, trennten sich Markstein und McGoohan nach der 14. epsiode. Zweifellos bemerkte ersterer den starken einfluss, den McGoohan auf die serie ausübte, der die ergebnisse der arbeit einzig als seine, McGoohans, darstellte (bis hin zu werbung und kommerzieller verwertung). Nicht viel und NUMMER 6 wäre ohne Patrick McGoohan nicht das, was es geworden ist. Er war ausführender produzent und häufig auch regisseur sowie drehbuchautor, der einsame held. NUMMER 6 war "sein baby". McGoohans starke persönlichkeit ist in jedem augenblick spürbar. Getreu seiner prinzipien - wie schon John Drake - trägt Nummer Sechs niemals waffen, und er weigert sich zu töten. Und trotz vieler hübscher frauen gibt es keine erotik. In einer serie für das "breite publikum" wollte er das nicht.

Obwohl seine freunde ihn ermunterten, die in NUMMER 6 aufgeworfenen rätsel in der letzten folge aufzulösen (und so zu einem richtigen kommerziellen erfolg zu kommen), verweigerte McGoohan sich dem. Die drehbuchautoren, die keine seiner pläne kannten, waren ausgeschlossen, und McGoohan schrieb und realisierte das letzte stück von NUMMER 6 alleine und in zwei teilen: "Pas de deux" und "Demaskierung" (6).

Je ne serai pas manipulé,
classé, étiqueté, indexé,
mobilisé, démobilisé et numeroté:
ma vie m'appartient!

Die beiden abschließenden episoden liefern gewiss eine vielzahl an erklärungen. Aber sie enttäuschten doch die meisten zeitgenössischen zuschauer, die sich nicht die mühe machten, die "mauer der fiktion" zu durchdringen. Sie verpassten so den sinn von McGoohans botschaft. Die telefonleitungen des fernsehsenders waren nach ausstrahlung von "Demaskierung" eine zeitlang aufgrund vieler aufgeregter anrufe blockiert.

In "Pas de deux" wird Nummer Sechs der "extremen absoluten position" unterzogen, einer beinahe totalen gehirnwäsche, die ihn ins kindesalter zurückwirft. Von Nummer Zwei (erneut dargestellt vom imposanten Leo McKern) in einen großen abgeschlossenen und mit gegenständen bestückten raum mitgenommen, der das "theater" für ihr ringen abgeben wird. Innerhalb einer "winzig kleinen woche" an diesem verschlossenen ort (die türen mit einem zeitschloss versehen und der Butler, der ihnen zur verfügung steht, als einziger zeuge) durchlebt Nummer Sechs sein leben noch einmal als psychodrama, in dem Nummer Zwei die rolle von autoritäten übernimmt: als sein vater, sein lehrer, kommandeur, chef, richter usw. Nummer Zwei stellt in jeder etappe des vorgehens die ermüdende frage: "Warum haben Sie sich zurückgezogen?"

Nummer Zwei: "Warum haben Sie sich zurückgezogen?"

Nummer Sechs: "Um frieden zu finden."

Nummer Zwei: "Du hast das gemacht, um Frieden zu finden?"

[Nummer Sechs: "Ja, lassen sie mich raus!"
Nummer Zwei: "Dummkopf!"
Nummer Sechs: "Wegen des inneren Friedens."
Nummer Zwei: "Was?"
Nummer Sechs: "Wegen des inneren Friedens!"
Nummer Zwei: "Warum?"
Der französische text ist um diese zeilen kürzer.]

Nummer Sechs: "Zu viele Leute wissen zu viel."

[Nummer Zwei: "Ach was!"
Nummer Sechs: "Ich weiß zu viel."
Nummer Zwei: "Sagen Sie es mir."
Nummer Sechs: "Ich weiß zu viel über sie!"
Der französische text ist um diese zeilen kürzer.]

LE PRISONNIER EN FRANCE
- le prologue

– Où suis-je ?
Au Village.
– Qu'est-ce que vous voulez?
Des renseignements.
– Dans quel camp êtes-vous?
Vous le saurez en temps utile... Nous voulons des renseignements, des renseignements, des renseignements.
– Vous n'en aurez pas!
De gré ou de force, vous parlerez.
– Qui êtes-vous?
Je suis le nouveau Numéro Deux.
– Qui est le Numéro Un?
Vous êtes le Numéro Six.
– Je ne suis pas un numéro, je suis un homme libre!
Ah ! Ah ! Ah ! Ah ! ...

Jean-Marc Lofficier benutzt als zwischenüberschrift den umgangssprachlichen ausdruck "Que voulez-vous?" - "Was wollen sie?" Die französische synchronfassung jedoch die variante "Qu'est-ce que vous voulez?"

Aber Nummer Zwei interessiert sich für diese "streng vertrauliche geheime staatssache". Jedoch, da ist etwas im kopf von Nummer Sechs, das sich weigert zu weichen und kleinbeizugeben. Und trotz der "vorhaltungen" seitens von Nummer Zwei besteht er als individuum. Nummer Zwei: "Gesellschaft, das heißt, menschen existieren zusammen! Das ist zivilisation! Der einsame wolf dagegen, das ist die wildnis. Du wächst nicht auf, um ein einsamer wolf zu sein! Du musst dich anpassen! Es ist meine erklärte Pflicht, dafür zu sorgen, dass du dich anpasst!"

Aber Nummer Sechs bricht nicht zusammen: Er bleibt sich und seinen prinzipien treu (weigert sich zu töten), er erkennt die ziffer 6 nicht, er widersetzt sich der gemeinschaft. Schritt für schritt, je näher wir uns der subjektiven gegenwart nähern, erleben wir eine veränderung: Die persönlichkeit von Nummer Sechs festigt sich und übernimmt nach und nach das heft des handels von Nummer Zwei. Das autoritätsverhältnis zwischen beider personen verändert sich, bis es ins gegenteil umschlägt.

Nummer Sechs: "Das ist eine anerkannte methode"

Nummer Zwei: "Sie wird in der psychoanalyse angewandt. Der patient muss dahin kommen, seinem arzt vollkommen zu vertrauen."

Nummer Sechs: "Manchmal – tauschen sie die plätze."

Nummer Zwei: "Das kann nötig sein, in extremen fällen."

Nummer Sechs: "Aber es ist ein risiko."

Nummer Zwei: "Ein großes risiko."

Nummer Sechs: "Wenn der arzt mit den selben Schwierigkeiten zu tun hat."

Nummer Zwei: "Ja, das hab ich."

Nummer Sechs: "Das nennt man hier eine extreme, absolute position, nicht?"

Nummer Zwei: "Einer von uns beiden wird scheitern."

Nummer Sechs: "Ziehen Sie sich doch zurück!"

Trotz eines letzten aufbäumens ist Nummer Zwei nun verloren. Nummer Sechs wird zur bestimmenden person und schließt Nummer Zwei in das "gefängnis" ein, in dem er selbst zuvor eine zeitlang gewesen war.

Nummer Zwei: "Haha, hahahahaha, er (Anm.: der Butler) denkt, Sie sind jetzt der boss!"

Nummer Sechs: "Bin ich auch."

Nummer Zwei: "Ich bin Nummer Zwei, ich bin der boss! Öffnen sie die tür!"

Nummer Sechs: "Nummer Eins ist der boss."

Nummer Zwei: "Nein!!"

Nummer Sechs: "Drei minuten! Sie haben angst."

Auf der uhr verrinnen die minuten. Nummer Zwei droht, fleht und fällt schließlich wie vom blitz getroffen tot um. Die türen gehen auf. Der Supervisor tritt ein und beglückwünscht Nummer Sechs, während die leiche von Nummer Zwei fortgeschafft wird.

"Was wünschen Sie?" fragt er Nummer Sechs. "Nummer Eins", antwortet dieser. "Ich bringe sie hin."

De la même façon,
McGoohan choisit souvent de traiter "à la façon du Village" des thèmes de notre vie quotidienne...

"Demaskierung" beginnt nicht mit der gewohnten vorspannsequenz, sondern mit einer wiederaufnahme der vergangenen ereignisse (und mit anderer musik). Dann sehen wir Nummer Sechs, der vom Supervisor in einen großen saal geleitet wird, in dem abgeordnete, die über das schicksal des Ortes bestimmen, sitzen. Die mitglieder tragen alle schwarz-weiße masken und fantasiebezeichnungen wie "Radikale", "Liberale", "Sozialisten", "Demokraten" usw. In einer säule in der ecke hinter einem sehschlitz verbirgt sich die mysteriöse Nummer Eins.

Die mitglieder der versammlung applaudieren Nummer Sechs, er wird willkommen geheißen und zu einem ehrenplatz neben dem versammlungspräsidenten (Kenneth Griffith) gebracht.

Maskierter: "Es wird ihnen hier vorgestellt: Nummer Sechs!"

Versammlungspräsident: "Ist es richtig, dass er den letzten Test überlebt hat?"

Maskierter: "So ist es."

Versammlungspräsident: "Dann darf nicht länger bezug auf ihn genommen werden als Nummer Sechs noch als irgend eine andere Nummmer. Er hat glorreich das recht des individuums für sich in anspruch genommen, ein individuum zu sein und diese versammlung erhebt sich vor ihnen (er steht auf und wendet sich Nummer Sechs zu) - Sir."

Zum ersten mal wird die "übergabe der ultimativen macht" an Nummer Sechs erwähnt. Doch die versammlung muss noch über das schicksal von drei revolteuren entscheiden.

Der erste ist ein langhaariger (Alexis Kanner), der auf den namen Nummer 48 hört - oder eher, der sich weigert, darauf zu hören. Bei seinem musikalischen auftritt hält er sich nicht an die vom präsidenten vorgegebene zeremonie. "Aber, wenn das allgemeine wohl bedroht ist, wenn die gesellschaft selber in gefahr ist, dann müssen solche revolten aufhören." Der jugendliche revolteur verursacht unruhe, er singt, tanzt, läutet mit dem glöckchen um seinen hals. Schließlich wird er verurteilt.

Der versammlungspräsident verliest die anklage: "Der gefangene wird beschuldigt, die gesellschaftlichen formen auf das äußerste verletzt zu haben." (Nummer 48 läutet sein glöckchen.) "Er ist voller verachtung für die fundamentalen gesetze, die unsere gesellschaft zusammen halten, und er stellt die entscheidungen der regierung, die wir gewählt haben, in frage. Was wir von ihm sehen und hören, seine kleidung und seine sprache sind ungebührlich, widersprechen dem allgemein üblichen, und er weigert sich, seine nummer zur kenntnis zu nehmen, sie zu tragen. Er reagiert nicht einmal, wenn man seine nummer nennt."

Der nächste revolteur, über den zu urteilen ist, ist die wiederbelebte Nummer Zwei. Wie Nummer 48 singt er bei seinem erscheinen und lacht, ein richtig dröhnendes lachen. Er wurde rasiert (zuvor trug er einen bart). Er stellt fest, dass Nummer Sechs gesiegt hat und wendet sich an die versammlung.

Nummer Zwei: "Es war meine Aufgabe in der vergangenheit, eine nicht unbeträchtliche macht auszuüben. Ja, staatsmänner, könige, regierungschefs von vielen ländern hörten auf mich. Regierungen wurden ins schwanken gebracht, politiker gestürzt und revolutionen im keime erstickt auf ein wort von mir am rechten platz und zur angemessenen zeit. Es ist deshalb nicht überraschend, dass dieses staatswesen hier verwendung für mich hatte. Und es war keineswegs zufällig, dass ich eines tages entführt worden bin, und hier bei ihnen aufwachte. ... Was sehr betrüblich ist, ist, dass ich nur so kurze zeit ihnen widerstanden habe. Ein glänzender erfolg ihrer methoden.

Applaus des Publikums

Ich möchte ihnen dafür danken, dass sie meine fähigkeiten anerkannt haben. Sie haben mir eine machtposition eingeräumt, die zweithöchste. [Er dreht sich zur säule um, hinter sich Nummer Eins verbirgt.] Nach Nummer Eins. Diese stellung gab mir das recht, entscheidungen zu fällen. Meine letzte entscheidung betraf diesen gentleman hier (er zeigt auf Nummer Sechs) und sie lief darauf hinaus, dass einer von uns beiden sterben musste. [Auf einem bildschirm laufen die letzten szenen aus "Pas de deux".] Er ging siegreich daraus hervor. Ich musste also... Stirb... Ah, was trink ich da. War es das Getränk? Sie konnten mich nicht mal in frieden ruhen lassen."

Diesmal widersetzt sich Nummer Zwei offen, er fordert Nummer Eins hinter dem sehschlitz heraus: "Wer sie auch sind. Was sie auch sind."

Versammlungspräsident: "Sie werden sterben."

Nummer 2: "Wieder. Aber diesmal werde ich sterben als ich selber."

Er wirft seinen anstecker, das symbol für die position, die er innehatte, weg. Auch er wird verurteilt und weggebracht.

Der dritte revolteur so der versammlungspräsident, ist ein mann, der, "(der) revoltiert (hat). Widerstand geleistet. Gekämpft. Sich behauptet. Durchgehalten. Hindernisse überwunden, sich keiner gewalt unterworfen. Er hat das recht zu sagen, er sei jemand. Ein Individuum. Und so zu leben."

Dieser mann ist ganz gewiss Nummer Sechs, "ein mann aus stahl. Ein mann, hervorragend dazu geschaffen, uns zu regieren. Entweder: regieren, oder: gehen."

Regieren oder gehen. Nummer Sechs steht vor der wahl. "Warum?" fragt er.

"Sie sind für uns von großem wert gewesen.", antwortet der versammlungspräsident.

Nummer Sechs: "Warum?" Nummer Zwei: "Sie haben uns unsere fehler erkennen lassen.

Nummer Sechs: "Warum?" Nummer Zwei: "Sie sind unabhängig. Sie kennen den weg. Zeigen sie ihn uns."

Nummer Sechs: "Warum?" Nummer Zwei: "Ihre revolte ist gut und ehrlich. Sie sind hier der einzige freie mensch. Wir brauchen sie." fährt er fort. Nummer Sechs zögert. Und er entscheidet sich zu gehen. Man gibt ihm einen reisepass, geld usw. Schließlich lädt der versammlungspräsident ihn ein, eine rede zu halten.

Nummer Sechs beginnt: "Ich...", kann dann jedoch nicht weiterreden. Gemeinsam beginnt die versammlung zu rufen: "Ich, ich, ich...!" Der triumph des individuums gegen die gesellschaft. Am ende geleitet der versammlungspräsident ihn zu Nummer Eins.

Nummer Sechs, immer in begleitung des Butlers, erreicht einen runden raum voller techniker und mit gerätschaften. Am oberen ende einer wendeltreppe präsentiert eine schwarz-weiß maskierte gestalt ihm eine kristallkugel. Von unten hört man wiederholt die stimme - eine aufnahme? - von Nummer Sechs: "Ich lasse mich nicht zwingen, stoßen, abstempeln, einstufen, werten, abwerten oder nummerieren. Mein leben gehört mir. Ich, ich, ich..."

Nummer Sechs erkennt, dass die gestalt ihm gegenüber Nummer Eins ist. Er reißt ihm die maske herunter. Darunter entdeckt er ein affengesicht. Aber auch das ist nur eine maske, die er herunterreißt, um - sich selbst gegenüber zu stehen. Nummer Eins bricht in ein irres gelächter aus, während er und Nummer Sechs sich gegenseitig in dem kontrollraum zu fassen versuchen.

Nummer Eins entkommt. Der Gefangene erkennt nun, dass er sich in einer rakete befindet. Er löst den countdown aus und erledigt unter mithilfe des Butlers die techniker. Nachdem er auch Nummer Zwei und Nummer 48 befreit hat, verlassen sie gemeinsam die rakete und erschießen - unter musikalischer begleitung des Beatles-songs "All You Need Is Love" - die versamlungsteilnehmer und die wachen. Der raketenstart mit Nummer Eins an bord führt zur evakuierung und zerstörung des Ortes. Rover erscheint noch ein letztes mal aus dem meer, aber das feuer des raketengetriebes verbrennt und schrumpft ihn auf die größe eines golfballes. Das ende von Rover.

Nummer Sechs, Nummer Zwei und Nummer 48 befinden sich währenddessen singend in einem großen, auf einem vom Butler gesteuerten tieflader montierten käfig (das "gefängnis" aus der folge "Pas de deux"). Sie haben den Ort hinter sich gelassen. Wir sehen sie nun auf der autobahn M27, bis London sind es 20 meilen (7). Nummer 48 ist der erste, der die gruppe verlässt, um per anhalter weiter zu kommen. In London angekommen, geht

Nummer Zwei seinen eigenen weg, nach Westminster ins House of Lords. Ein polizist grüßt ihn. Nunmehr alleine erreicht Nummer Sechs sein appartment. Als der Butler das haus betritt, fährt ein leichenwagen vor. Nummer Sechs steigt in seinen Lotus und fährt davon. (8) Die letzten bilder schließen den kreis. Donnerschläge über der verlassenen straße; das fahrzeug von Nummer Sechs entfernt sich, bis es nur noch ein punkt in der ferne ist, während man zum letzten mal das geräusch der sich schließenden schweren gittertore hört - vor dem Gefangenen! (9)

RÜCKKEHR INS VILLAGE

Wir haben bereits festgestellt, dass NUMMER 6 ein appell an die vorstellungskraft ist. Es ist ebenso ein appell an die intelligenz, und hat tausende erklärungsversuche angeregt. Eins ist sicher: Es gibt in NUMMER 6 nichts umsonst. Jede einzelheit hat ihre bedeutung, oft ist mehr als eine interpretation möglich.

Zum beispiel sehen wir Nummer Zwei in "Schachmatt" (Peter Wyngarde) bei martial-arts-übungen. Deren grundannahme ist es, dass man die stärke des gegners gegen diesen selbst einsetzen kann. Genau dies ist die taktik, die von Nummer Zwei angewendet wird, um den fluchtversuch von Nummer Sechs zu vereiteln. Auf gleiche weise bevorzugt McGoohan themen des täglichen lebens "nach art des Ortes" zu behandeln: vom briefträger, der von Nummer Sechs verlangt: "Unterschreiben sie hier mit ihrer nummer!" bis zu den wichtigsten mechanismen unserer gesellschaft - der Ort ist ein zerrspiegel, der uns zur wachsamkeit aufrufen soll.

Auf gleiche weise wird die erziehungsfrage in "Der General" angegangen, die frage nach der justiz in "Die Anklage", und der wahlkampf sowie die pressefreiheit in "Freie Wahl" mit diesem wunderbaren dialog zwischen Nummer Sechs und zwei journalisten des Tally Ho. Nummer 113: "Ich bin Nummer 113 und das ist unser fotograf Nummer 113b.

Nummer 113b: "Smile!"

Nummer 113: "Wir arbeiten für den Tally Ho, unsere Lokalzeitung." Nummer Sechs zur fahrerin: "Weiter!"

Nummer 113: "Sie sind ein heißes Thema. So einen kandidaten hatten wir lange nicht mehr."

Nummer Sechs sarkastisch: "Herzlichen glückwunsch!"

Nummer 113: "Was sind die zentralen themen ihres Wahlkampfes?" Nummer Sechs: "Kein kommentar."

Nummer 113, notiert: "Hat vor, sich für die freiheit einzusetzen, koste es, was es wolle."

Nummer 113b, macht ein foto: "Smile!"

Nummer 113: "Ihre Schwerpunkte in der Innenpolitik?" Nummer Sechs: "Kein kommentar."

Nummer 113, notiert: "Hat vor, die innere sicherheit zu stärken."

Nummer 113b: "Smile!"

Nummer 113: "Und in der außenpolitik?" Nummer Sechs: "Kein kommentar."

Nummer 113, notiert unbeeindruckt: "Unsere produkte sollten bis in den hintersten winkel des globus exportiert werden. - Ihre einstellung zum leben und zum tod?"

Nummer Sechs: "Kümmern sie sich um ihren eigenen kram."

Nummer 113, notiert: "Kein kommentar." - Danke, vielen dank!"

EINGEBLENDETE DEUTSCHE SCHLAGZEILE:
"NUMMER SECHS SAGT SEINE MEINUNG"

Nummer 113b: "Smile! Wir sehen uns!"

Ein zeitungsverkäufer: "Extrablatt! Extrablatt! Sonderausgabe zum wahlkampf! Extrablatt! Die sonderausgabe zum wahlkampf! Holen sie sich hier die sonderausgabe!"

Wir finden hier die für den Ort typische dialektik. Informationen werden von den machthabern kontrolliert. Was auch immer Nummer Sechs zu sagen hätte, die spielzüge stehen im voraus fest. Als es um fundamentale fragen (nach leben und tod) geht, wird der spontane ausbruch von Nummer Sechs künstlich vereinnahmt und den normen entsprechend akzeptabel angepasst. Wenn die machthaber denn einmal eine meinungsäußerung zulassen, wollen sie jedoch gleichzeitig nicht darüber diskutieren. Darüber hinaus verleiht dieser "programmierte ausbruch" auch dem rest des interviews eine illusion von freiheit - demzufolge auch von wahrhaftigkeit.

Nummer Sechs ist also nicht nur ein gefangener des Ortes, sondern zugleich einer im Ort durch das vorfabrizierte bild, das man den bewohnern von ihm präsentiert. Und schließlich erinnert die machart des interviews - sicherlich in übertriebener weise - an manche verstörend eingeschätzte persönlichkeiten auf unseren bildschirmen, die erst durch die medienherrscher zu dem wurden, was sie sind.

Ist der Ort ein verzerrter reflex unserer gesellschaft oder eine warnung? Die allegorie, wie sie sich in der letzten episode präsentiert, lässt kaum zweifel offen. Die versammlung der maskierten, die macht, nicht wahr, die uns regiert in dem willen, das individuum zu ersticken, ist immer dieselbe. Welches abzeichen trägt sie? Sind die figuren Nummer 48 und Nummer Zwei nicht die ewigen "rebellen" so wie die jugend und die intellektuellen? Natürlich hält man ihre revolte für schädlich und für wirkungslos. Einzig die revolte von Nummer Sechs - ohne klasse, ohne etikett - ist "rein", sodass er zu Nummer Eins vorgelassen wird.

Was findet er da? Zuerst die affenmaske, die im menschen. Und dann: der mensch selbst. Man kann es sich aussuchen, wie man dieses letzte von der McGoohan-Sphinx als spötter hier vorstellte rätsel sehen will, als allegorie auf die suche nach der wahrheit, die im menschen selbst zu finden ist. Oder als botschaft, die uns sagt, die gesellschaft ist letzten endes kein produkt von geheimnisvollen manipulateuren, sondern von uns selbst. Und da stehen wir mit dem rücken zur wand: Nummer Sechs ist Nummer Eins! Der mensch ist und bleibt sein eigener schlimmster feind... zugleich engel und dämon, diktator und rebell.

Une chose est certaine: rien n'est gratuit dans Le Prisonnier, et
chaque détail a son importance, suggérant souvent une ou plusieurs interprétations.

NUMMER 6 ist also ein symbol für die reaktion auf die macht, die in der gesellschaft auf das individuum trifft. Nummer Sechs ist sich bewusst, dass die macht (Nummer Eins) alles tut, um die individualität der leute zu unterdrücken, und er kämpft gegen dieses schicksal an. Zum anschein akzeptiert er die rolle, die ihm die gesellschaft auferlegt und versucht so, das system von innen heraus zu zerstören. Für ihn ist es lächerlich (von daher auch der stets präsente schelmische humor bei Nummer Sechs), er wartet auf die günstige gelegenheit, um zu entkommen. Einige gefangene des systems sind jedoch nicht in der lage, diese gelegenheit zu ergreifen wie etwa der turm in "Schachmatt". Sie haben eine gehirnwäsche durchgemacht und sind zu spielbällen des Ortes geworden. Andere wurden noch weitaus stärker entfremdet: Sie erhielten von Nummer Eins wichtige positionen und sind nunmehr repräsentanten der macht, die das system für gut halten. Wieder andere, wie der Butler, warten geduldig, bis ihre stunde kommt, dabei ganz nah an der macht und im wissen, dass eines tages eine starke persönlichkeit wie Nummer Sechs kommen und sie befreien wird.

Der Gefangene ist stark, gerade weil er ein individuum bleibt. Was aber ist ein individuum? In mancher hinsicht sind wir alle individuen. Für McGoohan ist derjenige ein individuum, der physisch und psychisch frei ist: Ist jemand körperlich frei, nicht aber mental, so ist er ein gefangener. Die bewohner des Ortes, trotz ihrer eigenartigen kleidung, sind alle gefangene, wenn nicht körperlich (Nummer Zwei, die wächter), dann mental. Das design des Ortes im stil der Belle Epoque ist wohl nicht zufällig eine erinnerung an eine zeit, in der nichts hinterfragt wurde, eine zeit, in der sich die schlimmsten tyranneien des Zweiten Weltkrieges ankündigten.

Nummer Sechs, obwohl permanent unter beobachtung, unterscheidet sich von den anderen Bewohnern des Ortes nicht nur durch seine - eher nüchterne - haltung, sondern auch, und besonders wichtig, durch seinen esprit. Er allein schafft es, gegenüber der aggressiven Nummer Eins als individuum zu bestehen. McGoohan lehrt uns, dass nicht der schein zählt: An seiner geistesgegenwart erkennt man den wirklich freien menschen.

Nummer Sechs' flucht zeigt auch, dass das individuum, sei es auch noch so stark, alleine nicht erfolgreich gegen die gesellschaft ankämpfen kann. Die hilfe von Nummer Zwei, Nummer 48 und dem Butler ist für den Gefangenen erforderlich. Sicher, er führt sie an, aber er braucht ihre unterstützung. Aber können sie wirklich gewinnen?

Man ist geneigt, nein zu sagen angesichts des schlusses von "Demaskierung". Nummer 48 interessiert sich nicht für "führungsfragen" der soeben errungenen freiheit und verlässt die gruppe. Nummer Zwei wird von einer anderen art "macht" zurückgewonnen, tatsächlich dieselbe wie vorher in anderem gewand. Der Butler zieht sich ins haus von Nummer Sechs zurück, eine art kokon, man kann das als symbol für die weigerung des volkes ansehen, seinen befreiern zu folgen.

Übrig bleibt der Gefangene. Er findet sich schließlich in einem gefängnis wieder, aus dem heraus flucht unmöglich ist: unsere welt!

Trotz der vielen deutungsmöglichkeiten, die es über NUMMER 6 gibt, kann man wahrscheinlich sagen, dass diese vorgehensweise in der sache der vision von McGoohan entspricht.
In einem interview erklärte er: "Die funktion welcher kunst auch immer ist es, das anzuzeigen, was noch nicht wahrnehmbar, aber bereits vorhanden ist. Ich hoffe, ich konnte dieses zeichen setzen. Menschen verschwinden in lagern wie dem Ort (the Village). Das ist keine einbildung, sondern eine tatsache. Solche orte existieren auf gewissen karten. In diesem augenblick nimmt man menschen ihre persönlichkeit und macht sie durch gehirnwäsche zu sklaven. Die inquisition des menschlichen geistes durch psychiater ist noch schlimmer als körperliche folter. Mehr als alles andere, glaube ich an die freiheit des individuums. Manchmal habe ich das bedürfnis, wie in NUMMER 6 auszurufen: 'Es ist unser recht!' Identitätsverlust ist ein alptraum."

Was George Markstein betrifft, so schreibt dieser: "Die wahrheit ist, natürlich, dass, wenn NUMMER 6 eine aussage hat, dann die, dass wir alle gefangene sind und nicht wirklich aus unserer jeweiligen individuellen gefangenschaft entkommen können. Mit anderen worten, ein berühmter mensch entkommt nicht seinem ruf in der anonymität, eine königin kann sich nicht in einem kaufhaus verirren, ein junger protestant in Belfast wird nicht ohne weiteres eine junge katholikin lieben können, eine groß gewachsener mensch kann sich nicht wie Frank Sinatra anziehen,

DES DIALOGUES EN COMPARAISON - DIALOGE IM VERGLEICH

Für diese übersetzung aus dem französischen wurden die deutschen fernsehdialoge von dialogregisseur Joachim Brinkmann verwendet. Der vergleich dieser version mit der übersetzung von Lofficiers text ist reizvoll.

"Die Glocken von Big Ben"
- übersetzung aus dem artikel

Nummer Zwei: "Ich versuche schon lange nicht mehr dahinter zu kommen, wer Nummer Eins ist oder welcher seite der Ort gehört!"

Nummer Sechs: "Man muss es trotzdem, gleich ob die eine oder andere seite."

Nummer Zwei: "Mit der zeit werden beiden seiten identisch. Wer hat das hier erbaut? Eine internationale gemeinschaft, ein perfektes gleichgewicht für das leben im Ort. Wenn die beiden lager, die sich gegenüberstehen, erst einmal bemerkt haben, dass sie in den spiegel schauen, dann werden sie sehen, dass das hier die zukunft ist!"

Nummer Sechs: "Die ganze welt wie dieser Ort..."

Nummer Zwei: "Ja, das ist es, was ich mir erhoffe."

- deutsche fernsehfassung

Nummer Zwei: "Deshalb spielt es für mich keine Rolle, wer Nummer Eins ist. Es ist mir ganz egal, zu welcher Seite dieser Ort gehört."

Nummer Sechs: "Er gehört also zur einen Seite, oder zur andern."

Nummer Zwei: "Selbstverständlich. Aber sie unterscheiden sich nicht mehr. Was ist hier in Wirklichkeit entstanden: Eine internationale Gemeinschaft. Der perfekte Entwurf für eine neue Weltordnung. Wenn die beiden Seiten einander anschauen, werden sie plötzlich merken, dass sie in einen Spiegel sehen. Sie werden erkennen, dass das das Modell der Zukunft ist."

Nummer Sechs: "Die ganze Erde, wie das hier."

Nummer Zwei: "Das ist meine Hoffnung."

"Pas de deux"
- übersetzung aus dem artikel

Nummer Zwei: "Die gesellschaft ist ein ort, wo menschen zusammenleben. Das ist es, zivilisation! Ein einsamer wolf gehört zur barbarei. Sie dürfen es nicht so weit kommen lassen, zum einsamen wolf zu werden! Sie müssen sich an die regeln der gesellschaft anpassen! Es ist meine heilige pflicht, sie dazu zu bewegen mitzuspielen."

- deutsche fernsehfassung

Nummer Zwei: "Gesellschaft, das heißt, Menschen existieren zusammen! Das ist zivilisation! Der einsame wolf dagegen, das ist die wildnis. Du wächst nicht auf, um ein einsamer wolf zu sein! Du musst dich anpassen! Es ist meine erklärte Pflicht, dafür zu sorgen, dass du dich anpasst!"

- übersetzung aus dem artikel

Nummer Zwei: "Es handelt sich um eine anerkannte psychoanalytische methode. Der patient muss vertrauen in seinen arzt haben, absolutes vertrauen..."

Nummer Sechs: "Manchmal wechseln der patient und der arzt die plätze."

Nummer Sechs: "... wenn der arzt selbst probleme hat..."

Nummer Zwei (fühlt sich unwohl): "Ah, und ich, habe ich welche?"

Nummer Sechs: "Von daher nennt man das verfahren "extreme absolute position" (...) WARUM HABEN SIE SICH ZURÜCKGEZOGEN?"

- deutsche fernsehfassung

Nummer Sechs: "Das ist eine anerkannte methode."

Nummer Zwei: "Sie wird in der psychoanalyse angewandt. Der patient muss dahin kommen, seinem arzt vollkommen zu vertrauen."

Nummer Sechs: "Manchmal – tauschen sie die plätze."

Nummer Zwei: "Das kann nötig sein, in extremen fällen."

Nummer Sechs: "Aber es ist ein risiko."

Nummer Zwei: "Ein großes risiko."

Nummer Sechs: "Wenn der arzt mit den selben Schwierigkeiten zu tun hat."

Nummer Zwei: "Ja, das hab ich."

Nummer Sechs: "Das nennt man hier eine 'extreme, absolute position', nicht?"

Nummer Zwei: "Einer von uns beiden wird scheitern."

Nummer Sechs: "Ziehen Sie sich doch zurück!"

"Demaskierung"
- übersetzung aus dem artikel

Versammlungspräsident: "(Der Gefangene, der) widerstanden und rebelliert hat, der gekämpft und niemals auch nur eine fingerbreite nachgegeben hat, der nie kapituliert und gegen alle zwangsmaßnahmen gekämpft hat und der sich schließlich das recht erworben hat, eine person, ein individuum zu sein, jemand..."

- deutsche fernsehfassung

Versammlungspräsident: "Er hat revoltiert. Widerstand geleistet. Gekämpft. Sich behauptet. Durchgehalten. Hindernisse überwunden, sich keiner gewalt unterworfen. Er hat das recht zu sagen, er sei jemand. Ein Individuum. Und so zu leben."

- übersetzung aus dem artikel

Versammlungspräsident: "Sie waren uns ein vorbild", antwortet der versammlungspräsident. ... Sie haben uns unsere fehler erkennen lassen. Sie sind rein, sie kennen die wahrheit. Zeigen sie uns den weg! Ihre revolte ist gerechtfertigt und aufrichtig. Sie sind das letzte individuum! Wir brauchen sie."

- deutsche fernsehfassung

Versammlungspräsident: "Sie sind für uns von großem wert gewesen. ... Sie haben uns unsere Fehler erkennen lassen. ... Sie sind unabhängig. Sie kennen den weg. Zeigen sie ihn uns. ... Ihre revolte ist gut und ehrlich. Sie sind hier der einzige freie mensch. Wir brauchen sie."

ein blinder kann nicht sehen und ein armer hat kein geld zum reisen... Alle sind sie gefangene, jeder auf seine weise. Für einige ist diese gefangenschaft sehr erträglich, für andere kann sie beschwerlich sein wie eine zelle im gefängnis von Dartmoor. Aber jeder ist in einem eigenen gefängnis."

Sinn und zweck von NUMMER 6 ist es vielleicht nicht, antworten zu liefern, sondern fragen zu stellen. Wie Samuel Beckett es macht: Antworten gibt es nicht. Godot trifft nie ein. Aber es ist die erwartung an ihn oder die deutungsmöglichkeiten für NUMMER 6, was die zuschauer anregt, nicht bloß zu denken, sondern darüber nach- oder drumherumzudenken. Von anfang bis

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2010: ARTE BRINGT NUMMER 6 ZURÜCK INS FERNSEHEN
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PATRICK McGOOHAN: DAS TROYER-INTERVIEW
INTERVIEW: PATRICK McGOOHAN MIT ALAIN CARRAZÉ
PORTMEIRION - DER ORT

ende gebietet uns NUMMER 6, fragen zu stellen, unsere antworten zu hinterfragen und andere damit zu konfrontieren. Zweifellos liegt hier die wirkliche botschaft von NUMMER 6, nicht in einer antwort, sondern in einer frage: warum?

FLUCHT

Vor zehn jahren hat NUMMER 6 einen achtungserfolg errungen, war aber kein kommerzieller erfolg. Heute, 1978, sieht es jedoch so aus, dass Nummer Sechs endlich dem getto der kommerzialität, wo er so lange eingesperrt war, entflohen ist. Bei der ersten ausstrahlung hatte der zuschaueranteil von THE PRISONER den normaler serien übertroffen. In England, in den USA entstand eine neue generation, die "Prisoner freaks". Und McGoohans botschaft verbreitet sich. Dort wie hier lebt man songs, gedichte, romane und comics, die themen von NUMMER 6 und dem Ort aufgreifen.

Warum nun der plötzliche kommerzielle, phänomenale erfolg von NUMMER 6 in England? Eine wiederholung vor einem jahr hat das feuer wieder entfacht. Es gab fananfragen nach mehr informationen über NUMMER 6. Schließlich gab der sender ATV nach - der boom war da. Auf conventions sieht man anstecker mit dem Village-symbol und den nummern 6 oder 2 darauf oder sogar die 1. Ein fanclub hat sich gegründet...

Die tatsache, dass NUMMER 6 zehn jahre nach der fertigstellung im fernsehen wiederholt und zu so einem erfolg werden konnte, ist ein klarer beweis nicht nur dafür, dass die serie nicht gealtert ist, sondern dass die botschaft, die Patrick McGoohan versuchte zu übermitteln, nach wie vor kraft hat. Angesichts von Watergate und dem Gulag, gesetzen zum schutz von informationen usw. kann man glauben, dass diese botschaft auch heute noch eine weitreichende bedeutung hat.

Ob wir wollen oder nicht, by hook or by crook, so oder so, wir sind wieder bei Nummer Sechs.

Bonjour chez vous!

Anm. 1) Interessante vermutung; motorengeräusche sind aber zu hören.
Anm. 2) In der originalfassung ruft Nummer Zwei: "Be still!", woraufhin Rover erscheint. Im französischen text wird der satz aus dem prolog wiederholt: "Vous le saurez en temps utile" - "Das erfahren sie zu gegebener zeit."
Anm. 3) Port Meirion: Der autor verwendet die ältere schreibweise.
Anm. 4) Als drehschauplatz.
Anm. 5) Diese aussage ist nicht richtig; mehr...
Anm. 6) "Pas de deux" wurde als sechste episode produziert, "Demaskierung" erst ein knappes jahr später.
Anm. 7) Es ist die A20; auf dem wegweiser: 27 meilen bis London
.
Anm. 8) Der leichenwagen fährt vor, als sie 1 Buckingham Place erreichen. Nummer Sechs steigt in den Lotus, der Butler betritt das haus, die tür schließt sich mit dem von "6 Private" bekannten summen.
Anm. 9) Nummer Sechs fährt durch London. Den Lotus auf der verlassenen straße oder rennpiste sieht man näherkommen, nicht sich entfernen, bis das schlussbild dem aus dem vorspann entspricht. Danach die schlusscredits.

Dieser gut illustrierte beitrag erschien 1978 in ausgabe 4 des französischen magazins "L'Écran Fantastique" ("Die fantastische Leinwand") unter dem originaltitel "LE PRISONNIER ou Le Fantôme de la Liberté". Er gilt als erste ernsthafte beschäftigung mit der serie THE PRISONER in französischer sprache.

Aus dem französischen von Arno Baumgärtel. Mit dank an Jean-Marc Lofficier für die genehmigung. Szenendialoge sind die der deutschen fernsehsynchronisation des ZDF bzw. von ARTE. Patrick McGoohan und George Markstein werden in eigener übersetzung zitiert. Dank an Jana Müller und Patrick Ducher von Le Rôdeur für ihre unterstützung. Einige wenige absätze von nur zeitgenössischer bedeutung wurden weggelassen. Von Patrick Ducher ist in zusammenarbeit mit Jean-Michel Philibert als buch erschienen: "LE PRISONNIER - Une énigme télévisuelle"; Éditions Yris. Neuauflage von 2003.


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