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DER MANN HINTER
NUMMER 6

PATRICK McGOOHAN
IM INTERVIEW MIT BILL KING

Die orwellsche Allegorie über den Kampf eines Mannes um die Wahrung seiner Individualität in einem geheimnisumwitterten Gefängnisort war mit seiner Mischung aus Abenteuer, kafkaesker Satire, Science Fiction und surrealen (und oft obskuren) Symbolismen völlig verschieden von der üblichen TV-Kost.

   

Sie hat seit jeher die Zuschauer sowohl fasziniert als auch in Rage versetzt. Nachfolgend ein Gespräch mit Bill King vom Magazin "Anglofile" aus dem Frühjahr 1985. Die mit viel Beifall bedachte Broadway-Produktion "Pack of Lies" (dt. "Ein Haufen Lügen", Autor Hugh Whitemore) endete vor zweieinhalb Jahren mit dem Bühnenabgang für Patrick McGoohan,

AUS DEM ENGLISCHEN VON MICHAEL KIMPEL

der Mitte der sechziger Jahre international als der coole Meisterspion John Drake in der Serie DANGER MAN bekannt wurde (dt. GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE, in den USA SECRET AGENT) und der danach die Kultserie THE PRISONER erschaffen hatte, in der er auch Hauptdarsteller war. McGoohan

saß in der Hotel-Suite, die während seines Broadway- Engagements sein Domizil war und trank einen Kaffee, den er sich selbst zubereitet hatte, umgeben von Gegenständen, die auf zwei seiner Leidenschaften hindeuten: Familienfotos mit Joan,

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DAS TROYER-INTERVIEW MIT PATRICK McGOOHAN
PATRICK McGOOHAN: INTERVIEW MIT MIKE TOMKIES
PATRICK McGOOHAN: SIMON BATES, BBC-INTERVIEW

seiner Ehefrau seit über 30 Jahren, seinen drei Töchtern und seinen drei Enkeln sowie einem Textsystem, das er während seiner Freizeit zum Schreiben nutzt. Nach seiner Theaterzeit im englischen Sheffield, in der seine Karriere Anfang der fünfziger Jahre ihren Anfang genommen hatte – zweimal war er dort zum Bühnendarsteller des Jahres gewählt worden -, schloss sich für ihn der Kreis mit der Rückkehr zur Bühne in dem Stück "Pack of Lies". An seine früheren Arbeiten erinnerte seine Rolle als urbaner, leicht herablassend wirkender britischer Geheimdienstoffizier, dessen Auftrag ihn in das Heim einer Familie in einem Londoner Vorort führt und sie dazu bringt, ihre besten Freunde auszuspionieren, die sich später als russische Spione erweisen.

Sein Engagement am Broadway fand ihren Höhepunkt in einer arbeitsintensiven Zeit, wo McGoohan in dem kanadischen Film KINGS AND DESPERATE MEN mitspielte, den Schurken in dem Disney-Film BABY – SECRET OF THE LOST LEGEND mimte und zusammen mit Jane Seymour in der TV-Miniserie JAMAICA INN auftrat.

McGoohan, der seit 1970 in dem kalifornischen Ort Pacific Palisades lebt und an ca. 30 Filmen mitgewirkt hat, hat es seit den Tagen von THE PRISONER nie an Beschäftigung gemangelt. Trotz seines ausgefüllten Arbeitslebens machte der hochgewachsene, schlanke Ire einen frustrierten Eindruck, als er sich einen Tag vor seinem 57. Geburtstag zum Gespräch hinsetzte. Er hatte es satt, wie er sagte, einen Film nach dem anderen zu drehen, an dem er nichts mitzubestimmen hatte. Er war entschlossen, die Kontrolle über seine Karriere zurückzugewinnen und das Maß an kreativer Freiheit auszuschöpfen, das er während seiner Arbeit an THE PRISONER hatte.

Dieses interview ist bemerkenswert aus mehreren gründen. Zum ersten, weil die allfällige diskussion, ob John Drake Nummer Sechs sei, unzweideutig mit "nein" beantwortet wird. Zum zweiten, weil deutlich wird, dass McGoohan eine miniserie von sieben teilen im sinn hatte, wobei offen bleibt, welche der schlussendlich produzierten episoden dazugehören würden. Drittens, weil McGoohan hier wie sonst kaum irgendwo betont, was andernorts als "autorentheorie" begriffen wird: NUMMER 6, das war sein baby. Bei dieser sache hatte er volle kontrolle über nahezu den gesamten produktionsprozess. Und viertens, weil zwischen den zeilen zutage tritt, wie wenig diese autorenschaft in den USA tatsächlich wert war. Für einen wie ihn gab es dort nichts zu tun. Darin trifft er sich nicht zufällig mit Peter Falk. Trotz einer beachtlichen filmliste blieb auch Falk ein außenseiter in Hollywood, seine schauspielerische reputation gewann er eher im independentkino. Nur im rahmen der serie COLUMBO konnte er sich, konnten eine zeitlang sich beide gemeinsam, ausdrücken. Peter Falk wie Patrick McGoohan, ihre kunstfiguren hatten sie längst überwältigt.

Mit unverhohlener Verachtung sprach er über die meisten seiner jüngeren Filme, in denen er meistens Bösewichte spielte. "Gelegentlich macht mir die Schauspielerei auch Spaß" sagte der Darsteller mit knurrender Stimme und dem verqueren Lächeln, das für seine sardonischen Rollen so charakteristisch ist. Doch mit einem Blick durch seine Hornbrille auf einen Stapel seiner unverfilmten Manuskripte stellte er klar, dass seine Liebe dem Schreiben, Produzieren und Regie führen seiner eigenen Filme galt. _

F: Arbeiten Sie nur, wenn Sie die Arbeit auch interessiert?

Man arbeitet hauptsächlich der Arbeit wegen. Aber ich habe eine ganze Menge geschrieben. Da drüben liegen drei Drehbücher [mit Geste in Richtung Schreibtisch]. Ich werde Regie führen und bin Koproduzent. Das ist es, was ich momentan will, mehr Kontrolle über mein eigenes Schicksal. Genauso wie bei der Serie THE PRISONER, die ich produziert habe, entworfen, geschrieben und bei der ich Regie geführt habe und wenn man damit auf die Schnauze fliegt, kann man niemand anderem dafür die Schuld in die Schuhe schieben. Was ich für den richtigen Weg halte. Und wenn's funktioniert ist alles bestens. Das ist es, was ich machen möchte.

F: Sie haben jede Menge geschrieben. Sind viele von ihren Drehbüchern verfilmt worden?

Ich habe sie aufbewahrt. Genau aus diesem Grund. Einige habe ich verkauft, aber diese möchte ich behalten damit ich sie selbst umsetzen kann, verstehen Sie, um die Kontrolle darüber zu behalten. Man verkauft ein Stück Papier und weg ist es.

F: Was muss ein Patrick McGoohan alles machen um einen Film zu produzieren, dessen Drehbuch er selbst geschrieben hat und bei dem er Regie führen will?

Naja, meine Visitenkarte ist natürlich etwas, das ich gemacht habe und das auf seine Weise sehr erfolgreich war, THE PRISONER, worüber ich die totale Kontrolle hatte. Das gibt es mittlerweile auf Video und verkauft sich anscheinend wie warme Semmeln, ich habe einen Teil davon. Das ist einer der Gründe, warum ich es machen muss, weil ich mir sage, ich will nicht im Voraus solche Ausgaben, und ich spekuliere dann darauf, dass es ein Erfolg wird und nehme mir dann meinen Anteil. So habe ich es gemacht.

F: Nachdem Sie im Fernsehen lange Zeit der Held waren, haben Sie in den letzten Jahren eine Menge Schurken gespielt.

Das ist wirklich sehr schwer zu erklären. Aber damit bin ich durch. Ich spiele keine Schurken mehr. So ist das. Es sei denn, es wär ein großer klassischer Schurke. Nur als Beispiel. Meine Lieblingssache, die ich in den USA gemacht habe, war eine Folge von COLUMBO. Er war Kommandant einer Militärschule. Also ich würde ihn jetzt nicht direkt einen Schurken im engeren Sinn nennen. Er begeht einen Mord. In seinen Augen ist das vollkommen gerechtfertigt, da er Soldat durch und durch ist. Man beabsichtigt, seine Militärakademie in eine Schule für Mädchen und Jungen umzuwandeln, was für ihn indiskutabel ist. Also glaubt er in seiner Vorstellung dass es legitim ist, dies zu verhindern. Und er macht nicht den Eindruck eines Bösewichts. Er glaubt sich im Recht. Und ich habe eine Menge davon umgeschrieben. [McGoohan hat einen Emmy für diese Folge erhalten.] Das war das erste Mal, dass ich mit Peter Falk zusammengearbeitet habe. Und danach habe ich noch einige weitere Folgen von COLUMBO gedreht.

F: In einer Folge waren Sie ein CIA Agent.

Da habe ich auch Regie geführt. Und ein gewisser Bob Vaughn [Solo für O.N.C.E.L.] war dabei.

F: Ich erinnere mich noch, als ich die Folge gesehen habe, und da war so eine von diesen kleinen Schrullen, die Art wie Columbo sich bewegte, wie er viel zu dicht neben Robert Vaughn saß. Und ich sagte zu meinem Bruder, "Weißt du, ich könnte schwören, dass Patrick McGoohan etwas mit dieser Folge zu tun hat." Und im Nachspann erschien dann ihr Name!

Ich bin schon sehr zufrieden zu hören, dass das öfter erwähnt wird. Irgendjemand hat dasselbe gesagt wie Sie. Ich bin mir nicht sicher, ob es der allgemeinen Linie von COLUMBO entsprochen hat, aber es hat mir Spaß gemacht. Und Peter hatte damals sicherlich ebenso seinen Spaß. Weil er damals kurz vor dem Abschluss der Serie stand, er bereitete ihre Beendigung vor. Eine von den letzten Folgen. Und ich sagte: "Komm, laß uns ein bisschen Spaß haben. Ein etwas anderer COLUMBO." Und am Schluss war da diese letzte Einstellung von ihm, wie er in einem Boot davonrudert, um seine Frau im Yachtclub zu treffen. Was ich damit sagen will, das stand gar nicht im Drehbuch. Ja, das hat mir gefallen. Und auch diesen Militär zu spielen. Eine Rolle wie diese ist nicht das, was ich mir unter einem Schurken vorstellen würde. Ich meine, Jago zum Beispiel, der ist so niederträchtig wie man sich nur vorstellen kann. Aber natürlich in einer anderen Größenordnung.

F: Wie sind Sie dazu gekommen, Bösewichte zu spielen?

Keine Ahnung.

F: Ich vermute, die bemerkenswertesten waren der Gefängnisdirektor aus FLUCHT VON ALCATRAZ und der Schurke aus TRANS-AMERIKA-EXPRESS.

Die waren sehr erfolgreich. Wenn die Besetzungschefs das mal im Gedächtnis haben, dann vergessen sie, dass du in 160 Folgen der Held warst (lacht). Jetzt bist du der Böse.

F: Man wird darauf festgelegt, was man zuletzt gemacht hat.

Oh ja. Das ist frustrierend. Also keine eindimensionalen Bösewichte mehr. Ich meine, was kann man aus einer Rolle wie dem Gefängnisdirektor aus FLUCHT VON ALCATRAZ machen? Außer für Clint Eastwood die Stichworte zu geben in einer Handlungssituation, die ihm auf den Leib geschrieben ist. Was kann man daraus machen? Nichts. Du bist einfach nur der fiese Gefängnisdirektor.

F: Sie sagten, keine Schurken mehr. Haben Sie jemals den Punkt erreicht, wo Sie sagten, keine Geheimagenten und Spione mehr?

Ja, hab' ich. Schon öfter. Das hängt davon ab. Es ist schwer, ein schwarzes Tuch über eine Sache zu decken und zu sagen, niemals wieder und dann kommt jemand um die Ecke und hat das Beste, was jemals zu diesem Thema geschrieben wurde. Die Rolle, die ich jetzt gerade spiele ("Pack of Lies"), sehe ich in keinster Weise als Geheimagent an. Es kam mir niemals der Gedanke, dass er ein Geheimagent ist. Er arbeitet für MI5. Er ist ein Typ, der Agenten einsetzt. Er ist mehr sowas wie ein Spürhund, der sich in den höheren Kreisen bewegt.

F: Es ist eine Spionage-Story.

Es geht um Spionage. Er hat Umgang mit Spionen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich dabei bin. Darum wollten sie mich. Aber das kam mir niemals in den Sinn, bis es hier von jemand anderem zur Sprache gebracht wurde. Das ist ein Analytiker, kein Action-Held. Aber es ist ein gutes Stück. Faszinierend.

F: Was ihre Arbeit für das Fernsehen betrifft, haben Sie in den letzten Jahren nicht viel gemacht. Haben Sie es gemieden oder hat es nicht funktioniert?

Letzteres.

F: 1977 haben Sie RAFFERTY gemacht.

Und das war eine Katastrophe. Das war der mieseste Job, den ich je in meinem Leben gemacht habe. Meiner Meinung nach. Weil ich damit verwöhnt war, die totale Kontrolle über die Serien zu haben, die ich in England gemacht habe, alle beide. Ich meine, bei SECRET AGENT hatte ich nach 20 Folgen komplett die Kontrolle darüber. Und danach, bei THE PRISONER, hatte ich natürlich von Anfang bis Ende die totale Kontrolle. Ich musste mich nicht mit Managern herumschlagen oder an Ausschusssitzungen teilnehmen. Ich hatte zwei Angestellte, die mir das Geschäftliche abgenommen haben und dafür sorgten, dass die Maschinerie lief wie geölt. Alle Entscheidungen, die getroffen werden mussten, kamen zu mir mit Optionen – a, b oder c – während ich beim Drehen war und unsere Treffen waren in drei oder vier Minuten beendet. Nachdem die Entscheidung gefällt war musste ich nie mehr darüber nachdenken. Die sorgten dafür, dass alles erledigt wurde. So wurde ich umsorgt. Und dann kommst du an RAFFERTY und es werden im Vorfeld alle möglichen Versprechungen gemacht, was den Stil der Serie angeht und die Drehbücher erweisen sich als ein Haufen Riesenschrott und du hast keine Zeit mehr, alles umzuschreiben. Ich meine, ich wollte, dass er ein umherreisender Doktor ist. Und so haben sie es mir versprochen. Und stattdessen spaziere ich die ganze Zeit irgendwelche beschissenen Krankenhausflure auf und ab! Ich sagte, bringt mich raus aus diesem beschissenen Krankenhaus. Weil es echt nichts mehr bringt. Dazu gibt es nichts Neues mehr zu sagen. Der totale Frust von A bis Z.

Weil mir alles Mögliche versprochen wurde, was geschehen sollte um die Serie unverwechselbar zu machen. Und das ist nicht passiert. COLUMBO war okay, wie Sie sehen. Das war die einzige andere TV-Serie, die ich hier drüben gemacht habe. [Ein bärtiger McGoohan hatte seitdem einen Gastauftritt in der aktuellen Staffel der Serie MORD IST IHR HOBBY, wo er einen bombastischen Anwalt spielte.] COLUMBO war in Ordnung, weil Peter in derselben Lage war wie ich in England. Er hatte das Sagen. Peter hatte eine sehr erfolgreiche Serie und sie haben alles gemacht, was er wollte.

Q: Macht.

Macht. In England hatte ich Macht. Und die braucht man auch. Aber bei dieser RAFFERTY-Geschichte, da habe ich 11 Personen gezählt, die alle glaubten, sie wären der Boss, die dachten, sie wären die "Erfinder" dieses Müllhaufens. Aber man konnte nicht einen finden, der bereit war Verantwortung zu übernehmen.

F: Gab es in den letzten Jahren Projekte, bei denen Sie diese Kontrolle hatten?

Nein.

F: War das für Sie frustrierend?

Das war natürlich total frustrierend.

F: Haben Sie seit COLUMBO irgendwas geschrieben oder Regie geführt?

Nein. Ich habe einen ganzen Stapel Zeug angehäuft, für den Fall wenn der richtige Zeitpunkt kommt. Ich meine, ich rede hier über Drehbücher, die sind schon fertig und eines, das ist beinahe fertig. Das ist eine große und ziemlich kostspielige Angelegenheit. Es geht um eine Erweiterung des PRISONER-Themas, obwohl es nichts direkt damit zu tun hat. Und es ist 200 Jahre weiter. Außerdem soll es auf dem kleinen Bildschirm funktionieren. Budgetmäßig liegen sie im Mittelfeld aber wirtschaftlich sind sie rentabel. So verschafft man sich Macht. Man macht einen Film mit einem vernünftigen Budget, der Gewinn macht - und man gewinnt an Macht. Anschließend sagt man, ich möchte einen etwas größeren machen. Und der muss dann auch richtig groß sein. Es gibt keine Möglichkeit, dass das ein kleiner Film wird. Der braucht eine Menge Spezialeffekte und ähnliches. Ich meine, lieber mache ich es überhaupt nicht als dass es irgendein anderer macht.

F: Sie haben gesagt, der große Film, den Sie gerne machen möchten, ist so etwas wie eine Fortsetzung des Themas von THE PRISONER. Wo kommt denn die ganze Idee her?

Das ist eine Idee, die ich schon immer mit mir herumgetragen hatte. Das Überleben des Individuums, wirklich. Individualität. Der Widerstand gegen die verschiedenen Zwänge um uns, die uns dazu zwingen, uns anzupassen. Die allgegenwärtige Beliebigkeit der Masse zu überwinden. Nicht einer aus der Masse zu sein. Dieses Konzept, so nehme ich an, ist Widerstand gegen die Art von Erziehung, die einem in den Religionsschulen beigebracht worden ist. So war der PRISONER einer, der Widerstand geleistet hat und verbissen um seine Individualität gekämpft hat. Es ging wirklich nicht um sowas wie einen Geheimagenten der eingesperrt war, weil er Geheimnisse hatte, die der Gegner nicht wissen durfte. Darum ging es überhaupt nicht. Obwohl es so von vielen Leuten interpretiert wurde, weil ich vorher SECRET AGENT gemacht hatte und ich war zufällig derselbe Mann mit demselben Gesicht aber ohne Namen.

F: War der Gefangene derselbe wie John Drake?

Nein! Er hatte keinen Namen. Er wurde Nummer Sechs genannt. Es wurde niemals gesagt, womit er seinen Lebensunterhalt verdiente, außer dass er ein Geheimnis hatte, das sie wollten. Und dass er sich zurückgezogen hatte. Man erfuhr jedoch nie, von was er sich zurückgezogen hatte. Man erfuhr nie, was sein Geheimnis war. Nur, dass sie versuchten, ihn zu zerbrechen.

F: Aber Sie haben natürlich mitgekriegt, dass die Zuschauer damals angenommen haben, dass es derselbe Mann aus SECRET AGENT ist.

Natürlich. Darüber habe ich mir nicht viele Sorgen gemacht. Andernfalls hätte ich es nicht gemacht. Aber es hätte auch so seine Gültigkeit behalten. Ich meine, er hätte immer noch ein Mann sein können, der nicht mehr den Job des Geheimagenten machen will. Es hätte auch auf dieser Ebene spielen können. Aber danach wurde es eine Allegorie der anderen Art.

ARTWORK BY STEVE RAINES

F: War es in ihrer Vorstellung seine eigene Seite oder die Gegenseite, die ihn hatte?

Es könnte jede gewesen sein. Aber wahrscheinlich seine eigene Seite. Die eigene Seite ist oft die gefährliche. Ich meine, es ist leicht zu unterscheiden wer der Feind ist, wenn man im Schützengraben liegt. Weil sie in diese Richtung sehen. Wenn man seinen Kopf rausstreckt, erschießen sie dich. Also weißt du, wer die sind. Der Typ, auf den du aufpassen musst, ist der Typ hinter dir, der dich von hinten erdolcht, weil du mit seiner Frau durchbrennen willst oder sowas. Das sind die Feinde, bei denen du vorsichtig sein musst, die sich von hinten und von der Seite anschleichen. Damit wäre die Schlussfolgerung, dass es jedermann sein könnte, der hinter dir her ist und dich nicht als das Individuum akzeptiert, das du bist und dir deine Marotten nicht gönnt.

F: War die Serie von Anfang an für 17 Folgen ausgelegt?

Nein. Es waren sieben Folgen geplant. Ich wollte nicht mehr als sieben machen, weil ich glaubte, die Idee sei nicht für mehr als sieben tragfähig, es war so ein obskures Thema. Es ist nicht so, dass man sagen kann, das kann immer so weiterlaufen, so wie bei BONANZA. Es war von anderer Natur. Es war kein episodenhaftes TV. Es war ein Thema mit einem Anfang und einem Ende und ich dachte, sieben wären … ich meine, heute würde man es eine Miniserie nennen. So hätte ich es gerne gemacht. Und dann wurde ich überredet … Lew Grade hat es an CBS verkauft und die wollten mehr. Sie wollten 26 und danach vielleicht noch mehr. Und wir haben uns getroffen und ich sagte: "Ich möchte nicht mehr als sieben machen." Und [Lew Grade] sagte, "Tun Sie mir einen Gefallen." Gut, er hatte mir ebenfalls einen Gefallen getan indem er es mich machen ließ und mir komplett freie Hand ließ. Er ließ mich unbehelligt seit dem Tag, als wir uns die Hand gegeben haben und sagten, los geht's. Wir haben nie einen schriftlichen Vertrag gemacht. Es ging alles per Handschlag. Also schuldete ich ihm etwas. Und ich sagte, okay, ich sehe was ich machen kann. Und an einem Wochenende setzten ich und diese beiden anderen Kerle [George Markstein und David Tomblin] uns hin, strengten unsere Köpfe an und dachten uns Ideen für zehn weitere Storys aus. Und dann heuerten wir Autoren an, um sie auszuarbeiten. Ich habe

DAVE BARRIE: SEVEN FROM SIX

ebenfalls einige geschrieben. Also idealerweise, wenn ich die Wahl hätte, wären da sieben, die ich raussuchen würde und die für mich die PRISONER-Serie wären, so ist das. Die restlichen haben damit zu tun, aber es macht Mühe, sie unterzubringen. Trotzdem hatten wir unseren Spaß damit. Da gibt es zum Beispiel diese Cowboy-Folge, um Gottes Willen ["Harmony"; Ed.]. Weil wir uns festgefahren hatten. Aber wir brachten es zum Laufen.

F: CBS hat die nicht mal gezeigt.

Die haben sie nicht gesendet? Das habe ich nicht gewusst. Aber wir haben dafür gesorgt, dass sie in den Zusammenhang gepasst hat. Man hätte jedes beliebige Thema auswählen können.

F: Sind Sie sich über den Kult bewusst, der rund um THE PRISONER entstanden ist?

Ich kann dem nicht ausweichen. Weil sie irgendwie immer hinter dir her sind. Ich meine, als wir "Pack of Lies" in Boston aufgeführt hatten und nach dem vierten Abend komme ich aus dem Bühneneingang und da stehen plötzlich sechs Leute vor mir, die alle aus London gekommen sind um mich in dem Stück zu sehen und die ihre PRISONER Badges anhaben. Dann wirst du ganz sicher darauf gestoßen. Und dann der Yale PRISONER Club und der Harvard PRISONER Club, die ebenfalls kamen. Ich meine, es ist sehr erfreulich, dass die Leute immer noch daran interessiert sind nach, wieviel, 17 Jahren?

F: Hatten Sie damals eine Vorstellung davon, dass das einmal etwas mit einem derart langanhaltenden Einfluss sein würde?

Nein. Kein Gedanke. Alles was man machen kann, ist zu tun, was man glaubt, tun zu müssen. Und wenn es sich dann in eine Richtung entwickelt, dann entwickelt es sich eben in diese Richtung. Man sagt sich ja nicht, okay, ich setz mich jetzt hin und schreibe eine Kultserie. Ich hatte davon keine Vorstellung. Ich meine, ich wusste nicht, ob es ankommen würde oder nicht. Ich wusste nicht, ob sich das jemand ansehen würde. Ich meine, man sollte nicht irgendetwas machen und sagen, das mache ich nur für mich selbst. Ich finde, das ist nicht ehrlich. Ich dachte, dass da etwas drin steckt, was ich erzählen wollte. Und zum Glück haben das einige Leute genauso gesehen. Sie mögen alle ihre eigenen Interpretationen dafür haben, aber das spielt keine Rolle. Man kann seine eigene Interpretation zu einem Gemälde usw. haben. Das ist egal. Solange es eine Reaktion hervorruft. Wenn es nichts bewirkt … ich meine, einige Leute haben gesagt, "Ich habe Sie in SECRET AGENT gemocht, aber den PRISONER habe ich gehasst." Das ist für mich völlig in Ordnung. Prima. Weil es nicht für jedermann geschaffen war. Ich meine, ich hätte wahrscheinlich mit SECRET AGENT weitermachen können, bis es mir zu den Ohren rausgekommen wäre, bis meine Enkel erwachsen gewesen wären. Ich allein habe die Entscheidung getroffen, damit Schluss zu machen, niemand sonst.

F: Ist THE PRISONER die Sache, auf die Sie am meisten stolz sind?

Nein, ich meine, ich werde nicht die ganze Zeit von THE PRISONER zehren. Was mich betrifft, war es mit dem letzten Drehtag zu Ende. Als wir die letzte Folge geschnitten hatten und sie für die Ausstrahlung abgeliefert hatten, war THE PRISONER für mich abgeschlossen, was meinen Teil angeht.

ARTWORK BY BRIAN GORMAN

F: Aber wenn sie auf ihr Gesamtwerk zurückblicken, was würden sie auswählen, wenn nicht THE PRISONER?

Oh, das weiß ich nicht. Ich würde mir Sachen raussuchen, die ich in England gemacht habe. Arbeit am Theater und sowas. Definitiv. Man musste sich über nichts Gedanken machen, einfach nur rausgehen und spielen. Eine Menge dieser Stücke habe ich am Sheffield Rep gespielt. Dort habe ich Sachen gemacht, auf die ich stolz bin. Ich kann mich daran erinnern, obwohl es nirgendwo aufgezeichnet wurde. Spielt das eine Rolle? [Achselzucken] Nicht solange man es getan hat.

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PATRICK McGOOHAN: SIMON BATES, BBC-INTERVIEW

Das interview von Bill King mit Patrick McGoohan datiert von 1985 und wurde 1988 in einer ausgabe des "Anglofile"-magazins veröffentlicht, eine heute anscheinend nicht mehr existierende US-amerikanische abonnementpublikation mit schwerpunkt auf britischen themen. 1991 wurde es in ausgabe 5 des PRISONER-fanzines "Chimes" (Londoner region und Südwestengland) wiederveröffentlicht.

In dieser ausgabe von Anglofile (nr. 6, vol 2, ohne bezug zum obigen beitrag), erscheinungsdatum nicht klar, mutmaßlich 1980er jahre, wird eine bevorstehende fortsetzung von NUMMER 6 als fernsehsequel angekündigt. In dem kaum lesbaren text wird schauspieler Leo McKern als beteiligter genannt.


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